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Zǐyáng Máo Jiān

Zǐyáng máo jiān · 紫阳毛尖

Zǐyáng Máo Jiān ist ein historischer Grüntee aus dem Kreis Zǐyáng in der Provinz Shǎnxī, am Nordhang des Dàbā-Shān-Gebirges am Oberlauf des Hànjiāng-Flusses gelegen. Das Hauptmerkmal dieses Tees ist die natürliche Anreicherung mit Selen: Zǐyáng ist eines der beiden größten natürlichen selenreichen Gebiete Chinas, und…

Zǐyáng Máo Jiān ist ein historischer Grüntee aus dem Kreis Zǐyáng in der Provinz Shǎnxī, am Nordhang des Dàbā-Shān-Gebirges am Oberlauf des Hànjiāng-Flusses gelegen. Das Hauptmerkmal dieses Tees ist die natürliche Anreicherung mit Selen: Zǐyáng ist eines der beiden größten natürlichen selenreichen Gebiete Chinas, und 1989 wurde der Tee aus Zǐyáng der erste weltweit wissenschaftlich geprüfte natürliche selenreiche Tee. Ein intensives Kastanienaroma, ein frischer Geschmack mit ausgeprägtem süßem Nachklang und reichlich silbriger Flaum – das sind die Visitenkarte dieses Tees, der in der Qing-Dynastie zu den zehn berühmtesten Tees Chinas zählte.

1. Klassifikation und Herkunft:

  • Typ: Grüntee (绿茶, lǜchá), nicht fermentiert. Untertyp – bedingt geformter, geröstet-getrockneter Grüntee (条形烘青绿茶, tiáoxíng hōngqīng lǜchá), der das Rösten (炒) und Trocknen (烘) kombiniert.
  • Kategorie: Historische berühmte Tees Chinas. Produkt mit geschützter geografischer Angabe (国家原产地保护, Anfang des 21. Jahrhunderts; 国家地理标志产品; 中国驰名商标). Der Kreis Zǐyáng trägt den offiziellen Titel „Heimat der berühmten Tees Chinas“ (中国名茶之乡).
  • Herkunft: China, Provinz Shǎnxī (陕西省, Shǎnxī Shěng), bezirksfreie Stadt Ānkāng (安康市, Ānkāng Shì), Kreis Zǐyáng (紫阳县, Zǐyáng Xiàn). Der Kreis liegt am Nordhang des Dàbā-Shān-Gebirges (大巴山, Dàbā Shān), an den Ufern des Hànjiāng-Flusses (汉江, Hànjiāng), an der Nahtstelle der Einzugsgebiete von Huánghé und Yángzǐ – in einem der nördlichsten Teeanbaugebiete Chinas.
  • Geografische Koordinaten: ungefähr 32°32′ N, 108°32′ O (Zentrum des Kreises Zǐyáng).

2. Geschichte und kulturelle Bedeutung:

  • Geschichte: Die Teekultur von Zǐyáng reicht über dreitausend Jahre zurück – bis in die Zeit des alten Königreichs Ba (巴国, Bāguó), als im Gebiet des heutigen südlichen Shǎnxī bereits wilder Tee wuchs. In der Östlichen Han-Dynastie (25–220 n. Chr.) drang der Buddhismus in das Zǐyáng-Gebiet vor, und die klösterliche Teekultur wurde zum Motor der Teeentwicklung: Den Mönchen war der Weingenuss verboten, und Tee wurde zum Hauptgetränk für die Wachheit während der Meditation. In der Tang-Dynastie (618–907) wurde der Tee aus dem Kreis zum Tributprodukt (土贡, tǔgòng) der Präfektur Jīnzhōu (金州, Jīnzhōu – alter Name von Ānkāng) und an den Kaiserhof geliefert. In den Song- und Ming-Dynastien wurde der Tee aus Zǐyáng zu einem der Schlüsselgüter der Politik des „Tee-Pferde-Tauschs“ (茶马法, chámǎ fǎ), was zu einem sprunghaften Anstieg der Produktion führte: Chroniken beschreiben die Lage als „Tag und Nacht Tee machen ohne Ruhe“ (昼夜制茶不休). In der Qing-Dynastie zählte Zǐyáng Máo Jiān zu den zehn berühmten Tees Chinas und wurde mit dem Vers besungen: „Seit jeher kommt der Frühling an den Südhängen früher als anderswo – zu Qingming kocht man bereits den Tee von Zǐyáng“ (自昔岭南春独早, 清明已煮紫阳茶). Nach der Gründung der VR China im Jahr 1949 begann eine systematische Arbeit zur Qualitätssteigerung des Tees. 1965 wurde die Zǐyáng-Gruppensorte (紫阳种) als eine der ersten 21 national empfohlenen lokalen Teesorten anerkannt. Am 6. September 1989 fand in Peking eine historische wissenschaftliche Begutachtung statt – der selenreiche Tee aus Zǐyáng wurde der erste naturbelassen selenangereicherte Tee der Welt, der eine offizielle wissenschaftliche Bewertung erhielt. Anfang des 21. Jahrhunderts erhielt der Tee den staatlichen Herkunftsschutz.
  • Name: 紫阳 (Zǐyáng) – „Zǐyáng“, der Name des Kreises, der seinerseits vom daoistischen Namen „Zǐyáng Zhēnrén“ (紫阳真人) – des Begründers der südlichen Schule des Daoismus, Zhāng Bóduān, der in dieser Gegend praktizierte – stammt; wörtlich „Purpurstrahlen“ (紫气东来, 阳光普照). 毛尖 (Máo Jiān) – „flaumige Spitzen“ – eine klassische Bezeichnung für Tees, die aus zarten Knospen mit üppigem Flaum (白毫, báiháo) hergestellt werden.
  • Kulturelle Bedeutung: Zǐyáng Máo Jiān ist ein Symbol der Teekultur des südlichen Shǎnxī und die „Wurzel und Seele“ des Shǎnxī-Tees (陕西茶叶的根和魂). Der Tee spielte historisch eine verbindende Rolle zwischen den Han und den nordwestlichen Nomadenvölkern durch den Tee-Pferde-Tausch. Die berühmte chinesische Ernährungswissenschaftlerin Yú Ruòmù (于若木, Yú Ruòmù) verlieh dem Tee die Formulierung: „Der Zǐyáng-Tee – reich an Selen, krebshemmend, hervorragend in Farbe, Aroma und Geschmack, ein wahres Juwel unter den Tees“. Das jährliche Teekulturfestival von Zǐyáng ist zu einem bedeutenden Ereignis von regionalem Rang geworden.

3. Botanische Beschreibung und Rohmaterial:

  • Sorte / Kultivar: Hauptkultivar ist die Zǐyáng-Gruppensorte (紫阳群体种, Zǐyáng qúntǐ zhǒng), die als national empfohlene lokale Sorte (国家级地方良种) anerkannt ist. Sie gehört zum Strauchtyp (Camellia sinensis var. sinensis) mit elliptischen oder lanzettförmigen Blättern. Sie zeichnet sich durch frühen Knospenaustrieb, dichte Verzweigung, hohe Widerstandsfähigkeit gegen ungünstige Bedingungen und gute Produktivität aus. Chemisches Profil des Frischblattes: Polyphenole – 30,35%, Aminosäuren – 3,08%, Selen – durchschnittlich 0,6530 mg/kg (Maximum – bis 3,8536 mg/kg).
  • Ernte: Frühlingsernte – höchste Qualität. Bestes Rohmaterial – „vor Qingming“ (明前茶, míngqián chá), wenn die Knospen am zartesten sind und der Aminosäuregehalt maximal ist.
  • Pflückstandard: Für Spitzengrade (银针, yínzhēn – „Silbernadeln“) – reine Einzelknospe. Für den Grad „Cuìfēng“ (翠峰, Cuìfēng) – Knospe mit einem sich gerade entfaltenden Blatt (一芽一叶初展). Für den Haupt-Máo Jiān – Knospe mit einem bis zwei Blättern.
  • Anforderungen an das Rohmaterial: Für die Herstellung eines Jīn (500 g) Tees werden 18.000–24.000 Knospen der mittelblättrigen Sorte benötigt. Das Rohmaterial muss frisch, einheitlich und frei von beschädigten und groben Blättern sein.

4. Terroir und Anbaubesonderheiten:

  • Klima und Relief: Das Gebiet gehört zum nördlichen Fuß des Dàbā-Shān-Gebirges – eine Zone von Bergschluchten, Canyons und Steilhängen am Oberlauf des Hànjiāng. Die Bergketten bilden eine natürliche Barriere gegen kalte nordwestliche Winde (Rolle des Qǐnlǐng-Gebirges), während die feuchten Südströmungen ein mildes subtropisches Klima gewährleisten. Jahresdurchschnittstemperatur 15–18 °C, Jahresniederschlag über 1200 mm; die Berge sind ganzjährig in Wolken und Nebel gehüllt.
  • Anbauhöhe: Die wichtigsten Teegärten liegen in den Bergschluchten und an den Hängen entlang der Flüsse Hànjiāng und Rènhé (任河, Rènhé). Die Kernzone bilden die Hochgebirgsschluchten der Gemeinden Huàngǔ (焕古乡, Huàngǔ Xiāng) und Hépíng (和平乡, Hépíng Xiāng) sowie die ökologischen Teegärten an den Ufern von Hànjiāng und Rènhé.
  • Böden: Saure gelbe Sandböden (酸性黄沙土) aus Granitgestein, pH 4,5–6,5. Entscheidende Besonderheit – natürliche Selenanreicherung: Der Se-Gehalt der Böden beträgt 0,70–15,59 ppm, bedingt durch das Vorkommen seltener frühkambrischer selenreicher Gesteine im Kreis. Die Böden enthalten zudem erhöhte Mengen an Zink, Strontium und anderen Spurenelementen, besitzen einen hohen Gehalt an organischer Substanz und eine gute Durchlüftung.
  • Anbaubesonderheiten: Zǐyáng ist eines der nördlichsten Teeanbaugebiete Chinas (北缘茶区), was eine langsamere Anreicherung von Inhaltsstoffen im Blatt, einen späteren Vegetationsbeginn und folglich eine erhöhte Konzentration von Aminosäuren und Aromastoffen bedingt. Das Gebiet gilt als „natürliche Genbank hochwertiger Teesorten der Nordzone“ (北方茶区优质茶树品种资源的天然基因库).

5. Herstellungsverfahren:

Die Herstellung von Zǐyáng Máo Jiān umfasst zehn Hauptschritte und kombiniert Rösten und Trocknen (炒烘结合, chǎohōng jiéhé):

  1. Auslegen zum Welken (摊青, tānqīng): Das frisch gepflückte Material wird dünn ausgebreitet, um die Oberflächenfeuchtigkeit allmählich zu entfernen und auf die Fixierung vorzubereiten.
  2. Fixierung / „Grüntöten“ (杀青, shāqīng): Rösten in einem flachen Wok bei etwa 150 °C (traditionell auf Holzfeuer), mit einer Einwaage von etwa 1500 g Frischblatt. Zunächst wird das Blatt von Hand gewendet, dann, wenn es zu heiß wird – mit einer Holzgabel. Das Rösten endet, sobald das Blatt eine dunkelgrüne Farbe, Weichheit und ein reines Aroma erreicht.
  3. Erstes Rollen (初揉, chūróu): Leichtes Rollen zur Formgebung und zum Aufbrechen des Zellsaftes.
  4. Rösten des Halbfertigprodukts (炒坯, chǎopī): Zwischenrösten zur weiteren Entwässerung und Profilbildung.
  5. Wiederholtes Rollen (复揉, fùróu): Das halbtrockene Blatt wird mit den Handflächen in kreisenden Bewegungen unter Druck gerollt, um eine feste Rollung und das Hervortreten des Flaums an die Oberfläche zu erreichen.
  6. Erste Trocknung (初烘, chūhōng): Heißtrocknung zur Feuchtereduzierung und Formstabilisierung.
  7. Richten und Formen (理条, lǐtiáo): Manuelle Formkorrektur jedes einzelnen Blattes für Einheitlichkeit.
  8. Wiederholte Trocknung (复烘, fùhōng): Zweite Trocknung bei mäßiger Temperatur.
  9. Hervortreiben des Flaums (提毫, tíháo): Bei 70–80 °C wird der silbrige Flaum auf die Oberfläche der Blätter gebracht – ein charakteristisches visuelles Merkmal des Máo Jiān.
  10. Fertigtrocknung mit Aromaentfaltung (足干焙香, zúgān bèixiāng): Abschließende Trocknung bei niedriger Temperatur bis zu einem Feuchtegehalt von ≤ 7 %, bei der sich das tiefe Kastanienaroma entwickelt.

Hinweis: Die traditionelle Technik umfasste Sonnen- oder Schattentrocknung (晒青, shàiqīng), die aktive Enzyme erhielt und dem Tee ein Alterungspotenzial verlieh. Die moderne Methode „Rösten + Trocknen“ zielt auf die maximale Entfaltung des Kastanienaromas ab.

6. Organoleptische Eigenschaften:

  • Erscheinungsbild des trockenen Blattes: Zwei Hauptstile: „Silbernadeln“ (银针) – gerade, nadelartige Blätter aus reinen Knospen, reichlich mit weißem Flaum bedeckt; „Cuìfēng“ (翠峰) – gerollte, leicht gebogene Blätter mit deutlichem Flaum. Die Farbe ist ein sattes, dunkles Grün.
  • Aroma des trockenen Blattes: Helles, beständiges Kastanienaroma (栗香, lìxiāng) – die Hauptnote; zarte „Knospensüße“ (嫩香, nènxiāng), charakteristisch für Spitzenqualitäten.
  • Aroma des Aufgusses: Intensives Kastanienaroma, hoch und langanhaltend (栗香高长); in den besten Mustern – mit einem Hauch von blumiger Note.
  • Geschmack: Lebhafte Frische (鲜爽, xiānshuǎng) – eine Folge des hohen Aminosäuregehalts (3,08%); reiche Fülle (醇厚, chúnhòu); ausgeprägter, anhaltender süßer Nachklang (回甘, huígān), der sich nach dem ersten Schluck allmählich aufbaut. Bei der ersten Verkostung mag der Geschmack mild erscheinen, dann entfaltet sich eine leichte Bitterkeit, gefolgt von einem dichten Aroma und einem zunehmenden zurückkehrenden Nachgeschmack.
  • Aufgussfarbe: Zartes Grün (嫩绿), klar, transparent mit deutlichem Glanz (清澈明亮).
  • Nassblatt (aufgebrühtes Blatt): Zarte, pralle, ganze Blätter – grün, leuchtend, gleichmäßig, zu „Sträußchen“ (嫩绿明亮, 匀整成朵) geformt.

7. Chemische Zusammensetzung:

  • Polyphenole (Catechine): Gehalt an Teepolyphenolen – 30,35% (gemäß Analyse des Frischblattes der Zǐyáng-Gruppensorte). Catechine (EGCG, EGC, ECG) – die Hauptantioxidantien.
  • Aminosäuren (u. a. L-Theanin): Gehalt an freien Aminosäuren – 3,08%. L-Theanin formt die charakteristische Süße und den „Körper“ des Geschmacks und wirkt mild entspannend sowie konzentrationsfördernd.
  • Alkaloide: Koffein – etwa 3%, Theobromin, Theophyllin. Der relativ hohe Koffeingehalt bedingt eine deutliche tonisierende Wirkung.
  • Selen (Se): Das entscheidende Spurenelement, das den Zǐyáng-Tee von allen anderen Grüntees unterscheidet. Mittlerer Se-Gehalt im Tee – 0,6530 mg/kg, maximal – bis 3,8536 mg/kg. Das ist etwa 5,5-mal höher als in gewöhnlichem Grüntee. Das Selen liegt in organischer Form vor und ist hoch bioverfügbar.
  • Vitamine: Vitamin C, B-Vitamine, β-Carotin – im frischen Frühlingsrohstoff.
  • Mineralstoffe: Zink, Strontium, Kalium, Mangan – in erhöhten Konzentrationen, bedingt durch die Mineralzusammensetzung der selenreichen Böden.
  • Ätherische Öle: Bestimmen das Kastanienaroma; ihr Profil wird durch die nördliche Lage des Anbaugebiets und die langsame Akkumulation von Aromastoffen geprägt.

8. Gesundheitliche Wirkungen:

  1. Antioxidative Unterstützung: Der hohe Gehalt an Polyphenolen in Kombination mit organischem Selen gewährleistet einen verstärkten antioxidativen Schutz. Selen ist ein Kofaktor des Enzyms Glutathionperoxidase – eines der wichtigsten antioxidativen Enzyme des Körpers.
  2. Unterstützung des Immunsystems: Der erhöhte Gehalt an Aminosäuren und organischem Selen trägt zur Stärkung der Immunmechanismen bei.
  3. Tonisierende Wirkung: Die Kombination von Koffein (~3%) und L-Theanin erzeugt ein ausgewogenes Wachsein – energetisch, aber ohne Unruhe.
  4. Unterstützung des Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels: Polyphenole und Aminosäuren üben eine gemeinsame regulatorische Wirkung auf den Cholesterin- und Blutzuckerspiegel aus.
  5. Reinigende und erfrischende Wirkung: Traditionell wird der Tee für seine Fähigkeit geschätzt, den Durst zu stillen, innere Hitze zu lösen und die Speichelproduktion zu fördern (生津, shēngjīn).
  6. Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems: Selen und Catechine tragen gemeinsam zur Gefäßelastizität und Blutdrucknormalisierung bei.
  7. Kognitive Unterstützung: L-Theanin verbessert die Konzentration und reduziert das Stressniveau.

Vorsichtsmaßnahmen: Es wird nicht empfohlen, den Tee auf nüchternen Magen zu trinken (die Gerbstoffe können die Schleimhaut reizen). Personen mit erhöhter nervöser Erregbarkeit sollten Mäßigung üben (Koffein ~3%). Vom Trinken vor dem Schlafengehen und zusammen mit Medikamenten wird abgeraten (mögliche Beeinflussung der Aufnahme). Ein über Nacht stehen gelassener Aufguss ist nicht zum Trinken geeignet.

9. Aufguss:

  • Wassertemperatur: 80 °C – optimal für die Balance von Frische und kastanienartiger Tiefe.
  • Teemenge: 3 g auf 150 ml Wasser (Verhältnis 1:50).
  • Geschirr: Ein durchsichtiges Glas ist die beste Wahl, um das Entfalten der flaumigen Knospen zu beobachten. Eine Porzellan-Gaiwan ist eine universelle Alternative.
  • Ablauf (Methode des unteren Aufgießens / 下投法, xiàtóu fǎ):
    1. Das Glas mit kochendem Wasser vorwärmen.
    2. Den Tee (3 g) einfüllen.
    3. Mit 80 °C heißem Wasser bis zum vollen Volumen aufgießen.
    4. Vor dem ersten Schluck 2 Minuten ziehen lassen.
    5. Bis zu einem Drittel des Glases trinken, dann Wasser nachgießen.
    6. Jeden weiteren Aufguss um 30 Sekunden verlängern.
    7. Qualitätstee verträgt 3–4 Aufgüsse.

10. Aufbewahrung:

  • Bedingungen: Luftdichte Verpackung, Schutz vor Fremdgerüchen, Licht und Feuchtigkeit.
  • Temperatur: 0–5 °C (Kühlschrank) – optimal für längere Lagerung. Vor dem Öffnen die Packung auf Raumtemperatur erwärmen lassen.
  • Haltbarkeit: Frischer Tee – innerhalb eines Monats für maximales Aroma. In luftdichter Verpackung im Kühlschrank – bis zu 12 Monate. Nach dem Öffnen – 2–4 Wochen.

11. Preis und Fälschungen:

  • Preiskategorien: Sondergrad (银针, Silbernadeln) – ab 800–1500 Yuan pro Jīn und darüber, abhängig von Jahr und Produzent. Erster Grad (翠峰) – 400–800 Yuan. Zweiter und dritter Grad – deutlich günstiger, dabei jedoch mit charakteristischem Kastanienaroma und Selenprofil.
  • Preisfaktoren: Grad, Erntezeitpunkt (vor oder nach Qingming), Anbauhöhe, Hand- oder maschinelle Pflückung, Selengehalt.
  • Wie man Fälschungen vermeidet:
    1. Kennzeichnung prüfen: Echter Zǐyáng Máo Jiān muss das Zeichen der geografischen Angabe „紫阳富硒茶“ und den Herstellerhinweis aus dem Kreis Zǐyáng tragen.
    2. Erscheinungsbild bewerten: Der echte Spitzengrad – dicht gerollte, gleichmäßige Blätter mit reichlichem silbrigem Flaum und dunkelgrünem Glanz.
    3. Aroma prüfen: Reines, tiefes Kastanienaroma ohne Muffigkeit, Brandgeruch oder Heuaroma.
    4. Aufguss beobachten: Klare, zartgrüne Farbe ohne Trübung; die Blätter am Tassenboden – ganz, zart, leuchtend grün.
    5. Preis kontrollieren: Ein verdächtig niedriger Preis für den „Sondergrad mit Selen“ ist ein Zeichen für eine Unterschiebung.

12. Interessante Fakten:

  1. Weltweite Premiere: 1989 bestätigte eine Expertenkommission aus Ernährungs-, Tee- und Medizinwissenschaftlern, dass der Zǐyáng-Tee der erste naturbelassene Tee der Welt mit wissenschaftlich nachgewiesenem natürlichem Selengehalt ist.
  2. Daoistischer Name: Der Kreis Zǐyáng ist der einzige in China, der nach einem daoistischen Namen benannt ist: Zhāng Bóduān (张伯端, Zhāng Bóduān), bekannt als „Zǐyáng Zhēnrén“ (紫阳真人, „Wahrhafter Mensch des Purpurstrahlens“), praktizierte hier in der Nördlichen Song-Dynastie und begründete die südliche Schule des Daoismus.
  3. Tee-Diplomat: Historisch war der Tee aus Zǐyáng ein Schlüsselprodukt im „Tee-Pferde-Tausch“ (茶马互市) – einem Austauschsystem, das das han-chinesische Kaiserreich mit den Nomadenvölkern des Nordwestens verband und die interethnischen Beziehungen festigte.
  4. Sortenerbe: Die Zǐyáng-Gruppensorte (紫阳种) wurde bereits 1965 in das erste nationale Register der empfohlenen lokalen Sorten aufgenommen und gilt als „natürliche Genbank“ der nördlichen Teezone.
  5. Drei Schlucke der Wahrheit: Die lokale Tradition schreibt vor, den Zǐyáng-Tee mindestens in drei Zügen zu trinken: Der erste Schluck – mild und unauffällig; der zweite – entdeckt Bitterkeit und Aromatiefe; der dritte – entfaltet die Geschmacksfülle und einen zunehmenden Nachklang, „der ein Leben lang anhält“, wie man in den Teehäusern von Zǐyáng sagt.

13. Sorten des Zǐyáng Máo Jiān:

  • Zǐyáng Yínzhēn (紫阳银针, Zǐyáng Yínzhēn) – „Silbernadeln“: Höchster Grad. Hergestellt aus reinen Einzelknospen. Form – gerade, nadelartig, mit reichlichem silbrigem Flaum. Aroma – zart, „knospig“ (嫩香); Geschmack – maximal frisch und süß.
  • Zǐyáng Cuìfēng (紫阳翠峰, Zǐyáng Cuìfēng) – „Smaragdspitze“: Erster Grad. Knospe mit einem sich entfaltenden Blatt. Form – gerollt, mit reichlichem Flaum. Aroma – intensiv kastanienartig; Geschmack – dicht, mit ausgeprägtem Nachklang.
  • Zǐyáng Máo Jiān (weitere Bedeutung): Zweiter bis dritter Grad. Knospe mit einem bis zwei Blättern. Bedingt gerollte Form. Aroma – anhaltend kastanienartig; Geschmack – dicht, leicht adstringierend, verträgt mehrfaches Aufgießen gut.

14. Vergleich mit anderen Grüntees des Typs Máo Jiān:

  • Xìnyáng Máo Jiān (信阳毛尖, Xìnyáng Máo Jiān): Ein berühmter „Zehnter“ aus der Provinz Hénán. Beide Tees gehören zum Typ Máo Jiān mit reichlichem Flaum, doch der Xìnyáng-Tee enthält kein Selen. Das Aroma des Xìnyáng-Tees ist eher „grasig“ und „kastanienartig“, der Geschmack erfrischender und weniger dicht als beim Zǐyáng-Tee.
  • Dūyún Máo Jiān (都匀毛尖, Dūyún Máo Jiān): Ein „Zehnter“ aus Guìzhōu. Kleinblättrig, mit sehr feinem, zartem Flaum und einem delikaten „bohnenartigen“ Aroma. Im Vergleich zum Zǐyáng-Tee – deutlich leichter im Körper und mit weniger ausgeprägter Kastaniennote.
  • Guìzhōu Lǜ Zhū (贵州绿珠, Guìzhōu Lǜ Zhū): Ein kugelförmiger Grüntee aus Guìzhōu – eine grundlegend andere Form (Granulat vs. bedingte Rollung), aber vergleichbar in der Frische. Enthält kein Selen.

Abschließend:

Zǐyáng Máo Jiān ist ein Tee, in dem Geologie auf Botanik und eine tausendjährige menschliche Tradition trifft. Seltene, mit Selen gesättigte frühkambrische Gesteine nähren die Wurzeln der Teesträucher, die an den steilen Hängen der Dàbā-Shān-Schluchten wachsen, und Meister, deren Handwerk bis in die Tang-Zeit zurückreicht, verwandeln zarte Knospen in einen Tee mit tiefem Kastanienaroma und vielschichtigem Geschmack. Für Liebhaber von Grüntee, die gleichzeitig Funktionalität (natürliches Selen) und ein raffiniertes Geschmackserlebnis suchen, ist Zǐyáng Máo Jiān eine der interessantesten und außerhalb Chinas noch wenig bekannten Entdeckungen.