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Yunnan-Grüntee
Yúnnán lǜchá · 云南绿茶
Yunnan-Grüntee (云南绿茶, Yúnnán lǜchá), auch bekannt unter der Kurzbezeichnung Diān Lǜ (滇绿, Diān Lǜ), ist eine umfassende Kategorie grüner Tees, die in der südwestchinesischen Provinz Yunnan (云南, Yúnnán) produziert werden.
Yunnan-Grüntee (云南绿茶, Yúnnán lǜchá), auch bekannt unter der Kurzbezeichnung Diān Lǜ (滇绿, Diān Lǜ), ist eine umfassende Kategorie grüner Tees, die in der südwestchinesischen Provinz Yunnan (云南, Yúnnán) produziert werden. Yunnan gilt als Ursprungsregion des Teestrauchs Camellia sinensis und beherbergt die größte genetische Vielfalt an Teepflanzen weltweit. Obwohl die Provinz durch Pu-Erh und schwarzen Tee (滇红, Diān Hóng) weltberühmt wurde, besitzen die yunnanesischen Grüntees einen ganz eigenen Charakter – einen kraftvollen Körper, geringe Bitterkeit und eine tiefe Extraktivität, die dem großblättrigen Rohmaterial Camellia sinensis var. assamica zu verdanken sind. Das macht Diān Lǜ zu etwas grundlegend anderem als die fragilen Grüntees des Jangtse-Tals: Hier verbindet sich Frische mit der urtümlichen Kraft des yunnanesischen Terroirs.
1. Klassifizierung und Herkunft:
- Typ: Grüner Tee (绿茶, lǜchá), unfermentiert. Je nach Fixierungs- und Trocknungsverfahren werden vier Untertypen unterschieden: Shàiqīng (晒青, shàiqīng – sonnengetrocknet), Hōngqīng (烘青, hōngqīng – durch Heißluft getrocknet), Chǎoqīng (炒青, chǎoqīng – durch Rösten getrocknet) und Zhēngqīng (蒸青, zhēngqīng – dampffixiert).
- Kategorie: Kategorieartikel / Übersicht über die Vielfalt grüner Tees der Provinz Yunnan.
- Ursprung: China (中国, Zhōngguó), Provinz Yunnan (云南省, Yúnnán Shěng). Hauptanbaugebiete: Líncāng (临沧, Líncāng), Bǎoshān (保山, Bǎoshān), Pǔ’ěr / Sīmáo (普洱/思茅, Pǔ’ěr/Sīmáo), Déhóng (德宏, Déhóng), Xīshuāngbǎnnà (西双版纳, Xīshuāngbǎnnà), Dàlǐ (大理, Dàlǐ), Kūnmíng (昆明, Kūnmíng), Zhāotōng (昭通, Zhāotōng).
- Geografische Koordinaten: Die Provinz Yunnan liegt zwischen 21° und 29° nördlicher Breite sowie 97° und 106° östlicher Länge. Die Teeplantagen konzentrieren sich überwiegend südlich des 25. Breitengrades.
2. Geschichte und kulturelle Bedeutung:
- Geschichte:
Yunnan ist einer der Hauptkandidaten für den Titel der Urheimat des Teestrauchs. Wilde Teebäume mit einem Alter von über tausend Jahren (darunter der berühmte Patriarchbaum im Kreis Fèngqìng, der auf 3200 Jahre geschätzt wird) zeugen davon, dass die Teekultur dieser Region bis in die tiefste Antike zurückreicht.
Frühe Erwähnungen: Bereits in der Tang-Dynastie (唐朝, Táng Cháo) war Tee aus Yunnan bekannt, wobei grobe gepresste Formen für den Tauschhandel mit tibetischen und anderen Nomadenvölkern dominierten. Der Historiker Xiè Zhàozhè (谢肇淛, Xiè Zhàozhè) aus dem frühen 17. Jahrhundert notierte in seinen Reiseberichten, dass der „Tee vom Taihua” (太华茶, Tàihuá Chá) aus der Umgebung von Kunming „in Farbe und Aroma dem Sōngluó nicht nachsteht” (安徽松萝, Ānhuī Sōngluó) – einem berühmten grünen Tee aus Anhui –, kritisierte jedoch sofort die grobe Rollung und den „grasigen Geschmack” des yunnanesischen Grüntees. Diese Bemerkung charakterisiert treffend das Grundproblem des frühen Diān Lǜ – die Verarbeitungskunst blieb deutlich hinter der Rohstoffqualität zurück.
Neuzeit: Nach der Gründung der Volksrepublik China 1949 wurde in Yunnan der Schwerpunkt auf die Produktion von schwarzem Tee (滇红, Diān Hóng) für den Export gelegt, und der grüne Tee rückte in den Hintergrund. Eine Wende brachten die Jahre 1986–1987, als im Rahmen der landesweiten Kampagne „von Rot zu Grün” (红改绿, hóng gǎi lǜ) die yunnanesischen Betriebe massiv auf die Produktion von Grüntee umstiegen. Den entscheidenden technologischen Durchbruch bildete die Erfindung des „Zhēngméi Chá” (蒸酶茶, zhēngméi chá) – eines dampffixierten Tees mit besonderem enzymatischem Profil, der das Problem der übermäßigen Bitterkeit des großblättrigen yunnanesischen Rohmaterials löste. Zhēngméi Chá wurde augenblicklich zum Alltagsgetränk der Provinz.
In den 1990er Jahren erlebte der Yunnan-Grüntee eine Überproduktionskrise, viele Fabriken wurden geschlossen. Die überlebenden Betriebe bewahrten jedoch die Technologien, und im 21. Jahrhundert erhielt Diān Lǜ im Zuge des wachsenden Interesses an Biotees einen zweiten Aufschwung. Heute werden yunnanesische Grüntees aus großblättrigem Rohmaterial, nach europäischen Bio-Standards produziert, in die ganze Welt exportiert.
- Name:
„Yunnan” (云南, Yúnnán) bedeutet „südlich der Wolken” (云 – „Wolken”, 南 – „Süden”), ein poetischer Name der Provinz. „Lǜchá” (绿茶, Lǜchá) – „Grüner Tee”. Die Kurzbezeichnung „Diān Lǜ” (滇绿, Diān Lǜ) leitet sich von dem alten Namen der Region Diān (滇, Diān) ab, der auf das Königreich Diān (滇国, Diānguó) aus der Zeit der Streitenden Reiche zurückgeht.
- Kulturelle Bedeutung:
Tee ist in Yunnan nicht nur ein Getränk, sondern das Rückgrat des Alltagslebens der zahlreichen Völker der Region: Dǎizú (傣族, Dǎizú), Hānízú (哈尼族, Hānízú), Bùlǎngzú (布朗族, Bùlǎngzú), Wǎzú (佤族, Wǎzú) und dutzender weiterer. Viele von ihnen haben archaische Arten des Grüntee-Verzehrs bewahrt – vom gerösteten Tee „Kǎozhúchá” (烤竹茶, kǎozhúchá) in Bambusrohren bis zum „Léichá” (擂茶, léichá), der mit Gewürzen im Steinmörser zerrieben wird. Diese Praktiken sind lebendige Zeugen einer Epoche, in der Tee noch nicht zum raffinierten Getränk der Beamten und Mönche geworden war.
3. Botanische Beschreibung und Rohmaterial:
- Sorte / Kultivar: Yunnan ist die einzige Provinz Chinas, in der sowohl die großblättrige (Camellia sinensis var. assamica) als auch die kleinblättrige (C. sinensis var. sinensis) Varietät des Teestrauchs in industriellem Maßstab verwendet werden. Für die Herstellung von Diān Lǜ kommen zum Einsatz:
- Yunnanesischer Großblatt-Sorte (云南大叶种, Yúnnán Dàyèzhǒng): Das wichtigste industrielle Material – dieselbe Sorte, die auch für Pu-Erh und Diān Hóng verwendet wird. Ergibt einen kraftvollen, extraktiven, „körperreichen” Grüntee mit leichter Bitterkeit.
- Selektionssorten: Yúnkàng 10 (云抗10号, Yúnkàng 10 Hào), Yúnkàng 47 (云抗47号, Yúnkàng 47 Hào – der erste hocharomatische Kultivar, der eine blumige Note in die Palette des Diān Lǜ brachte), Yúnchá 1 (云茶1号, Yúnchá 1 Hào), Fóxiāng 2 und 3 (佛香2号/3号, Fóxiāng 2/3 Hào – eine Hybride aus yunnanesischem Großblatt und Fúdǐng Dàbáichá).
- Kleinblättrige lokale Sorten: Sie werden für historische Namens-Tees verwendet – Kūnmínger „Shílǐ Xiāng” (十里香, Shílǐ Xiāng), Yíliáng Bǎohóng (宝洪, Bǎohóng) und andere.
- Ernte: Frühjahrsernte – März bis Mai (Spitzenqualitäten); Sommer-Herbst-Ernte – Juni bis Oktober (Massenqualitäten). Dank des warmen Klimas sind bis zu 25–26 Ernten pro Jahr möglich.
- Pflückstandard: Knospe mit ein bis zwei obersten Blättern für Namens-Tees; reiferes Rohmaterial ist für Massensorten von Shàiqīng und Hōngqīng zulässig.
- Anforderungen an das Rohmaterial: Jung, homogen, ohne mechanische Beschädigungen. Für einige Tees (Bambustee, Tee von alten Bäumen) ist großblättriges Rohmaterial mit ausgeprägt „wildem” Charakter zulässig.
4. Terroir und Anbaubesonderheiten:
- Klima und Relief: Yunnan ist eine gebirgige Provinz mit einer enormen Landschaftsvielfalt: von tropischen Tiefebenen Xīshuāngbǎnnàs (ca. 500 m) bis zu kühlen Hochlagen von Dàlǐ und Líncāng (1500–2200 m). Das Klima ist überwiegend subtropisch-monsunal mit einer klaren Trennung in Regenzeit (Mai–Oktober) und Trockenzeit (November–April). Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 12–23 °C, abhängig von der Höhenlage. Die täglichen Temperaturschwankungen sind beträchtlich (bis zu 15 °C), was die Anreicherung von Aromastoffen und Aminosäuren begünstigt.
- Anbauhöhe: Von 500 bis 2200 m über dem Meeresspiegel. Tee, der oberhalb von 1200 m angebaut wird, besitzt in der Regel ein feineres Aroma und eine ausgeprägte Süße.
- Böden: Vielfältig – Roterde (红壤, hóng rǎng), Gelberde (黄壤, huáng rǎng), Laterit. Reich an organischer Substanz und Mineralien, besonders in Zonen alter tropischer Wälder.
- Anbaubesonderheiten: Yunnan beherbergt die weltweit größte Anzahl alter Teebäume im Alter von Hunderten und Tausenden von Jahren. Viele Plantagen befinden sich in Mischwald-Ökosystemen, in denen die Teebäume gemeinsam mit Kampferbäumen, Bambus und Farnen wachsen – einer natürlichen Umgebung, die die biologische Schädlingsbekämpfung gewährleistet.
5. Produktionsverfahren:
Das Verfahren für Diān Lǜ variiert je nach Untertyp, doch das allgemeine Schema umfasst folgende Schritte:
- Pflücken (采摘, cǎizhāi): Hand- oder maschinelle Ernte.
- Welken (摊凉, tānliáng): Die Blätter werden in dünner Schicht im Freien oder in Innenräumen ausgelegt, um leicht Feuchtigkeit zu verlieren und auf die Fixierung vorbereitet zu werden.
- „Töten des Grüns” (杀青, shāqīng): Der entscheidende Unterschied zwischen den Untertypen:
- Chǎoqīng (炒青, chǎoqīng): Rösten im Wok oder in der Trommel bei 210–240 °C. Ergibt ein ausgeprägtes Maronenaroma.
- Hōngqīng (烘青, hōngqīng): Erhitzung durch Heißluft. Weicheres, blumigeres Profil; wird oft als Basis für Jasmintee verwendet.
- Zhēngqīng (蒸青, zhēngqīng): Dampffixierung – ein Verfahren, das 1942 von Tāng Rénliáng (汤仁良, Tāng Rénliáng) in der Experimentellen Teefabrik Shùnníng (顺宁实验茶厂, Shùnníng Shíyàn Cháchǎng) wiederbelebt wurde. Es beseitigt die übermäßige Bitterkeit des großblättrigen Rohmaterials und bewahrt Frische sowie eine leuchtend grüne Farbe.
- Shàiqīng (晒青, shàiqīng): Fixierung im Wok bei niedrigerer Temperatur (unter 180 °C), anschließend Sonnentrocknung. Genau genommen ist Shàiqīng der yunnanesische Shàiqīng Máochá (晒青毛茶), der gleichzeitig das Rohmaterial für die Pu-Erh-Herstellung darstellt. Als eigenständiger Grüntee zeichnet er sich durch einen charakteristischen „sonnigen” Beigeschmack (太阳味, tàiyáng wèi) und die Fähigkeit zur langen Reifung aus.
- Rollen (揉捻, róuniǎn): Manuelles oder maschinelles Rollen nach dem Prinzip „leicht-mittel-leicht”. Für großblättriges Rohmaterial beträgt der Rollgrad 70–75 %.
- Trocknung (干燥, gānzào): Erhitzung bei 90–130 °C (für Hōngqīng und Chǎoqīng) oder Sonnentrocknung (für Shàiqīng). Endfeuchte – unter 7 %.
- Sortieren (分级, fēnjí): Trennung nach Fraktionen.
6. Organoleptische Eigenschaften:
Die Organoleptik des Yunnan-Grüntees variiert außerordentlich stark, doch lassen sich gemeinsame Merkmale herausstellen:
- Erscheinungsbild des trockenen Blattes: Von feinen gerollten „Spiralen” und „Nadeln” bis zu großen, flachen „Zünglein” und prallen Trieben mit reichlich silbrigem Flaum. Die Farbe reicht von hellgrün (Hōngqīng) bis dunkelgrün mit öligem Schimmer (Chǎoqīng). Ein charakteristisches Merkmal der großblättrigen Sorten sind kräftige, „fleischige” Triebe, die deutlich größer sind als bei Grüntees aus dem Jangtse-Tal.
- Aroma des trockenen Blattes: Frisch, mit einer breiten Palette: Maronen- und Bohnennoten (Chǎoqīng), blumig (Hōngqīng, insbesondere aus dem Kultivar Yúnkàng 47), grasig-grün mit rauchigem Unterton (Shàiqīng).
- Aroma des Aufgusses: Hell, voluminös, mit Dominanz von Marone und gerösteter Nuss bei den Röstsorten; rein und blumig bei Hōngqīng; mit einer Note frisch geschnittenen Grases und „sonniger Wärme” bei Shàiqīng.
- Geschmack: Der wesentliche Unterschied zu traditionellen Grüntees ist ein deutlich vollerer Körper und eine ausgeprägte Extraktivität. Großblättrige Sorten ergeben einen kraftvollen, „körperreichen” Aufguss mit leichter Bitterkeit, die rasch in einen süßen Huígān übergeht. Kleinblättrige Tees sind zarter und feiner, näher am klassischen grünen Profil. Die Beständigkeit bei mehrfachem Aufguss ist überdurchschnittlich.
- Farbe des Aufgusses: Von hellgrün bis gelbgrün (Hōngqīng, Chǎoqīng); grünlich-gelb, manchmal leicht trüb (Shàiqīng aus frischer Ernte – wird mit zunehmendem Alter klarer).
- Teeboden (aufgegossenes Blatt): Ganze, elastische, große Blätter und Knospen – deutlich größer als bei Grüntees aus Zhèjiāng oder Ānhuī. Farbe – von frischgrün bis oliv.
7. Chemische Zusammensetzung:
- Polyphenole (Catechine): 28–32 % bei großblättrigen Sorten – einer der höchsten Werte unter den Grüntees weltweit. Hauptbestandteile – EGCG, ECG, EGC. Der hohe Polyphenolgehalt erklärt die ausgeprägte Geschmacksstruktur und das antioxidative Potenzial. Bei kleinblättrigen Sorten – 20–25 %.
- Aminosäuren: 2,5–4,0 % je nach Sorte und Anbauhöhe. L-Theanin dominiert und sorgt für das Gleichgewicht zwischen der Bitterkeit der Polyphenole und der Süße.
- Alkaloide: Koffein – 3,0–3,6 %. Theobromin und Theophyllin – in Spuren.
- Wässriger Extrakt (水浸出物): 45–47 % – ein sehr hoher Wert, der die Dichte und „Körperlichkeit” des Aufgusses erklärt.
- Vitamine: C (im frischen Rohmaterial), Gruppe B, E.
- Mineralstoffe: Kalium, Magnesium, Fluor, Zink, Mangan.
- Ätherische Öle: Vielfältig und abhängig vom Kultivar und der Fixierungsmethode. Der Kultivar Yúnkàng 47 enthält erhöhte Mengen an Linalool und Geraniol, die für das blumige Aroma sorgen.
8. Gesundheitsvorteile:
- Antioxidativer Schutz: Der hohe Gehalt an Catechinen (bis zu 32 %) macht Diān Lǜ zu einem der antioxidantienreichsten grünen Tees.
- Tonisierende und erfrischende Wirkung: Koffein (3,0–3,6 %) in Kombination mit L-Theanin sorgt für anhaltende Wachheit; bei Hitze löscht Diān Lǜ hervorragend den Durst und lindert Überhitzung – ein traditionelles Sommergetränk der Yunnanesen.
- Unterstützung der Verdauung: Polyphenole und Aminosäuren regen die Peristaltik an und erleichtern die Verdauung fetter Speisen.
- Herz-Kreislauf-System: Catechine und Aminosäuren tragen zur Senkung des Triglycerid- und LDL-Cholesterinspiegels bei; potenzielle Prävention von Arteriosklerose.
- Metabolische Unterstützung: EGCG hemmt die Absorption von Fetten und Glukose und unterstützt damit die Kontrolle von Körpergewicht und Blutzucker.
- Immunität: Polyphenol-Derivate und Vitamin C erhöhen die allgemeine Widerstandskraft des Körpers; Vorbeugung saisonaler Atemwegsinfektionen.
- Kognitive Funktionen: L-Theanin verbessert Konzentration und emotionale Balance, indem es die anregende Wirkung des Koffeins abmildert.
9. Zubereitung:
- Wassertemperatur: 80–90 °C für großblättrige Chǎoqīng und Hōngqīng; 75–80 °C für zarte kleinblättrige Sorten; 85–90 °C für Shàiqīng (gröberes Rohmaterial entfaltet sich bei etwas höherer Temperatur besser).
- Teemenge: 3–5 g auf 150–200 ml (europäische Methode); 5–7 g auf 100–120 ml (Gōngfu-Methode).
- Gefäß: Gàiwǎn (盖碗, gàiwǎn) – universelle Option; Glaskanne oder Glasbecher – zur Beobachtung des Öffnens kräftiger Triebe; für Shàiqīng ist sogar eine Tonkanne zulässig (das grobe Rohmaterial reagiert weniger empfindlich auf Aroma-Absorption).
- Vorgehen:
- Gefäß mit kochendem Wasser vorwärmen.
- Tee einfüllen.
- Für Shàiqīng – kurze Spülung (2–3 Sekunden); für zarte Hōngqīng und Chǎoqīng aus kleinblättrigem Rohmaterial ist keine Spülung erforderlich.
- Erster Aufguss – 15–30 Sekunden (Gōngfu) oder 1–2 Minuten (im Glas).
- Weitere Aufgüsse – mit einer Verlängerung um 5–15 Sekunden.
- Großblättrige Tees halten 5–8 Aufgüsse stand; kleinblättrige – 3–5.
10. Lagerung:
- Für Hōngqīng und Chǎoqīng: luftdichte, lichtundurchlässige Verpackung, Kühlschrank (0–5 °C). Haltbarkeit – bis zu 18 Monate; nach dem Öffnen – 2–3 Monate.
- Für Shàiqīng (晒青): Lagerung bei Raumtemperatur an einem trockenen, luftigen Ort ist zulässig. Shàiqīng ist der einzige Untertyp des Yunnan-Grüntees, der zu einer langsamen „Reifung” im Laufe der Zeit fähig ist, ähnlich wie Shēng Pǔ’ěr: Mit den Jahren mildert sich seine Bitterkeit, und das Profil erhält honigartige und holzige Obertöne. Dennoch wird für den klassischen „frischen” grünen Charakter ein Verzehr innerhalb eines Jahres empfohlen.
- Allgemeine Feinde des Tees: Feuchtigkeit, Licht, hohe Temperatur, Fremdgerüche.
11. Preis und Fälschungen:
- Preiskategorie: Insgesamt ist Diān Lǜ einer der erschwinglichsten Grüntees Chinas. Massensorten von Hōngqīng und Chǎoqīng – 50–150 Yuán pro Jīn. Namens-Tees (Bǎohóng Chá, Nánnuò Báiháo, Mòxiāng Yúnzhēn) – 200–500 Yuán. Seltene Tees von alten Bäumen (古树滇绿, gǔshù Diān Lǜ) können 1000–3000 Yuán und mehr pro Jīn erreichen, insbesondere von berühmten Bergen wie Jǐngmài (景迈, Jǐngmài) oder Bānzhāng (班章, Bānzhāng).
- Preisfaktoren: Art des Rohmaterials (großblättrig vs. kleinblättrig), Alter der Bäume, Anbauhöhe, Verarbeitungsmethode, Bio-Zertifizierung.
- So vermeiden Sie Fälschungen:
- Das Hauptrisiko besteht in der Unterschiebung von frischem Diān Lǜ durch vorjähriges Rohmaterial oder der Ausgabe von Shàiqīng Máochá als „Namens-Grüntee”. Überprüfen Sie das Produktionsdatum.
- Für Shàiqīng: Verwechseln Sie ihn nicht mit gepresstem Shēng Pǔ’ěr – loser Shàiqīng ist ein Grüntee, gepresster Shàiqīng mit Reifung gehört in die Kategorie Pǔ’ěr.
- Bewerten Sie das Aroma: Frischer Diān Lǜ muss ein sauberes Maronen- oder Blumenaroma ohne Muffigkeit und „Alterung” aufweisen.
- Das großblättrige Rohmaterial eines echten Diān Lǜ zeichnet sich durch fleischige, elastische Triebe aus – feiner Staub und Bruchstücke deuten auf niedrige Qualität hin.
12. Interessante Fakten:
- Die Provinz Yunnan gilt als genetische Heimat des Teestrauchs Camellia sinensis: Hier wurden 31 Arten und 2 Varietäten der Gattung Camellia Sektion Thea entdeckt, und es befindet sich die weltweit größte Anzahl alter kultivierter und wild wachsender Teebäume.
- Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurden yunnanesische Grüntees überwiegend im Shàiqīng-Verfahren (Sonnentrocknung) verarbeitet, und faktisch war der gesamte lose yunnanesische Tee „晒青毛茶” – dasselbe Rohmaterial, aus dem später Pu-Erh gepresst wurde. Die Grenze zwischen „Grüntee” und „Pu-Erh-Rohmaterial” ist in Yunnan historisch unscharf.
- Der yunnanesische Hōngqīng (烘青) diente jahrzehntelang als Grundlage für die Herstellung von Jasmintee in ganz China: Sein großblättriges „Substrat” nahm das Blumenaroma hervorragend auf. Ein erheblicher Teil des im Nordwesten Chinas verkauften Jasmintees wurde auf yunnanesischem Rohmaterial hergestellt.
- Der legendäre „Zehn-Li-Duft” (十里香, Shílǐ Xiāng) – ein historischer Grüntee aus der Umgebung von Kunming, der seit der Tang-Zeit existierte – war Anfang des 21. Jahrhunderts fast verschwunden: Von der ursprünglichen Population der Teebäume blieb nur ein einziges Exemplar übrig. Dank der Anstrengungen von Züchtern wurde der Kultivar wiederhergestellt und in die Produktion zurückgeführt.
- Im Jahr 1942 begann der Tee-Technologe Tāng Rénliáng (汤仁良, Tāng Rénliáng) in der Fabrik in Shùnníng (heute Fèngqìng) mit Experimenten zur Dampffixierung des yunnanesischen Großblatt-Materials – so entstand die „Zhēngqīng”-Technologie, die einen Durchbruch bei der Lösung des Bitterkeitsproblems des Diān Lǜ brachte.
13. Sorten von Yunnan-Grüntee:
- Diān Lǜ / Yunnan-Grüntee (滇绿, Diān Lǜ): Allgemeine, „generische” Bezeichnung für alle yunnanesischen Grüntees, die meist Massensorten von Hōngqīng oder Chǎoqīng aus großblättrigem Rohmaterial bezeichnet. Charakter – satt, „körperreich”, mit Maronenaroma und leichter Bitterkeit.
- Yíliáng Bǎohóng Chá (宜良宝洪茶, Yíliáng Bǎohóng Chá): Historischer Grüntee aus dem Kreis Yíliáng bei Kunming, auch bekannt als „Shílǐ Xiāng” – „Duft über zehn Li”. Ein kleinblättriger Chǎoqīng mit außergewöhnlich hohem, anhaltendem Blumenaroma. Hergestellt aus dem lokalen kleinblättrigen Kultivar.
- Nánnuò Báiháo (南糯白毫, Nánnuò Báiháo): „Weißer Flaum vom Nánnuò” – ein Hochland-Grüntee aus dem berühmten Teegebiet Nánnuòshān (南糯山) in Xīshuāngbǎnnà. Reichlich silbriger Flaum, zarter süßer Geschmack, große Knospen. Kombinierter Hōngqīng-Chǎoqīng-Typ.
- Yúnhǎi Báiháo (云海白毫, Yúnhǎi Báiháo): „Weißer Flaum des Wolkenmeeres” – Hochland-Grüntee aus dem Gebiet Jǐngmài oder Sīmáo mit üppigen Tips und zartem süßlich-blumigem Profil.
- Mòjiāng Yúnzhēn (墨江云针, Mòjiāng Yúnzhēn): „Wolkennadeln aus Mòjiāng” – Grüntee aus dem Autonomen Kreis Mòjiāng der Hāní im Bezirk Pǔ’ěr. Ursprünglich nach der Zhēngqīng-Technologie (Dampffixierung) hergestellt, seit 1958 als Chǎoqīng. Feine, gerade „Nadeln” mit hohem Aroma.
- Dàlǐ Cāngshān Xuělǜ (大理苍山雪绿, Dàlǐ Cāngshān Xuělǜ): „Schneegrün vom Cāngshān-Gebirge” – Grüntee vom Cāngshān-Massiv (3–4 Tsd. m) nahe der Stadt Dàlǐ. Zart, mit reinem Hochgebirgsaroma.
- Gǎntōng Chá (感通茶, Gǎntōng Chá): Historischer Tee aus dem Kloster Gǎntōng Sì (感通寺) am Fuße des Cāngshān. Einer der „drei großen historischen Tees Yunnans” neben Pǔ’ěr und Tàihuá Chá. In Aufzeichnungen des Qing-Literaten Yú Huái (余怀, Yú Huái) – „süß, duftend, zart-weiß – der beste Tee Yunnans”.
- Zhēngméi Chá (蒸酶茶, Zhēngméi Chá): Einzigartiger yunnanesischer dampffixierter Grüntee mit besonderem enzymatischem Profil, erfunden 1986–1987. Löst das Bitterkeitsproblem des großblättrigen Rohmaterials und bewahrt die Frische. War in den 1990er Jahren der beliebteste Alltagstee der Provinz.
- Zhāotōng Cuìhuá Chá (昭通翠华茶, Zhāotōng Cuìhuá Chá): Grüntee aus dem Berggebiet Cuìhuá im Norden Yunnans, nahe der Grenze zu Sìchuān. Kleinblättrig, mit reinem, frischem Aroma.
- Zhútǒng Xiāngchá (竹筒香茶, Zhútǒng Xiāngchá): „Duftender Tee im Bambusrohr” – keine eigenständige Sorte, sondern eine einzigartige Verarbeitungsweise, die von den Völkern Dǎizú und Hānízú praktiziert wird: Gewelktes Teerohmaterial wird in frische Bambusrohre gestopft und über Holzkohle erhitzt. Der Tee erhält das charakteristische Aroma von geröstetem Bambus.
Abschließend:
Yunnan-Grüntee ist nicht ein einziger Tee, sondern ein ganzes Universum, das sich von den zarten „Wolkennadeln” aus Mòjiāng bis zu den kraftvollen, beinahe urtümlichen Shàiqīngs von großblättrigen alten Bäumen Xīshuāngbǎnnàs erstreckt. Sind die Grüntees des Jangtse-Tals eine Aquarell – zart und transparent –, so ist Diān Lǜ ein Ölgemälde: dicht, gesättigt, mit tiefer Textur. Genau in diesem Gegensatz liegt sein Wert. Der yunnanesische Grüntee lädt jene, die Lóngjǐng und Bìluóchūn bereits kennen, dazu ein, hinter den „Wolkenvorhang” zu blicken und dort einen anderen Grüntee zu entdecken – archaisch, üppig und mit nichts zu vergleichen.