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Yunnan Jingdian 1938 Hong Cha

Yúnnán jīngdiǎn 1938 hóngchá · 云南经典1938红茶

Yunnan Jingdian 1938 ist ein legendärer roter Tee aus Yunnan der Kategorie Dian Hong (滇红, Diān Hóng), der in seinem Namen das Geburtsjahr der gesamten Yunnaner Rot-Tee-Industrie verewigt. Dieser Tee, der im Feuer des Zweiten Weltkriegs als Exportprodukt zur Rettung der nationalen Wirtschaft geschaffen wurde, wurde zu…

Yunnan Jingdian 1938 ist ein legendärer roter Tee aus Yunnan der Kategorie Dian Hong (滇红, Diān Hóng), der in seinem Namen das Geburtsjahr der gesamten Yunnaner Rot-Tee-Industrie verewigt. Dieser Tee, der im Feuer des Zweiten Weltkriegs als Exportprodukt zur Rettung der nationalen Wirtschaft geschaffen wurde, wurde zu einem Maßstab für chinesischen roten Tee und zu einem Symbol für die Handwerkskunst der Tee-Technologen der Provinz Yunnan.


1. Klassifizierung und Herkunft:

  • Typ: Roter Tee (红茶, hóngchá) – vollständig fermentiert (Oxidationsgrad ~80–90%). In westlicher Klassifikation: Schwarztee (black tea).
  • Kategorie: Dian Hong Gongfu Cha (滇红工夫茶, Diān Hóng Gōngfū Chá) – roter Tee aus Yunnan der höchsten Kategorie. Gehört zu den modernen Autorentees, die auf der klassischen Rezeptur von 1938–1939 basieren.
  • Herkunft: China (中国), Provinz Yunnan (云南省, Yúnnán Shěng), Bezirk Lincang (临沧市, Líncāng Shì), Kreis Fengqing (凤庆县, Fèngqìng Xiàn).
  • Geografische Koordinaten: Ungefähr 24°35′ n. Br., 100°05′ ö. L. (Kreis Fengqing).

2. Geschichte und kulturelle Bedeutung:

  • Geschichte: Die Geburt des roten Tees aus Yunnan ist eine der dramatischsten Seiten der chinesischen Teegeschichte. 1937, nach Beginn der umfassenden Invasion Japans, befanden sich die wichtigsten Teeanbaugebiete Ostchinas – Qimen (Anhui), Tan Yang (Fujian), Ning Hong (Jiangxi) – in der Besatzungszone. Der Export von rotem Tee, der dem Land dringend benötigte Devisen einbrachte, war praktisch zum Erliegen gekommen. Im Sommer 1938 entsandte die Chinesische Tee-Gesellschaft (中国茶叶公司, Zhōngguó Cháyè Gōngsī) den technischen Spezialisten Feng Shaoqiu (冯绍裘, Féng Shàoqiú, 1900–1987) und den Bevollmächtigten Zheng Hechun (郑鹤春, Zhèng Hèchūn) nach Yunnan, um neue Teeressourcen zu erschließen. Im November 1938 erreichte Feng Shaoqiu nach einer gefährlichen, mehrtägigen Reise von Kunming über Dali – zu Pferd und zu Fuß entlang von Abhängen über dem Lancang Jiang (Mekong) – den Kreis Shunning (顺宁, heute Fengqing). Als er die einheimischen Teebäume mit ihren großen, fleischigen, reichlich mit Flaum bedeckten Blättern sah, begann er sofort mit Experimenten. Unter Nutzung seiner Erfahrung mit dem roten Tee aus Qimen und durch Anpassung der Technologie an das großblättrige Rohmaterial aus Yunnan (Camellia sinensis var. assamica) schuf Feng Shaoqiu zum ersten Mal in der Geschichte roten Tee aus der großblättrigen Sorte Yunnans. Die Muster wurden nach Hongkong geschickt und erhielten begeisterte Kritiken – der Tee wurde als „Spitzensorte unter den roten Tees Chinas“ anerkannt. Ursprünglich erhielt der Tee den Namen „Yun Hong“ (云红, „Yunnan Rot“), doch am 9. April 1940 benannte die Yunnan Tea Company ihn in „Dian Hong“ (滇红) um, wobei sie die alte Abkürzung der Provinz „Dian“ (滇) verwendete. Im Januar 1939 gründete Feng Shaoqiu die Experimentelle Teefabrik Shunning (顺宁实验茶厂, Shùnníng Shìyàn Cháchǎng) und nahm die industrielle Produktion auf. Die erste Partie – etwa 500 Dan (担, ca. 16 Tonnen) – wurde über Hongkong nach London exportiert und zu einem Rekordpreis von 800 Pence pro Pfund verkauft, was einen neuen Höchstpreis auf dem internationalen Markt für roten Tee darstellte. In der Folge wurde Dian Hong zum wichtigsten Exportgut: Nach der Formel „eine Tonne roter Tee für zehn Tonnen Stahl“ erhielt das Land dringend benötigtes Kriegsmaterial. 1952 wurde die Fabrik in Fengqing Tea Factory (云南省凤庆茶厂) umbenannt und 1996 in die Yunnan Dianhong Group (云南滇红集团) reorganisiert. Die Bezeichnung „Jingdian 1938“ (oder in einigen Versionen „Jingdian 58“, 经典58) wurde von der Firma 2006 eingeführt, um an die historischen Errungenschaften zu erinnern: In den Jahren 1957–1958 stellte Dian Hong zweimal in Folge einen Preisrekord auf der Londoner Auktion auf, und 1958 wurde eine Partie besonderen Tees mit einem Erfolgsbericht an das Zentralkomitee der KPCh geschickt.

  • Name:

    • „Yunnan“ (云南, Yúnnán) – die Herkunftsprovinz, wörtlich „südlich der Wolken“.
    • „Jingdian“ (经典, Jīngdiǎn) – „Klassik“, „klassisch“, ein Hinweis auf die mustergültige Rezeptur.
    • „1938“ – das Jahr, das zum Ausgangspunkt der Geschichte des Yunnaner roten Tees wurde: Eben 1938 kam Feng Shaoqiu nach Shunning und schuf die ersten Muster.
    • „Hong Cha“ (红茶, Hóngchá) – „roter Tee“.
  • Kulturelle Bedeutung: Dian Hong Jingdian 1938 nimmt einen besonderen Platz in der chinesischen Teekultur ein als ein Tee, der im Feuer des Krieges geboren wurde und zum Symbol nationaler Widerstandskraft wurde. 1959 wurde Dian Hong der höchsten Kategorie als offizieller diplomatischer Tee Chinas (外交礼茶, wàijiāo lǐchá) bestätigt, dessen Produktion ausschließlich der Fengqing-Fabrik vorbehalten war. 1986, beim Besuch von Königin Elisabeth II. von Großbritannien in Kunming, überreichte der Gouverneur von Yunnan ihr „Dian Hong Gongfu Cha“ als Staatsgeschenk. 2022 wurde die Herstellungstechnik von Dian Hong in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.


3. Botanische Beschreibung und Rohmaterial:

  • Sorte / Kultivar: Großblättrige Yunnan-Sorte – Camellia sinensis var. assamica, bekannt als Da Ye Zhong (大叶种, Dà Yè Zhǒng). Für die Herstellung von Jingdian 1938 wird überwiegend die Fengqinger großblättrige Gruppensorte (凤庆大叶种, Fèngqìng Dà Yè Zhǒng) verwendet – eine anerkannte provinzielle Elitesorte. Die Bäume können eine beträchtliche Höhe erreichen (bis zu 10–15 m bei alten Exemplaren), mit großen, fleischigen, dunkelgrünen Blättern, die reichlich mit Flaum bedeckt sind.
  • Pflückung: Der Pflückstandard ist eine Knospe und zwei obere Blätter (一芽二叶, yī yá èr yè). Für Premiumpartien ist die Frühjahrsernte bevorzugt. Gemäß der Originalrezeptur „Jingdian 58“ der Dianhong Group werden ausschließlich beginnende, sich öffnende Knospen mit einem Blatt (一芽一叶初展, yī yá yī yè chūzhǎn) der Fengqinger großblättrigen Sorte verwendet. Das Rohmaterial wird häufig von ausgewachsenen Bäumen gesammelt, einschließlich alter (古树, gǔshù) und halbwilder Exemplare beträchtlichen Alters.
  • Anforderungen an das Rohmaterial: Große, fleischige Knospen und Blätter, die reichlich mit goldenem Flaum bedeckt sind. Ein hoher Tip-Gehalt ist ein Schlüsselmerkmal für die Qualität von Dian Hong dieser Kategorie.

4. Terroir und Anbaubesonderheiten:

  • Region: Der Kreis Fengqing liegt im südwestlichen Teil der Provinz Yunnan, im Einzugsgebiet des Lancang Jiang (Mekong). Fengqing ist historisch die Wiege des Dian Hong und das größte Teeproduktionsgebiet Yunnans mit einer gesamten Teeanbaufläche von etwa 20.000 Hektar.
  • Anbauhöhe: Die Teegärten befinden sich in Höhenlagen von 1200 bis 2200 m über dem Meeresspiegel. Hochgelegene Plantagen und Bestände wilder Teebäume an den Hängen des Ailao-Shan-Gebirges liefern Rohmaterial von höchster Qualität.
  • Böden: Rote und gelbe Lateritböden mit saurer Reaktion (pH 5,0–6,0), reich an organischen Substanzen. Der hohe Gehalt an Eisen und Mineralsalzen verleiht dem Teeblatt Fülle und Komplexität.
  • Klima: Subtropisches Monsunklima mit milden Wintern (Durchschnittstemperatur Januar ca. 10°C) und warm-feuchten Sommern. Jahresdurchschnittstemperatur 13–15°C. Jährliche Niederschlagsmenge etwa 1200 mm. Charakteristisch sind erhebliche tägliche Temperaturschwankungen (bis zu 15°C), was zu langsamem Blattwachstum und intensiver Anreicherung von Aromastoffen beiträgt.
  • Besonderheiten: Viele Plantagen in Fengqing praktizieren biologische Anbaumethoden. Es werden Schutzwaldstreifen zur Verhinderung von Bodenerosion eingesetzt. Die einheimischen Teebäume gehören zu den ältesten der Welt: In Fengqing haben sich Exemplare mit einem Alter von mehreren tausend Jahren erhalten. Fengqing liegt an einem historischen Abschnitt der Chamagudao (茶马古道, Chámǎ Gǔdào) – der Tee-Pferde-Straße.

5. Produktionsverfahren:

Die Technologie von „Jingdian 1938“ basiert auf der klassischen Rezeptur von Feng Shaoqiu, adaptiert für die moderne Produktion. Ein charakteristisches Merkmal ist die Formung einer geraden, gestreckten Blattform (特形茶, tèxíng chá), was eine Innovation im Vergleich zum traditionellen „kurzen und gleichmäßigen“ Aussehen von Gongfu-Tee darstellt:

  • Pflücken (采摘, cǎizhāi): Manuelle Ernte zarter Knospen und junger Blätter, vorwiegend am Morgen.
  • Welken (萎凋, wěidiāo): Die gesammelten Blätter werden in dünner Schicht auf Bambustabletts oder in speziellen Welktrögen ausgebreitet. Dauer – 12–18 Stunden unter natürlichen Bedingungen oder 4–6 Stunden bei erzwungener Belüftung. Der Feuchtigkeitsgehalt sinkt auf 60–65%. Die Blätter verlieren ihre Elastizität und nehmen ein charakteristisch blumiges Aroma an.
  • Rollen (揉捻, róuniǎn): Die gewelkten Blätter werden auf Rollmaschinen gerollt. Für „Jingdian 58“ wird eine spezielle Technik angewandt, die gerade, schlanke Stränge (条索紧直, tiáosuǒ jǐnzhí) mit gut sichtbaren goldenen Spitzen (金毫显露, jīn háo xiǎnlù) formt.
  • Fermentation / Oxidation (发酵, fājiào): Ein entscheidender Schritt. Die gerollten Blätter werden unter Bedingungen kontrollierter Feuchtigkeit und Temperatur platziert. Der Oxidationsgrad erreicht 80% und mehr. Catechine wandeln sich in Theaflavine und Thearubigine um und formen die charakteristische rubinrote Farbe des Aufgusses und das süße Malzaroma.
  • Formgebung und Aromahebung (塑形提香, sùxíng tíxiāng): Ein zusätzlicher Schritt, der für die Rezeptur von „Jingdian 58“ charakteristisch ist – die Formung und Fixierung der geraden Blattform bei gleichzeitiger Verstärkung des Aromas durch mäßige Erwärmung.
  • Trocknung (烘干, hōnggān): Die fermentierten Blätter werden mit Heißluft bis auf einen Feuchtigkeitsgehalt von 4–6% getrocknet. Die Trocknung fixiert das erreichte Geschmacks-Aroma-Profil und gewährleistet eine lange Lagerfähigkeit.
  • Sortierung (分级, fēnjí): Der fertige Tee wird nach Größe, Unversehrtheit des Blattes und Tip-Gehalt sortiert.

6. Organoleptische Eigenschaften:

  • Aussehen des trockenen Blattes: Große, gerade, schlanke Stränge (nicht kurz gerollt wie bei traditionellem Gongfu-Tee). Farbe – dunkelbraun, fast schwarz, mit reichlichem Anteil goldener und orangefarbener Knospen (Tips). Das Blatt ist ganz, homogen, mit ausgeprägtem „goldenem Flaum“.
  • Aroma des trockenen Blattes: Intensiv, süß, mit dominierenden Noten von Malz, Honig, Kakao, Trockenfrüchten (Backpflaume, Aprikose) und leichten blumigen oder würzigen Nuancen.
  • Aroma des Aufgusses: Reich, warm, süßlich. Wiederholt und vertieft die Noten des trockenen Blattes – Malz, Honig, Gebäck – mit zusätzlichen Karamell- und reifen Fruchtnoten.
  • Geschmack: Weich, voll, umhüllend, süßlich, praktisch ohne scharfe Herbheit. Malz-, Honig-, fruchtige (rote Beeren, Pfirsich) und schokoladige Töne dominieren. Der Nachgeschmack ist lang, süß, mit leichter Mineralität und blumigen Noten (Rose). Der Tee eignet sich dank seiner natürlichen Süße ideal für den reinen Genuss (清饮, qīngyǐn).
  • Farbe des Aufgusses: Leuchtend, klar, von sattem Rubinrot oder Cognac-Farbe. Charakteristisch ist der „goldene Rand“ (金圈, jīnquān) am Tassenrand – ein Zeichen für einen hohen Gehalt an Theaflavinen und ausgezeichnete Qualität.
  • Teeblatt (aufgegossenes Blatt): Weiche, elastische Blätter von rötlich-brauner Farbe, die ihre ganzheitliche Form gut bewahren. Das Blatt entfaltet sich vollständig und zeigt die Knospe und ein bis zwei Blätter.

7. Chemische Zusammensetzung:

  • Polyphenole: Der Gesamtgehalt an Polyphenolen in der großblättrigen Yunnan-Sorte erreicht 30–34% der Trockenmasse – einer der höchsten Werte unter den weltweiten Teesorten. Während der Fermentation wandeln sich Catechine (EGCG, ECG) in Theaflavine (TF, ~1–2%) und Thearubigine (TR, ~8–15%) um, die die Farbe, den Körper und die antioxidative Aktivität des Aufgusses formen.
  • Aminosäuren: Gesamtgehalt etwa 1,5–2%, einschließlich L-Theanin, das für die Umami-Komponente und den süßlichen Beigeschmack verantwortlich ist.
  • Alkaloide: Koffein – etwa 3,5–4,1% der Trockenmasse, was eine ausgeprägte, aber milde tonisierende Wirkung gewährleistet. Theobromin und Theophyllin – in Spuren.
  • Polysaccharide: Wasserlösliche Polysaccharide (etwa 4–6%) verleihen dem Aufguss Dichte, Öligkeit und zusätzliche natürliche Süße.
  • Ätherische Öle: Ein reichhaltiger Komplex flüchtiger Aromastoffe – Linalool, Geraniol, Citronellol, β-Damascenon – formt das charakteristische Honig-Malz-Aroma mit blumigen und fruchtigen Nuancen. Die Zusammensetzung der ätherischen Öle ist dank des Hochland-Terroirs einzigartig.
  • Vitamine und Mineralien: B-Vitamine, Vitamin C und P (in begrenzter Menge); Kalium, Mangan, Zink, Selen.

8. Wohltuende Eigenschaften:

  • Tonisierende Wirkung: Koffein in Kombination mit L-Theanin sorgt für eine sanfte, anhaltende Steigerung der Wachheit und Konzentrationsfähigkeit ohne den für Kaffee typischen „Sprung“ und anschließenden Abfall.
  • Antioxidative Aktivität: Theaflavine und Thearubigine sind starke Antioxidantien, die helfen, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen und Alterungsprozesse zu verlangsamen.
  • Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems: Regelmäßiger, mäßiger Konsum wird mit einer Verbesserung der Gefäßfunktion, einer Senkung des „schlechten“ Cholesterins (LDL) und einer potenziellen Blutdrucksenkung in Verbindung gebracht.
  • Förderung der Verdauung: Roter Tee regt die Sekretion von Verdauungsenzymen an. Polysaccharide wirken präbiotisch und unterstützen eine gesunde Darmflora.
  • Wärmende Wirkung: In der traditionellen chinesischen Medizin wird roter Tee den „warmen“ Getränken zugeordnet, ideal für die kalte Jahreszeit und für Menschen mit „kalter“ Konstitution.
  • Stressreduktion: L-Theanin fördert die Produktion von Alpha-Wellen im Gehirn und wirkt entspannend ohne Schläfrigkeit.
  • Stärkung der Immunität: Antioxidantien und Polysaccharide haben eine allgemein stärkende Wirkung auf das Immunsystem.

9. Zubereitung:

  • Wassertemperatur: 90–95°C. Eine niedrigere Temperatur entfaltet das Aroma nicht vollständig, kochendes Wasser kann die Herbheit verstärken.
  • Teemenge: 5–7 g auf 150–200 ml für die Aufgussmethode; 2–3 g auf 200 ml zum Ziehenlassen.
  • Geschirr: Kanne aus Yixing-Ton (紫砂, zǐshā) – mildert den Geschmack und hält die Wärme länger; Porzellan-Gaiwan (蓋碗, gàiwǎn) – betont die Reinheit und Helligkeit des Aromas; Glasgefäße – erlauben das Betrachten der Blattentfaltung und der Aufgussfarbe. Für den täglichen Gebrauch eignet sich eine normale Tasse mit Siebeinsatz.
  • Verfahren (Aufgussmethode, Gongfu Cha, 功夫茶):
    1. Das Geschirr mit kochendem Wasser vorwärmen, Wasser abgießen.
    2. Den trockenen Tee in den Gaiwan oder die Kanne geben.
    3. Spülung: Mit heißem Wasser übergießen und sofort abgießen – das weckt das Blatt und spült Staub ab.
    4. Erster Aufguss: Mit Wasser von 90–95°C übergießen, etwa 30–45 Sekunden ziehen lassen.
    5. Weitere Aufgüsse: Die Ziehzeit mit jedem Aufguss um 10–15 Sekunden verlängern.
    6. Der Tee verträgt 5–7 volle Aufgüsse, wobei jeder neue Geschmacksfacetten offenbart.
  • Verfahren (Ziehenlassen):
    1. Kanne oder Tasse vorwärmen.
    2. 2–3 g Tee auf 200 ml geben.
    3. Mit Wasser von 90–95°C übergießen.
    4. 3–5 Minuten ziehen lassen.
    5. Der Tee ist mild und selbstgenügsam – hervorragend geeignet für den reinen Genuss ohne Zusätze.

10. Lagerung:

In einem luftdichten, lichtundurchlässigen Behälter an einem trockenen, kühlen Ort lagern, fern von direkter Sonneneinstrahlung und starken Geruchsquellen. Optimale Lagertemperatur – bis 25°C, Luftfeuchtigkeit – nicht über 60%. Bei korrekter Lagerung bleiben Geschmack und Aroma 1,5–2 Jahre erhalten. Roter Tee ist nicht für jahrelange Reifung wie Pu-Erh vorgesehen: Mit der Zeit verblasst die Leuchtkraft des Aromas, obwohl der Körper etwas weicher werden kann. Einige Liebhaber bemerken jedoch eine interessante Transformation bei gereiftem Dian Hong (3–5 Jahre): das Auftreten tieferer holziger und honigartiger Töne.


11. Preis und Fälschungen:

  • Preis: „Yunnan Jingdian 1938“ (oder „Jingdian 58“ in der Version der Dianhong Group) gehört zum Premiumsegment der roten Tees aus Yunnan. Der Preis hängt von der Rohmaterialqualität (Alter der Bäume, Tip-Gehalt, Hand- oder Maschinenpflückung), der Ernte und dem Produzenten ab. Historischer Hinweis: Die erste Partie Dian Hong wurde 1939 in London zu einem Preis von 800 Pence pro Pfund verkauft – ein Rekord für jene Zeit. Heute liegt der Einzelhandelspreis für hochwertigen Dian Hong Jingdian je nach Kategorie zwischen 200 und 800 Yuan (≈25–110 USD) pro 100 g.

  • Wie man Fälschungen vermeidet:

    • Kaufen Sie Tee bei geprüften, spezialisierten Händlern mit transparenter Lieferkette.
    • Achten Sie auf das Aussehen: charakteristische gerade, schlanke Stränge mit reichlich goldenen Tips. Bruch, staubiges oder übermäßig kleines Blatt ist ein Zeichen niedriger Qualität.
    • Bewerten Sie das Aroma: Es sollte sauber, süß, malzig-honigartig, ohne muffige oder verkokelte Noten sein.
    • Suchen Sie nach Informationen über den Hersteller, die Region (Fengqing) und das Erntedatum.
    • Ein verdächtig niedriger Preis für einen Tee mit historischem Namen sollte misstrauisch machen – möglicherweise wird billiges Rohmaterial aus anderen Regionen beigemischt.

12. Interessante Fakten:

  • Feng Shaoqiu (冯绍裘, Féng Shàoqiú, 1900–1987) – einer der größten Teemeister des 20. Jahrhunderts. In seiner Karriere trug er entscheidend zur Schaffung oder Vervollkommnung mehrerer berühmter roter Tees Chinas bei: Ning Hong (宁红) in Jiangxi, Qi Hong (祁红) in Anhui, Dian Hong (滇红) in Yunnan und Yi Hong (宜红) in Hubei. Seine Kinder trugen „Tee“-Spitznamen, die mit den Arbeitsorten ihres Vaters verbunden waren.
  • In den Jahren 1957–1958 erzielte Dian Hong aus Fengqing zweimal in Folge einen Rekordpreis auf der Londoner Teeauktion. 1958 wurde eine Partie besonderen Tees mit einem Erfolgsbericht nach Peking geschickt – ein Ereignis, das der Bezeichnung „Jingdian 58“ ihren Namen gab.
  • 2022 wurde die Herstellungstechnik von Dian Hong in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen – das erste Objekt des Weltimmateriellerbes für die gesamte Stadt Lincang.
  • Die goldenen Tips im trockenen Dian Hong sind keine gefärbten Blätter, sondern zarte Teeknospen, die mit dichtem Flaum bedeckt sind. Während der Fermentation wandelt sich Chlorophyll in Phäophytin um, und der Flaum nimmt eine gold-orange Farbe an. Der Reichtum an Tips ist das Markenzeichen eines qualitativ hochwertigen Dian Hong.
  • Die Kriegsformel: „Eine Tonne Dian Hong – zehn Tonnen Stahl“. Der Tee rettete das Land buchstäblich, indem er den Einkauf strategischer Materialien für die Front sicherte. Dafür erhielt Dian Hong die Ehrenbezeichnungen „rettender Tee“ (救国茶, jiùguó chá) und „patriotischer Tee“ (爱国茶, àiguó chá).

13. Vergleich mit anderen roten Tees:

  • Dian Hong Jin Hao (滇红金毫, Diān Hóng Jīn Háo, „Goldener Flaum“): Ein Dian Hong mit noch höherem Tip-Anteil, der überwiegend aus goldenen Knospen besteht. Der Geschmack ist weicher, die Süße ausgeprägter, der Körper etwas leichter. „Jingdian 1938“ ist ausgewogener, mit größerer Tiefe und Komplexität durch das Vorhandensein entfalteter Blätter.
  • Dian Hong Song Zhen (滇红松针, Diān Hóng Sōngzhēn, „Kiefernnadeln“): Die Blätter sind zu dünnen, langen Nadeln gerollt. Der Geschmack ist mineralischer und „reiner“. „Jingdian 1938“ hat eine ähnliche gerade Form, zeichnet sich jedoch durch größere Körperfülle und ein intensiveres Malzprofil aus.
  • Qi Hong Mao Feng (祁红毛峰, Qí Hóng Máo Fēng): Roter Tee aus Qimen von der kleinblättrigen Sorte Camellia sinensis var. sinensis. Ein grundlegend anderer Stil: feines, elegantes Aroma mit Orchideen- und Rauchnoten, leichter Körper, delikate Süße. „Jingdian 1938“ ist im Kontrast dazu reichhaltig, dicht, süß-malzig.
  • Zheng Shan Xiao Zhong (正山小种, Zhèngshān Xiǎozhǒng, Lapsang Souchong): Roter Tee aus Fujian mit charakteristischem Raucharoma (Räucherung über Kiefernholz). Ein völlig anderes Profil: „Jingdian 1938“ ist frei von Rauchigkeit und zeichnet sich durch reine fruchtig-malzige Süße aus.
  • Jiuceng Shan Hong Cha (九层山红茶, Jiǔcéng Shān Hóngchá): Roter Tee aus Taiwan. Leichter und blumiger, mit ausgeprägter Hochlandfrische. „Jingdian 1938“ ist deutlich dichter und voller, mit mehr Körper und Tiefe.

14. Mögliche Kontraindikationen:

  • Aufgrund des relativ hohen Koffeingehalts (3,5–4,1%) wird starker Tee am Abend und bei erhöhter Koffeinempfindlichkeit nicht empfohlen.
  • Schwangere und stillende Frauen sollten den Konsum einschränken oder einen Arzt konsultieren.
  • Bei akuten Magen-Darm-Erkrankungen (Gastritis, Magengeschwür) kann starker Tee die Magenschleimhaut reizen – vorzugsweise einen schwachen Aufguss nach dem Essen trinken.
  • Tee kann die Aufnahme bestimmter Medikamente und Spurenelemente (insbesondere Eisen) beeinflussen – es wird empfohlen, den Teekonsum und die Medikamenteneinnahme um mindestens 30 Minuten zu trennen.
  • Individuelle Unverträglichkeit ist möglich.

Abschließend:

Yunnan Jingdian 1938 Hong Cha ist nicht einfach ein hervorragender roter Tee, sondern eine lebendige Chronik einer der dramatischsten Episoden der chinesischen Teegeschichte. Geboren in der Dunkelheit des Krieges durch das Genie von Feng Shaoqiu, wurde dieser Tee zum Beweis dafür, dass die großblättrige Yunnan-Sorte roten Tee von Weltklasse hervorbringen kann – eine Entdeckung, die die Vorstellungen der Teeindustrie revolutionierte. Sein reicher, umhüllender Geschmack mit Noten von Malz, Honig und Schokolade, der klare rubinrote Aufguss mit goldenem Rand und der weiche, wärmende Nachgeschmack erobern weiterhin Genießer in aller Welt. Dieser Tee eignet sich hervorragend sowohl für das tägliche Ritual, das Wärme und Gelassenheit schenkt, als auch für besondere Momente, in denen man die große Tradition chinesischer Teekunst berühren möchte.