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Yingde Hongcha
Yīngdé hóngchá · 英德红茶
Yingde Hongcha ist ein berühmter Roter Tee aus der Provinz Guangdong, der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rasch internationale Anerkennung erlangte. Zusammen mit dem yunnanesischen Dian Hong und dem anhuischen Qimen Hong Cha zählt Yingde Hongcha zu den drei bekanntesten Roten Tees Chinas.
Yingde Hongcha ist ein berühmter Roter Tee aus der Provinz Guangdong, der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rasch internationale Anerkennung erlangte. Zusammen mit dem yunnanesischen Dian Hong und dem anhuischen Qimen Hong Cha zählt Yingde Hongcha zu den drei bekanntesten Roten Tees Chinas. Zum Markenzeichen der Region wurde der Kultivar Ying Hong Nr. 9 (英红9号), der eigens für die Produktion von Rotem Tee gezüchtet wurde und zum Symbol der Wiederbelebung der Teeindustrie Guandongs geworden ist.
1. Klassifikation und Herkunft:
- Typ: Roter Tee (红茶, hóngchá), vollständig fermentiert (Oxidationsgrad ca. 85–95 %). Laut europäischer Klassifikation – schwarzer Tee.
- Kategorie: Berühmte Rote Tees Chinas (中国名茶, Zhōngguó míngchá). Produkt mit nationaler geografischer Angabe (国家地理标志产品, guójiā dìlǐ biāozhì chǎnpǐn). Seit 2019 – „Weltweit hocharomatischer Roter Tee“ (世界高香红茶, Shìjiè Gāoxiāng Hóngchá) laut Beschluss des International Tea Committee.
- Herkunft: China, Provinz Guangdong (广东省, Guǎngdōng Shěng), bezirksfreie Stadt Qingyuan (清远市, Qīngyuǎn Shì), kreisfreie Stadt Yingde (英德市, Yīngdé Shì). Yingde ist das Haupt- und Referenzanbaugebiet. Teegärten befinden sich auch in angrenzenden Gebieten Nord-Guandongs.
- Geografische Koordinaten: Yingde – ca. 24°10′ N, 113°24′ O. Die Region liegt im Norden der Provinz Guangdong, am Mittellauf des Flusses Beijiang (北江, Běijiāng).
2. Geschichte und kulturelle Bedeutung:
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Geschichte: Die Teegeschichte Yingdes reicht weit in die Antike zurück. Bereits im „Klassiker des Tees“ (《茶经》, Chájīng) von Lu Yu (陆羽, Lù Yǔ), verfasst im Jahr 764, wird Shaozhou (韶州, Sháozhōu) – das historische Gebiet, zu dem Yingde gehörte – als eines der Teegebiete von „Lingnan“ (岭南, Lǐngnán, „südlich der Gebirgsketten“) erwähnt. In der Ming- und Qing-Dynastie wurde der lokale Tee als Tributtee (贡茶, gòngchá – „Kaisertribut“) an den Hof geliefert. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts produzierte man in Yingde jedoch vorwiegend grünen Tee aus einheimischen kleinblättrigen Sorten.
Ein Wendepunkt war das Jahr 1955, als in Yingde erfolgreich Setzlinge der yunnanesischen großblättrigen Sorte (云南大叶种, Yúnnán Dàyèzhǒng) eingeführt wurden. 1956 wurde unter der Schirmherrschaft der Führung der Volksrepublik China eine Exportbasis für Roten Tee errichtet. 1959 wurden die ersten Chargen Yingde Hongcha erfolgreich produziert und sowohl im Inland als auch auf internationalen Märkten hoch bewertet. Gleichzeitig wurde in Yingde eine Forschungsstation gegründet, aus der später das Teeforschungsinstitut der Provinz Guangdong (广东省农业科学院茶叶研究所, Guǎngdōng Shěng Nóngyè Kēxuéyuàn Cháyè Yánjiūsuǒ) hervorging.
Bereits Anfang der 1960er Jahre wurde Yingde Hongcha in über 70 Länder exportiert. In der Blütezeit (1970er–1980er Jahre) betrug der jährliche Export 4.000–5.000 Tonnen und brachte 4–5 Millionen US-Dollar an Deviseneinnahmen. Der Tee erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen, darunter Goldmedaillen auf internationalen Lebensmittelmessen.
Die Krise der 1990er Jahre, bedingt durch die Abschaffung des staatlichen Ankaufsystems und den Übergang zur Marktwirtschaft, führte zu einem zeitweiligen Niedergang der Branche. Der Wiederaufschwung begann in den 2000er Jahren, als man auf den Kultivar Ying Hong Nr. 9 setzte, der bereits 1961 entwickelt worden war, jedoch erst im neuen Jahrtausend eine breite Verbreitung fand.
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Name:
- Ying De (英德) – Name der kreisfreien Stadt, eines bedeutenden Verwaltungszentrums im Norden Guangdongs. Der Ortsname stammt aus der Song-Dynastie.
- Hong Cha (红茶) – „Roter Tee“, bezeichnet die Kategorie.
- Vollständige Bezeichnung: „Roter Tee aus Yingde“.
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Kulturelle Bedeutung: Yingde Hongcha ist ein Gegenstand regionalen Stolzes und eine der Schlüsselmarken Guangdongs. Einer populären Legende zufolge gehörte dieser Tee zu den Favoriten der britischen Königsfamilie und wurde bei Empfängen gleichrangig mit Qimen Hong Cha gereicht. Heute ist Yingde Hongcha ein zentrales Instrument zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft Nord-Guandongs, um den herum eine ganze Branche aus Teetourismus, wissenschaftlicher Forschung und Markenbildung aufgebaut wurde. Die kreisfreie Stadt Yingde trägt den Ehrentitel „Heimat des Roten Tees Chinas“ (中国红茶之乡, Zhōngguó hóngchá zhī xiāng).
3. Botanische Beschreibung und Rohmaterial:
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Sorte / Kultivar: Für die Herstellung von Yingde Hongcha werden mehrere Kultivare verwendet, der absolute Dominante ist jedoch:
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Ying Hong Nr. 9 (英红九号, Yīng Hóng Jiǔhào) – Hauptkultivar des Yingde Hongcha und Aushängeschild der Region. Gezüchtet 1961 durch individuelle Selektion aus einer eingeführten Population der yunnanesischen großblättrigen Sorte von Wissenschaftlern des Teeinstituts der Provinz Guangdong. Ursprüngliche Bezeichnung – „Ying Cha 17“ (英茶17号), 1964 umbenannt in „Ying Hong 9“ nach dem Standort des Instituts (Gemeinde Yinghong, 英红镇). 1988 als Provinzsorte anerkannt, 2010 in das Verzeichnis der wichtigsten landwirtschaftlichen Sorten Guangdongs aufgenommen. Botanische Merkmale: baumartiger Typ (乔木型, qiáomù xíng), großblättrig. Der Baum ist aufrecht, hoch, mit ausgeprägtem Hauptstamm. Blätter elliptisch, hellgrün, mit glänzender Oberfläche und zugespitzter Blattspitze. Blüten weiß-gelb, Durchmesser 3–4 cm. Vegetationsperiode – 247–278 Tage (von Mitte März bis Ende November). Polyphenolgehalt im frischen Blatt – bis zu 34,17 %, Koffein – 4,35 %, Aminosäuren – 2,06 %, wasserlösliche Extraktstoffe – 41,25 %.
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Weitere Kultivare: Ying Hong Nr. 1 (英红1号), Ying Hong Nr. 3 (英红3号), Ying Hong Nr. 5 (英红5号), lokaler Shui Xian (水仙, Shuǐ Xiān, mit charakteristisch blumigem Aroma) sowie die eingeführten Yunnan Da Ye Zhong und Fenghuang Shuixian (凤凰水仙, Fènghuáng Shuǐ Xiān). Auf Ying Hong Nr. 9 entfallen jedoch mehr als 90 % der Anpflanzungen.
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Ernte: Von März bis November (lange Vegetationsperiode – ein Vorteil des subtropischen Guangdong). Die Frühjahrsernte (März–April) ist am wertvollsten. Sommer- und Herbsternte sind preiswerter, machen aber das Hauptvolumen aus.
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Erntestandard: Für Spitzenqualitäten – eine Knospe und ein bis zwei junge Blätter (一芽一叶 / 一芽二叶). Für Standardqualitäten – bis zu einer Knospe und drei bis vier Blättern.
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Anforderungen an das Rohmaterial: Die Triebe müssen elastisch, frisch und reich an Flaum an den Knospen sein. Ying Hong Nr. 9 zeichnet sich durch große, dicke Knospen mit charakteristischer goldener Behaarung aus.
4. Terroir und Anbaubesonderheiten:
- Die kreisfreie Stadt Yingde liegt im Norden der Provinz Guangdong, am Südhang des Nanling-Gebirges (南岭, Nánlǐng), am Mittellauf des Beijiang. Das Relief ist hügelig und geht in niedriges Bergland über; auf dem Stadtgebiet vereinigen sich drei Flüsse: Beijiang, Wengjiang (滃江, Wěngjiāng) und Lianjiang (连江, Liánjiāng) und bilden feuchte Flusstäler. Geologisch gehört die Region zur Zone der Karstlandschaften, was einen hohen Mineralgehalt im Grundwasser und in den Böden bedingt.
- Anbauhöhe: 50–500 m über dem Meeresspiegel, einzelne Hochgebirgsgärten – bis 800 m. Deutlich niedriger als bei den yunnanesischen Dian Hongs, was durch das günstige subtropische Klima kompensiert wird.
- Böden: Rote Lehme (红壤) und lateritische Gelberden (黄壤) mit tiefer fruchtbarer Schicht, saurer Reaktion (pH 4,5–5,5), reich an organischer Substanz, Kalium und Phosphor. Die Karstböden sind zusätzlich mit Mineralstoffen angereichert.
- Klima: Subtropisches Monsunklima, Übergang zwischen südlichem und zentralem Subtyp. Jahresdurchschnittstemperatur 20–22 °C. Jährliche Niederschlagsmenge 1800–2200 mm – eine der höchsten unter den großen Teeanbaugebieten Chinas. Frostfreie Periode – mehr als 300 Tage. Hohe Luftfeuchtigkeit (78–82 %), reichlich diffuses Licht, ausreichend Sonnenstunden (1600–1800 h/Jahr). Milde Winter und lange Vegetationsperiode erlauben die Ernte von März bis November, was eine hohe Plantagenproduktivität gewährleistet.
5. Herstellungstechnologie:
Yingde Hongcha wird nach der klassischen Technologie für Roten Tee orthodoxen Typs (工夫红茶, gōngfu hóngchá) hergestellt. In den letzten Jahren wurden in mehreren großen Betrieben mechanisierte und sogar vollautomatisierte Linien eingeführt (z. B. die erste intelligente Produktionslinie Chinas für Roten Tee aus Ying Hong Nr. 9), doch die Prozessprinzipien bleiben unverändert.
- Ernte (采摘, cǎizhāi): Manuelles oder maschinelles Pflücken junger Triebe.
- Welken (萎凋, wěidiāo): Das frisch geerntete Material wird auf Horden in belüfteten Räumen ausgebreitet oder in speziellen Trogwelkapparaten (槽萎凋, cáo wěidiāo) mit erzwungener Warmluftzufuhr behandelt. Dauer – 10–16 Stunden. Zielfeuchte – 60–65 %. Ying Hong Nr. 9 mit seinen dicken, fleischigen Trieben erfordert eine sorgfältige Kontrolle der Gleichmäßigkeit des Welkens.
- Rollen (揉捻, róuniǎn): Erfolgt in Rollmaschinen in mehreren Zyklen mit ansteigendem Druck. Ziel ist die Zerstörung der Zellwände, das Heraustreten von Saft auf die Blattoberfläche und die Einleitung einer intensiven Oxidation. Für Yingde Hongcha wird das Rollen 2–3 Mal mit zwischenzeitlichen Kühlpausen wiederholt, was eine dichte, straffe Rollung formt.
- Fermentation (发酵, fājiào): Das gerollte Material wird in Räumen mit kontrollierter Temperatur (25–30 °C) und hoher Luftfeuchtigkeit (über 90 %) ausgebreitet. Die Fermentation dauert 3–5 Stunden. Dank des hohen Polyphenolgehalts in Ying Hong Nr. 9 (bis zu 34 %) verläuft die Fermentation aktiv und bildet eine satte Aufgussfarbe und ein leuchtendes Aroma. Schlüsselprodukte der Fermentation sind Theaflavine und Thearubigine.
- Trocknung (烘干, hōnggān): Zweistufig: erste Trocknung bei 110–120 °C zum sofortigen Stoppen der Fermentation; Schlusstrocknung bei 85–95 °C bis zu einer Restfeuchte von 5–6 %.
- Sortierung und Veredelung (精制, jīngzhì): Der fertiggestellte Tee durchläuft Siebung (筛分, shāifēn), Auslese (精选, jīngxuǎn), Klassifizierung (分级, fēnjí) und Mischung der Partien (拼合, pīnhé) vor der Verpackung.
6. Organoleptische Eigenschaften:
- Aussehen des trockenen Blattes: Dicht gerollte Blätter in Form von „Brauen“ (眉形, méi xíng) oder leicht gebogenen Streifen, von gleichmäßiger Größe. Farbe – schwarz mit öligem Glanz (乌润, wū rùn), mit reichlich goldenen Tips. Die Knospen sind groß, deutlich sichtbar, mit dichtem goldenem Flaum bedeckt – ein charakteristisches Merkmal von Ying Hong Nr. 9.
- Aroma des trockenen Blattes: Hoch, leuchtend, süß. Es dominiert ein blumig-honigsüßes Spektrum mit deutlichen Noten von Süßkartoffel (番薯香, fānshǔ xiāng – „Aroma der Süßkartoffel“), Rose, Litschi und Karamell. Das Süßkartoffelaroma gilt als charakteristischer Marker von Ying Hong Nr. 9 und unterscheidet ihn von den meisten anderen chinesischen Roten Tees.
- Aroma des Aufgusses: Intensiv, hoch, beständig. Süße blumig-fruchtige Dominante: Honig, Rose, Litschi, Süßkartoffel. Beim Abkühlen des Aufgusses entfalten sich Noten von gebackenem Brot, Muskatnuss und leichter Würze.
- Geschmack: Konzentriert, kräftig, frisch und süß (浓强鲜爽, nóng qiáng xiān shuǎng – eine vierstellige Formel, die für Ying Hong Nr. 9 festgelegt wurde). Der Körper ist voll, dicht, mit „Teekraft“ (茶气, cháqì). Die Süße ist natürlich, tief, honig-fruchtig. Adstringenz ist vorhanden, aber harmonisch durch die Süße ausbalanciert. Der Abgang (回甘, huígān) ist anhaltend, sauber, mit einer süßen „Kartoffelnote“. Der Tee ist außergewöhnlich ausdauernd bei mehrfachen Aufgüssen.
- Farbe des Aufgusses: Rot, leuchtend, satt (红浓明亮, hóng nóng míng liàng) – von rubinrot bis tief bernsteinrot. Klar, mit ausgeprägtem Glanz und goldenem Ring (金圈, jīnquān). Beim Abkühlen kann bei hochwertigen Partien die „Kältetrübung“ (冷后浑, lěng hòu hún) auftreten – ein Zeichen für einen hohen Theaflavingehalt.
- Teegrund (aufgegossenes Blatt): Knospen und junge Blätter, gleichmäßig, elastisch, von rot-kupferner Farbe mit guter Leuchtkraft (红亮, hóng liàng). Die Knospen sind deutlich erkennbar, groß.
7. Chemische Zusammensetzung:
Ying Hong Nr. 9 zeichnet sich durch eines der „reichhaltigsten“ biochemischen Profile unter den chinesischen Roten Tees aus.
- Polyphenole: Gehalt im frischen Blatt – bis zu 34,17 % (zum Vergleich: bei Qimen – ca. 20–25 %). Dies gewährleistet intensive Farbe und Stärke des Aufgusses. Im fertigen Tee sind die Polyphenole in Theaflavine – 1,514 % (hoher Wert, der die Leuchtkraft und den „goldenen Ring“ bedingt) und Thearubigine – 11,159 % (verleihen Tiefe und Fülle) umgewandelt. Gesamtgehalt an Teepolyphenolen im fertigen Tee – ca. 11 %.
- Aminosäuren: 0,782–2,06 % (variiert zwischen frischem Blatt und fertigem Tee). L-Theanin – Hauptkomponente, verantwortlich für Süße und entspannende Wirkung.
- Alkaloide: Koffein – 4,35 % der Trockenmasse des frischen Blattes (überdurchschnittlich für Rote Tees), was eine ausgeprägte anregende Wirkung und Stärke bedingt. Theobromin und Theophyllin sind in geringeren Mengen vorhanden.
- Wasserlösliche Extraktstoffe: 41,25 % – ein Kennwert, der die „Fülle“ und Beständigkeit des Aufgusses bestimmt.
- Catechine: 152,13 mg/g im frischen Blatt.
- Ätherische Öle und Aromastoffe: Unter den flüchtigen Komponenten dominieren Linalool und seine Oxide; der Terpenindex (萜烯指数) erreicht 0,938 – ein außergewöhnlich hoher Wert, der auf die genetische Veranlagung der Sorte zur Bildung eines intensiven blumigen Aromas hinweist.
- Vitamine: C (teilweise), B₁, B₂, PP, E, K.
- Mineralstoffe: Kalium, Magnesium, Mangan, Fluor, Zink, Eisen, Selen. Die Karstböden Yingdes reichern den Tee mit Calcium und Strontium an.
8. Wohltuende Eigenschaften:
- Ausgeprägte anregende Wirkung: Der hohe Koffeingehalt (höher als bei vielen Roten Tees) in Kombination mit L-Theanin sorgt für eine kraftvolle, aber „klare“ Wachheit ohne Zittern oder Herzrasen.
- Wärmende Wirkung: Roter Tee von „warmer“ Natur erwärmt den Körper, regt die Durchblutung an und ist besonders an kühlen Tagen wohltuend.
- Antioxidative Aktivität: Studien haben gezeigt, dass Ying Hong Nr. 9 eine signifikant höhere antioxidative Aktivität im Vergleich zu einer Reihe anderer Roter Tees besitzt, was durch den hohen Gehalt an Theaflavinen und Thearubiginen erklärt wird.
- Kardioprotektive Wirkung: Theaflavine – das „weiche Gold des Tees“ (茶中软黄金, chá zhōng ruǎn huángjīn) – hemmen die Cholesterinsynthese und senken den LDL-Cholesterinspiegel. Die Forschungsergebnisse sind in der internationalen medizinischen Fachzeitschrift JAMA veröffentlicht.
- Unterstützung der Verdauung: Regt die Sekretion von Verdauungsenzymen an, verbessert die Peristaltik und hilft, schwere Speisen zu verarbeiten.
- Antibakterielle Wirkung: Polyphenole hemmen das Wachstum pathogener Bakterien in der Mundhöhle und im Magen-Darm-Trakt.
- Unterstützung des Stoffwechsels: Studien haben gezeigt, dass der regelmäßige Konsum von polyphenolreichem Rotem Tee zur Gewichtsreduktion und Verbesserung des Lipidprofils beitragen kann.
- Neuroprotektive Wirkung: L-Theanin fördert die Produktion von Serotonin und Dopamin, verbessert die Stimmung und die kognitiven Funktionen.
9. Aufguss:
- Wassertemperatur: 90–95 °C. Ying Hong Nr. 9 verträgt mit seiner kräftigen Struktur heißes Wasser gut.
- Teemenge: 5 g auf 150 ml (Gongfu-Methode); 3 g auf 200 ml (europäische Kanne oder Tasse).
- Gefäß: Porzellan-Gaiwan (盖碗, gàiwǎn) – die empfohlene Option, die es erlaubt, die Extraktionszeit zu kontrollieren und das Aroma vom Deckel zu beurteilen. Ebenfalls geeignet sind Porzellankannen und Glaskannen für den visuellen Genuss. Um den kräftigen Geschmack zu mildern, kann eine Yixing-Kanne aus purpurnem Ton (紫砂壶, zǐshā hú) verwendet werden.
- Ablauf:
- Gefäß vorwärmen: Gaiwan und Chahai mit kochendem Wasser ausspülen, um die Wände gleichmäßig zu erwärmen.
- Tee einfüllen: Tee in den Gaiwan geben. Das Aroma des trockenen Blattes einatmen – deutliche Noten von Honig und Süßkartoffel.
- Spülung (醒茶, xǐngchá): Mit 90 °C heißem Wasser übergießen, nach 3–5 Sekunden abgießen.
- Erster Aufguss: 10–15 Sekunden ziehen lassen (Gongfu-Methode). Vollständig in den Chahai abgießen.
- Folgeaufgüsse: 2. und 3. – 10–15 Sekunden; danach schrittweise um 5–10 Sekunden verlängern. Wichtig: Beim Aufgießen von Ying Hong Nr. 9 wird empfohlen, das Wasser entlang der Wand des Gaiwans (沿壁注水, yán bì zhùshuǐ) einzugießen, nicht direkt auf das Blatt – das verhindert übermäßige Extraktion und Bitterkeit.
- Anzahl der Aufgüsse: 8–10 Aufgüsse. Ying Hong Nr. 9 zeichnet sich durch außergewöhnliche Ausdauer bei mehrfachen Aufgüssen aus (极耐冲泡, jí nài chōngpào). Erste Aufgüsse – Leuchtkraft und Kraft; mittlere – maximale Süße; finale – ein mildes, holzig-honigsüßes Spektrum.
10. Lagerung:
- Behälter: Luftdichter, lichtundurchlässiger Behälter: Blechdose, Keramik- oder Porzellangefäß mit dichtem Deckel. Bei Kauf in werksseitiger Vakuumverpackung – ungeöffnet aufbewahren.
- Bedingungen: Trockener, kühler (15–25 °C), dunkler Ort, entfernt von Fremdgerüchen. Luftfeuchtigkeit nicht über 60 %.
- Feinde des Tees: Feuchtigkeit (besonders relevant für das feuchte Klima Südchinas), direktes Licht, starke Gerüche, hohe Temperaturen.
- Lagerdauer: 24–36 Monate unter geeigneten Bedingungen. Einige Kenner bemerken, dass gut gelagerter Yingde Hongcha nach 1–2 Jahren zusätzliche Rundheit und Milde gewinnt, obwohl für Roten Tee keine gezielte Reifelagerung praktiziert wird.
11. Preis und Fälschungen:
Yingde Hongcha ist ein Tee mit breiter Preisspanne. Standardqualitäten sind zu moderaten Preisen erhältlich, Spitzenpartien von Ying Hong Nr. 9 (insbesondere Frühjahrsernten aus alten Gärten des Kernproduktionsgebiets) können sehr hohe Preisniveaus erreichen – der Premium-Tee „Jin Hao“ (金毫, Jīnháo, „goldener Flaum“) aus reinen Knospen liegt preislich auf dem Niveau elitärer Dian Hongs und Qimens.
Preisbestimmende Faktoren: Grad (Anteil der Tips), Saison, konkreter Garten und sein Alter, Ruf des Herstellers, Verarbeitungsweise (manuell vs. maschinell). Richtpreise nach Graden von Ying Hong Nr. 9: Jinhao (金毫, reine Knospen) – 3.000–10.000+ Yuan/500 g; Jinmaohao (金毛毫, Knospe + erstes Blatt) – 1.500–3.000; Jinyinghong (金英红, Knospe + zwei Blätter) – 600–1.500; Standard-Frühjahrs-Ying-Hong Nr. 9 – 200–600; gewöhnlicher Yingde Hongcha (Sommer/Herbst, übrige Kultivare) – 100–300 Yuan/500 g.
So vermeiden Sie Fälschungen:
- Kauf bei vertrauenswürdigen Händlern: Hersteller mit bestätigter geografischer Angabe „Yingde Hongcha“ suchen.
- Beurteilung des Süßkartoffelaromas: Echter Ying Hong Nr. 9 besitzt ein charakteristisches Aroma gebackener Süßkartoffel – dieses Merkmal ist schwer zu imitieren. Das Fehlen dieser Note bei deklarierter Sorte Ying Hong Nr. 9 ist ein Grund für Zweifel.
- Beurteilung der Ausdauer: Echter Ying Hong Nr. 9 hält 8–10 Aufgüsse aus. Ein Tee, der bereits beim 3.–4. Aufguss nachlässt, wurde höchstwahrscheinlich aus minderwertigerem Rohmaterial hergestellt.
- Prüfung der Aufgussfarbe: Rubinrot, leuchtend, klar, mit goldenem Ring. Ein matter, trüber Aufguss ist ein Anzeichen für Verstöße in der Technologie oder Lagerung.
- Vorsicht vor Sortenverwechslung: Auf dem Markt kommt es vor, dass Ying Hong Nr. 9 durch yunnanesischen Dian Hong ersetzt wird (beide aus großblättrigem Rohmaterial und äußerlich ähnlich). Zu unterscheiden sind sie am Aroma: Dian Hong – malzig-honigsüß; Ying Hong Nr. 9 – blumig-süßkartoffelig.
12. Interessante Fakten:
- Ein Tee mit kürzester Geschichte – und kürzestem Weg zum Ruhm: Yingde Hongcha ist einer der „jüngsten“ großen Roten Tees Chinas. Von der Entstehung (1959) bis zur internationalen Anerkennung vergingen nur 4–5 Jahre – eine beispiellose Geschwindigkeit für die Teeindustrie.
- Eine Sorte – eine Industrie: Ying Hong Nr. 9 ist der seltene Fall, dass ein einziger Teekultivar zum Motor eines ganzen regionalen Wirtschaftsaufschwungs wurde. Heute entfallen über 90 % aller Teeanpflanzungen in Yingde auf Ying Hong Nr. 9.
- „Vier Worte“ der Qualität: Die Formel „浓强鲜爽“ (nóng qiáng xiān shuǎng – „konzentriert, kräftig, frisch, sauber“) ist zum offiziellen Deskriptor von Ying Hong Nr. 9 geworden und wird in Marketing und Verkostungsprotokollen verwendet.
- Weg vom Labor zur Plantage: Der Weg von Ying Hong Nr. 9 von der Isolierung einer Einzelpflanze im Jahr 1961 bis zur massenhaften Verbreitung in den 2010er Jahren dauerte fast 50 Jahre. Dies erinnert daran, wie langwierig und arbeitsintensiv der Prozess der Schaffung eines neuen Teekultivars ist.
- Ideal für Milchtee: Dank hoher Stärke, intensiver Farbe und Geschmacksstabilität gilt Yingde Hongcha traditionell als einer der besten chinesischen Roten Tees für die Zubereitung mit Milch – hierin steht er ceylonesischen und assamesischen Tees näher als den meisten chinesischen Roten.
- Tee im Weltraum. Im Jahr 2016 gelangten 50 g Samen des Kultivars Ying Hong Nr. 9 an Bord der Raumstation „Tiangong-2“ (天宫二号) in die Umlaufbahn und kehrten nach 33 Tagen an Bord von „Shenzhou-11“ zur Erde zurück – das längste Weltraumexperiment mit Teesamen in der Geschichte.
- Diplomatischer Tee. Im April 2023 wurde Yingde Hongcha beim „Teetreffen“ (茶叙, cháxù) zwischen dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping und dem französischen Präsidenten Macron im Songyuan-Garten (松园) in Guangzhou gereicht und wurde Teil des diplomatischen Teeprotokolls.
13. Vergleich mit anderen Roten Tees:
- Qimen Hong Cha (祁门红茶, Qímén Hóngchá): Berühmter Roter Tee aus der Provinz Anhui. Wird aus einer kleinblättrigen Sorte (褚叶种, zhǔyèzhǒng) hergestellt. Aroma – „rosen-honigsüß“, mit der charakteristischen „Qimen-Note“ (祁门香, Qímén xiāng). Der Geschmack ist feiner, „seidig“, mit blumig-fruchtigen Akzenten. Weniger kräftig als Yingde Hongcha. Historischer Ruhm ist deutlich älter.
- Dian Hong (滇红, Diānhóng): Yunnanesische Rote Tees, ebenfalls aus großblättrigem Rohmaterial. In Stärke und Dichte Yingde Hongcha ähnlich, unterscheiden sich jedoch im Aromaprofil: Es dominieren malzige, schokoladige, würzige Noten (im Gegensatz zu den blumig-süßkartoffeligen bei Ying Hong Nr. 9). Der Aufguss von Dian Hong ist in der Regel bernsteinfarbener, weniger rubinrot.
- Zheng Shan Xiao Zhong (正山小种, Zhèngshān Xiǎozhǒng): Lapsang Souchong aus Fujian – kleinblättrig, mit einzigartig rauchigem Aroma (in der traditionellen Version) oder ausgeprägt blumig-fruchtigem Spektrum (in modernen „nicht geräucherten“ Versionen). Der Geschmack ist leichter und „trockener“ als bei Yingde. Ein völlig anderes Stilprofil.
- Jiu Qu Hong Mei (九曲红梅, Jiǔqū Hóngméi): Roter Tee aus Zhejiang mit feinem, zartem, blumigem Charakter. Viel leichter und delikater als Yingde Hongcha. Ein anderer Geschmacksmaßstab – kammermusikalisch vs. orchestral.
14. Varietäten des Yingde Hongcha:
- Ying Hong Nr. 9 Jin Hao (英红九号金毫, „Goldener Flaum“): Höchster Grad, ausschließlich aus Knospen. Reichlich goldener Flaum. Der zarteste und aromatischste, mit maximaler blumiger Süße.
- Ying Hong Nr. 9 Jin Ya (英红九号金芽, „Goldene Knospen“): Überwiegend aus Knospen mit einem Minimum an jungen Blättern. Balance zwischen Zartheit und Kraft.
- Ying Hong Nr. 9 Gaoxiang Hong Tiao Cha (高香红条茶, „Hocharomatischer Roter Streifentee“): Standardgrad, Knospe und ein bis zwei Blätter. Das Hauptprodukt des Handels. Leuchtendes Aroma, vollwertige Kraft.
- Yingde Hong Sui Cha (英德红碎茶, „Granulierter Roter Tee“): CTC-Granulat für den Export. Bildete historisch das Hauptproduktionsvolumen in den 1960er–1980er Jahren. Sehr kräftig, ideal für Milchtee.
- Yingde Lao Shu Hong Cha (英德老树红茶, „Roter Tee von alten Bäumen“): Aus Rohmaterial alter Plantagen der 1950er–1960er Jahre. Ein tieferes, „reifes“ Profil.
Fazit:
Yingde Hongcha ist ein Phänomen-Tee, der bewiesen hat, dass eine große Teetradition in weniger als einem Jahrhundert geschaffen werden kann. Geboren in einer Zeit des Wandels, geschmiedet durch Wissenschaft und Handwerkskunst, hat er die Großzügigkeit der südchinesischen Sonne, die mineralische Kraft der Karstböden und die genetische Vollkommenheit des Kultivars Ying Hong Nr. 9 in sich aufgenommen. Ein leuchtend rubinroter Aufguss, ein beständiges blumig-honigsüßes Aroma mit der charakteristischen Süßkartoffelnote und ein kraftvoller, doch ausgewogener Geschmack – die Formel „浓强鲜爽“ – machen diesen Tee unvergesslich. Yingde Hongcha eignet sich für alle, die einen Roten Tee mit Charakter suchen: kräftig, aber nicht grob, süß, aber nicht überzuckert, aromatisch, aber nicht gekünstelt. Es ist ein Tee, der sich gleichermaßen sicher im Gaiwan eines Gongfu-Tee-Meisters, in der Porzellankanne zum geschäftlichen Frühstück und in der Tasse mit Milch bewegt – universell und stets großartig.