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Yīng Hóng Jiǔ Hào

Yīng hóng jiǔ hào · 英红9号

Yīng Hóng Jiǔ Hào ist ein ikonischer roter Tee aus der Provinz Guangdong und ein seltener Fall in der weltweiten Teeindustrie, bei dem der Name einer Zuchtlinie gleichzeitig die Bezeichnung des Endprodukts und eine regionale öffentliche Marke geworden ist.

Yīng Hóng Jiǔ Hào ist ein ikonischer roter Tee aus der Provinz Guangdong und ein seltener Fall in der weltweiten Teeindustrie, bei dem der Name einer Zuchtlinie gleichzeitig die Bezeichnung des Endprodukts und eine regionale öffentliche Marke geworden ist. Dieser Tee, der aus einem halben Jahrhundert wissenschaftlicher Arbeit hervorging, vereint die Kraft der großblättrigen Sorten aus Yunnan mit der Finesse des Terroirs von Guangdong.


1. Klassifikation und Herkunft:

  • Typ: Roter Tee (红茶, hóngchá), vollständig fermentiert (oxidiert). Nach europäischer Klassifikation – schwarzer Tee (black tea).
  • Kategorie: Hochwertige rote Tees Chinas; die Flaggschiff-Varietät des Yīngdé Hóngchá (英德红茶) – des „roten Tees aus Yingde“, der zusammen mit Qímén Hóngchá (祁门红茶) und Diān Hóng (滇红) zu den drei großen roten Tees Chinas zählt.
  • Herkunft: China (中国), Provinz Guangdong (广东省, Guǎngdōng Shěng), bezirksfreie Stadt Qingyuan (清远市, Qīngyuǎn Shì), kreisfreie Stadt Yingde (英德市, Yīngdé Shì). Die Teegärten konzentrieren sich im Vorgebirge des nördlichen Guangdong, vorwiegend innerhalb der Grenzen von Yingde und der angrenzenden Gebiete. Seit 2005 dehnten sich die Anpflanzungen auf die östlichen und westlichen Bezirke der Provinz sowie darüber hinaus aus – nach Sichuan, Guangxi, Fujian, Yunnan, Guizhou und Tibet. Gegenwärtig beläuft sich die Gesamtfläche der Yīng Hóng Jiǔ Hào-Anpflanzungen innerhalb und außerhalb Guangdongs auf über 10.000 Hektar.
  • Geographische Koordinaten: Ungefähr 24°10′ n.Br., 113°25′ ö.L. (Zentrum des Kreises Yingde).

2. Geschichte und kulturelle Bedeutung:

  • Geschichte:

Die moderne Geschichte des Teeanbaus in Yingde begann 1955, als im Staatsbetrieb „Yīngdé Xīnshēng“ (英德新生联合企业公司) erfolgreich Samen großblättriger Yunnan-Sorten ausgesät wurden, die 1956 aus Xishuangbanna und Fengqing eingeführt worden waren. Bereits 1959 wurde aus diesem Rohstoff der erste rote Tee – Yīngdé Hóngchá – hergestellt, der schnell internationale Anerkennung erlangte.

1961 isolierten Wissenschaftler des Teeforschungsinstituts der Provinz Guangdong (广东省农业科学院茶叶研究所, Guǎngdōng Shěng Nóngyè Kēxuéyuàn Cháyè Yánjiūsuǒ) aus der großblättrigen Yunnan-Population 22 ungeschlechtliche Klonlinien. Eine davon erhielt die Arbeitsnummer „Yīng Chá 17“ (英茶17号). 1963 wurden die Setzlinge in die Sortenprüfung des Instituts überführt, und 1964 – nach der Verlegung in den Hauptsortengarten – wurden die Klonlinien in die Serie „Yīng Hóng“ (英红) umbenannt, abgeleitet vom Ortsnamen. „Yīng Chá 17“ erhielt die endgültige Bezeichnung Yīng Hóng 9 Hào (英红9号).

Von 1970 bis 1974 fand eine umfassende Bewertung von Wirtschaftsmerkmalen, Ertrag, Rottee-Qualität, biochemischen Indikatoren und Widerstandsfähigkeit gegen widrige Bedingungen statt. 1982 wurden mehrfach wiederholte Vergleichstests angelegt, 1985 regionale Prüfungen in Zhanjiang unter Beteiligung von 11 neuen Sorten. Im Jahr 1986 wurde Yīng Hóng Jiǔ Hào vom Sortenzulassungsausschuss der Provinz Guangdong als provinzielle Elitesorte (省级良种) anerkannt. 1988 erfolgte die offizielle Zertifizierung (Zeugnis Nr. 粤审茶1988010). Bis 2010 erlangte die Sorte den Status einer führenden landwirtschaftlichen Provinzsorte (广东省农业主导品种).

Ende der 1980er Jahre entwickelten Forscher des Instituts unter Verwendung einzelner Knospen von Yīng Hóng Jiǔ Hào die Technologie zur Herstellung des Premium-Rottees „Jīn Háo“ (金毫, Jīn Háo – „goldener Flaum“) und schlossen damit eine Lücke in der Produktion hochklassiger roter Tees aus großblättrigen Sorten. Dieses Produkt gewann bei drei aufeinanderfolgenden Wettbewerben „Berühmte Tees Guangdongs“ (1992, 1994, 1996) Goldmedaillen und erhielt das Zertifikat „Nationales Schlüssel-Neuprodukt“ (国家重点新产品) von fünf Ministerien der Volksrepublik China.

2019 verlieh das International Tea Committee auf der 15. Jahreskonferenz zur Teeökonomie Chinas dem Yīngdé Hóngchá den Titel „Weltweiter hocharomatischer Roter Tee“ (世界高香红茶).

  • Name:

    • Yīng (英) – das erste Schriftzeichen des Kreises Yingde (英德), dem Ort der Züchtung und Hauptproduktion.
    • Hóng (红) – „rot“, der Hinweis auf den Teetyp.
    • 9 Hào (9号) – die laufende Nummer der Klonlinie innerhalb der Serie von 22 ausgewählten Einheiten. Die ursprüngliche Arbeitsnummer war 17 („Yīng Chá 17“), doch nach der Umbenennung der Serie in „Yīng Hóng“ wurde die Nummer neu vergeben.
  • Kulturelle Bedeutung:

Yīng Hóng Jiǔ Hào ist das Aushängeschild und der Stolz der Teeindustrie Guangdongs. 1963 wurde Yīngdé Hóngchá erstmals auf einer Auktion in London präsentiert und erhielt hohe Bewertungen. Im selben Jahr servierte die britische Königin Elisabeth II. bei einem offiziellen Bankett roten Tee aus Yingde, woraufhin er zum Geschenktee des Königshofs wurde. Der stellvertretende Ministerpräsident und Außenminister Chen Yi (陈毅) übermittelte der Führung des Kreises Yingde 1965 über Marschall Zhu De die Weisung: „Selbst die Königin liebt euren roten Tee – ihr seid verpflichtet, daraus eine große Sache zu machen.“ Bis 2021 erreichte die Fläche der standardisierten Teegärten in Yingde 170.200 mu (ca. 11.350 ha), das jährliche Volumen an Trockentee 13.500 Tonnen und der Produktionswert überstieg 5 Milliarden Yuan, wovon der absolute Löwenanteil auf Yīng Hóng Jiǔ Hào entfällt.


3. Botanische Beschreibung und Rohmaterial:

  • Sorte / Cultivar: Yīng Hóng Jiǔ Hào (英红9号, yīng hóng jiǔ hào) – ein Kultivar der Art Camellia sinensis (L.) Kuntze, ausgelesen durch Klonselektion aus der großblättrigen Yunnan-Population (云南大叶群体, Yúnnán Dàyè Qúntǐ), die 1956 nach Yingde importiert worden war. Gehört zum baumförmigen großblättrigen Typ (乔木型大叶种, qiáomù xíng dàyè zhǒng). Botanische Merkmale:
    • Habitus: Baum mit aufrechtem, kräftigem Stamm, ausgeprägter Apikaldominanz. Krone halbausladend, Verzweigung mäßig dicht.
    • Blätter: Elliptisch, hellgrün, mit konvex glänzender Oberfläche und allmählich zugespitzter Spitze. Blattrand leicht gewellt, Blatt etwas nach innen gefaltet.
    • Knospen: Gelbgrün, dicht mit Flaum bedeckt. Hohes Austriebsvermögen. Ein Trieb des Typs „eine Knospe – drei Blätter“ erreicht eine Länge von 12,7 cm und ein Gewicht von 2,05 g – die Sorte zählt zum schwerknospigen Typ (重芽型品种). Einjährige Triebe werden bis zu 132,7 cm lang bei einer Dicke von 1,13 cm und tragen bis zu 100 Blätter – ein Wert, der die ursprüngliche Yunnan-Population übertrifft.
    • Blüten: Gelblich-weiß, Kronendurchmesser 3–4 cm. Griffel über die Staubblätter hinausragend, Narbe dreiteilig. Blüte reichlich, Fruchtansatz äußerst gering (花多而结实甚少).
    • Vegetation: Vegetationsbeginn – Mitte/Ende März; Beginn des Austriebs – Ende März/Anfang April; Ruheperiode – Mitte November/Anfang Dezember. Der gesamte Vegetationszyklus beträgt 247–278 Tage.
  • Ernte: Dank des frühen Erwachens und der langen Vegetationsperiode ist eine Ernte von März bis November möglich. Am wertvollsten gilt die Frühjahrsernte (春茶, chūnchá), insbesondere die Vor-Qingming-Ernte (明前, míngqián). Der Durchschnittsertrag liegt bei über 150 kg Trockentee pro mu, was das 5-Fache der handelsüblichen Sorten ausmacht.
  • Erntestandard: Hängt von der Produkt-Grade ab:
    • Jīn Háo (金毫) – ausschließlich einzelne Knospen (单芽, dān yá), gepflückt vor dem Qingming-Fest (清明); Anteil aufgebrochener Knospen nicht mehr als 5 %, Stiellänge nicht mehr als 0,5 cm.
    • Jīn Máo Háo (金毛毫) – eine Knospe und ein ungeöffnetes Blatt (一芽一叶初展); Anteil standardgerechten Rohmaterials nicht weniger als 90 %.
    • Jīn Yīng Hóng (金英红) – eine Knospe und zwei ungeöffnete Blätter, geerntet bis zum 30. April; Anteil standardgerechten Rohmaterials nicht weniger als 80 %.
    • Yīng Hóng Jiǔ Hào (Massenkategorie) – eine Knospe und zwei entfaltete Blätter (一芽二叶初展), geerntet nach dem Frühjahrshöhepunkt.

4. Terroir und Anbaumerkmale:

  • Relief und Landschaft: Der Kreis Yingde liegt im Norden der Provinz Guangdong, im Vorgebirgsgebiet des Nanling-Gebirges (南岭). Das Gelände ist hügelig, von Flüssen und Bächen durchzogen, mit zahlreichen Tälern. Die Region befindet sich im Übergangsbereich zwischen subtropischer und gemäßigt-tropischer Zone.
  • Anbauhöhe: Die Teegärten liegen in Höhen von 100 bis 500 m über dem Meeresspiegel, an Hängen mit einer Neigung von nicht mehr als 25°.
  • Böden: Rote Erden (红壤, hóng rǎng), locker, gut durchlüftet, mit tiefem Profil, hohem Gehalt an organischer Substanz und Mineralien. Optimaler pH-Wert 4,5–6,5. Die roten Erden Yingdes sind reich an Eisen und Aluminium, was sich günstig auf die Wurzelentwicklung und die Akkumulation von Polyphenolen auswirkt.
  • Klima: Subtropisch-monsunal, mit mildem Winter und heißem, feuchtem Sommer. Jahresmitteltemperatur 20–22°C. Niederschlag 1800–2000 mm pro Jahr, hohe Luftfeuchtigkeit. Die Summe der aktiven Temperaturen und die Sonnenscheindauer sichern eine lange Vegetationsperiode. Häufige Morgennebel und reichlich Tau fördern die Bildung zarter, aromatischer Triebe.
  • Anbaubesonderheiten: Yīng Hóng Jiǔ Hào zeigt eine gute Anpassungsfähigkeit nicht nur in Guangdong, sondern auch in Sichuan, Guangxi, Fujian und anderen subtropischen Regionen. Die Sorte zeichnet sich für einen großblättrigen Typ durch hohe Frosthärte und Widerstandsfähigkeit gegenüber den wichtigsten Krankheiten und Schädlingen aus.

5. Herstellungsprozess:

Yīng Hóng Jiǔ Hào wird nach der klassischen Rottee-Technologie verarbeitet, jedoch mit Anpassungen, die der Eigenart des großblättrigen Rohmaterials Rechnung tragen.

  • Pflücken (采摘, cǎi zhāi): Handpflücke nach dem jeweiligen Gradestandard. Für die Premium-Kategorien (Jīn Háo, Jīn Máo Háo) ausschließlich Vorfrühlingsknospen und ungeöffnete Blätter.
  • Welken (萎凋, wěi diāo): Die gepflückten Blätter werden in dünner Schicht auf Bambustabletts im Freien (Sonnen- oder Schattenwelke) oder in einem gut belüfteten Raum ausgebreitet. Dauer – 12–18 Stunden und mehr. Ziel ist es, den Feuchtigkeitsgehalt auf 60–70 % des Ausgangswerts zu senken, das Blatt weich und elastisch zu machen und die ersten biochemischen Oxidationsprozesse in Gang zu setzen.
  • Rollen (揉捻, róu niǎn): Die gewelkten Blätter werden von Hand oder in Rollmaschinen in mehreren Durchgängen gerollt. Das großblättrige Rohmaterial von Yīng Hóng Jiǔ Hào erfordert ein längeres und intensiveres Rollen, um die Zellstruktur vollständig aufzubrechen und den Zellsaft freizusetzen, der für eine qualitativ hochwertige Oxidation unerlässlich ist.
  • Fermentation / Oxidation (发酵, fā jiào): Der entscheidende Schritt. Die gerollten Blätter werden in einer 8–12 cm dicken Schicht im Fermentationsraum bei einer Temperatur von 22–28°C und einer Luftfeuchtigkeit von 90–95 % ausgelegt. Dauer – 3–5 Stunden. Bei der vollständigen Oxidation werden die Catechine in Theaflavine und Thearubigine umgewandelt, die die charakteristische rotbraune Blattfarbe, das reiche Aroma und den Geschmack ausprägen.
  • Trocknen (烘干, hōng gān): Erfolgt in zwei Stufen: das erste Trocknen (毛火, máo huǒ) bei höherer Temperatur zur raschen Unterbrechung der Fermentation und das Nachttrocknen (足火, zú huǒ) bei niedrigerer Temperatur zur Fixierung des Aromas und Entfernung der Restfeuchte. Endfeuchte – nicht mehr als 6 %.
  • Sortieren (分级, fēn jí): Der fertige Tee wird nach Größe und Qualität in ganzblattige Fraktionen, Broken und kleine Fraktionen gesiebt und sortiert. Tips (Knospen) mit reichlich goldenem Flaum werden für die höchsten Grades ausgelesen.

6. Sensorische Eigenschaften:

  • Trockenes Blatt: Fest gerollte, federnde Teeblätter in Streifen- oder leicht gebogener „Brauen“-Form. Farbe von dunkelbraun bis schwarz mit öligem Glanz, reichlich goldene und rötliche Tip-Einsprenkelungen. Bei höchsten Grades (Jīn Háo) – durchgehend goldener Flaum, die Form kompakt, gleichmäßig, ohne Teestaub und Bruch.
  • Trockenblattaroma: Reich, warm, einhüllend. Leitnoten: Süßkartoffel (薯香, shǔ xiāng – die charakteristische „Visitenkarte“ von Yīng Hóng Jiǔ Hào), Honig, Malz, Trockenfrüchte (Backpflaume, getrocknete Aprikose, Rosinen), mit feinen Anklängen von Schokolade, Gewürzen (Zimt, Nelken) und blumigen Nuancen.
  • Aufgussaroma: Leuchtend, intensiv, hochsteigend (高锐, gāo ruì). Dominante Noten von süßer Kartoffel und Honig, untermalt von fruchtigen (Aprikose, reife Pflaume), malzigen und karamelligen Schattierungen. Eine blumige Komponente (Orchidee, Rose) zeigt sich dezent im Hintergrund.
  • Geschmack: Voll, reichhaltig, samtig. Die Geschmacksformel wird klassisch als „kräftig, stark, frisch, belebend“ (浓、强、鲜、爽, nóng, qiáng, xiān, shuǎng) beschrieben. Der Körper ist dicht, die Süße ausgeprägt (Honig, Karamell), die Adstringenz weich und rasch in einen süßen Nachklang (回甘, huí gān) übergehend. Bitterkeit fehlt oder ist minimal. Der Abgang ist lang, wärmend, mit Noten von Trockenfrüchten und Schokolade.
  • Tassenfarbe: Rot-bernsteinfarben (红艳明亮, hóng yàn míng liàng), satt, klar, mit einem charakteristischen goldenen Rand (金圈, jīn quān) am Tassenrand – ein Anzeichen für einen hohen Gehalt an Theaflavinen.
  • Teeblatt (ausgezogen): Ganze, elastische Blätter von rötlich-brauner Farbe, gleichmäßig geöffnet. Bei höheren Grades – eine Fülle goldorange-farbener Knospen. Das nasse Blatt ist weich, zart, leuchtend rot und glänzend (嫩明红亮).

7. Chemische Zusammensetzung:

Das biochemische Profil von Yīng Hóng Jiǔ Hào zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an Extraktstoffen aus, was auf die Genetik der großblättrigen Sorte und die Terroir-Bedingungen zurückzuführen ist.

  • Polyphenole (茶多酚): Gehalt im frischen Blatt – etwa 34,17 %, was deutlich über dem der meisten mittelblättrigen roten Tees liegt. Im fertigen Tee sinkt der Polyphenolgehalt nach vollständiger Oxidation auf 11–21 % (je nach Fermentationsgrad und Grade). Der Großteil der Catechine wird in Theaflavine (茶黄素, cháhuángsù) – 0,8–1,5 % – und Thearubigine (茶红素, cháhóngsù) – 7–12 % – umgewandelt, die die Farbe, den Geschmack und die biologische Aktivität des Aufgusses prägen. Der Catechin-Gehalt im frischen Blatt beträgt etwa 152,13 mg/g.
  • Aminosäuren (氨基酸): Gesamtgehalt im frischen Blatt – etwa 2,06 %; im fertigen Tee – 0,78–3,64 % je nach Erntesaison und Grade. Hauptbestandteil ist L-Theanin (L-茶氨酸), das für die weiche, süßliche Geschmackskomponente sorgt und synergetisch mit Koffein wirkt (ruhige Wachheit ohne Unruhe).
  • Alkaloide: Der Gehalt an Koffein (咖啡碱) beträgt 4,12–4,35 %, ein für rote Tees recht hoher Wert. Daneben sind Theobromin und Theophyllin in geringeren Mengen enthalten.
  • Wasserlöslicher Extrakt (水浸出物): 38,16–41,25 % – ein hoher Wert, der die Fülle und Tiefe des Geschmacks bezeugt.
  • Lösliche Zucker: Etwa 4,26 %, die für die natürliche Süße des Aufgusses verantwortlich sind.
  • Ätherische Öle und Aromastoffe: Ein außerordentlich reiches Aromaprofil, bedingt durch hohe Gehalte an Linalool, Geraniol, Phenylethylalkohol und anderen Terpenoiden. Die charakteristische Süßkartoffelnote (薯香) hängt mit einer spezifischen Kombination von Aldehyden und Maltol zusammen.
  • Vitamine: C (etwa 50 mg/100 g, wird bei der Fermentation teilweise zerstört), Gruppe B (B₁, B₂, B₆), E, K.
  • Mineralstoffe: Kalium (etwa 2000 mg/100 g), Calcium (etwa 300 mg/100 g), Magnesium, Mangan, Eisen, Fluorid, Zink.
  • Flavonoide (黄酮类): Etwa 0,72 %, die die antioxidative Aktivität ergänzen.

8. Gesundheitsfördernde Eigenschaften:

  • Tonisierende Wirkung: Der hohe Koffeingehalt (4,12–4,35 %) in Kombination mit L-Theanin gewährleistet eine ausgeprägte, aber sanfte Stimulation des zentralen Nervensystems – Steigerung von Konzentration, Leistungsfähigkeit und Wachheit ohne abrupte „Spitzen“ und nachfolgenden Abfall.
  • Antioxidativer Schutz: Die in Yīng Hóng Jiǔ Hào enthaltenen Theaflavine und Thearubigine besitzen eine nachgewiesene Fähigkeit, freie Radikale zu neutralisieren. Untersuchungen zeigten, dass Yīng Hóng Jiǔ Hào hinsichtlich des Gehalts an Theaflavinen und Thearubiginen sowohl Qímén Hóngchá als auch Diān Hóng übertrifft.
  • Leberprotektive Wirkung: Laborstudien (Guangdong Academy of Agricultural Sciences) haben belegt, dass der wässrige Extrakt von Yīng Hóng Jiǔ Hào die Konzentration von Leberschädigungsmarkern (ALT, AST) senken und den Entzündungspfad TNF-α/NF-κB unterdrücken kann, wodurch er bei akuten alkoholbedingten Leberschäden eine schützende Wirkung entfaltet.
  • Förderung der Verdauung: Regt die Magensaftsekretion an und unterstützt die Fettverdauung. Roter Tee gilt traditionell als „wärmendes“ Getränk (性温) und wird für Menschen mit empfindlicher Verdauung empfohlen.
  • Wärmende Wirkung: Yīng Hóng Jiǔ Hào fördert als vollständig fermentierter Tee die Durchblutung und Thermoregulation und ist besonders in der kalten Jahreszeit wertvoll.
  • Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems: Der regelmäßige Genuss kann zur Senkung des LDL-Cholesterinspiegels, zur Stärkung der Gefäßwände und zur Normalisierung des Blutdrucks beitragen.
  • Diuretische Wirkung: Koffein und Theobromin regen die Nierendurchblutung an, was die Ausscheidung überschüssiger Flüssigkeit fördert und Ödeme mindert.
  • Antibakterielle Wirkung: Polyphenole und Catechine besitzen die Fähigkeit, das Wachstum pathogener Mikroorganismen zu hemmen.

9. Zubereitung:

  • Wassertemperatur: 90–95°C (kein kochendes Wasser – um empfindliche Aromastoffe zu bewahren).

  • Teemenge: 5 g auf 150 ml Wasser (Gongfu-Methode); 3–4 g auf 200–250 ml (europäische Methode).

  • Gefäß: Porzellan-Gaiwan (盖碗, gàiwǎn) – die optimale Wahl, um das Aroma vollständig zu entfalten; Yixing-Kännchen (宜兴紫砂壶) aus rotem oder braunem Ton; Porzellankanne.

  • Prozess (Gongfu-Methode):

    1. Gaiwan und Chahai (茶海) mit kochendem Wasser vorwärmen, Wasser abgießen.
    2. 5 g Tee in den vorgewärmten Gaiwan geben; das trockene Blattaroma einatmen – das erste Kennenlernen mit dem Tee.
    3. Mit Wasser von 90–95°C übergießen und sofort abgießen (Waschung, 洗茶, xǐ chá) – das Erwecken des Blattes.
    4. Erster Aufguss: Wasser aufgießen, 5–8 Sekunden ziehen lassen. In den Chahai abgießen, in die Tassen verteilen.
    5. Zweiter bis vierter Aufguss: 5–10 Sekunden, die Ziehzeit allmählich verlängern.
    6. Fünfter bis achter Aufguss: 15–30 Sekunden und länger, je nach nachlassendem Geschmack.
    7. Yīng Hóng Jiǔ Hào der höchsten Grades verträgt 6–8 Aufgüsse, Massenkategorien 4–6.
  • Wichtige Nuancen:

    • Aufgrund des hohen Gehalts an Extraktstoffen lässt sich der Tee leicht überziehen – die ersten Aufgüsse sollten kurz sein.
    • Yīng Hóng Jiǔ Hào eignet sich hervorragend für die Zubereitung von Milchtee (奶茶, nǎichá): Der kräftige, starke Aufguss geht vor dem Milchhintergrund nicht verloren und erhält einen schönen rosigen Farbton.

10. Lagerung:

  • Bedingungen: Trockener, kühler, dunkler Ort, fern von direktem Sonnenlicht und Wärmequellen.
  • Behälter: Luftdichte Verpackung – Blechdose, folienkaschierter Beutel mit Ventil oder Vakuumverpackung. Kontakt mit Fremdgerüchen (Gewürze, Parfüm, Haushaltschemie) ausschließen.
  • Temperatur: Zimmertemperatur (15–25°C). Eine Aufbewahrung im Kühlschrank ist weder erforderlich noch empfehlenswert – Kondensat beim Herausnehmen schadet dem Tee.
  • Lagerdauer: Bei Einhaltung der Bedingungen – 2–3 Jahre. Yīng Hóng Jiǔ Hào zählt nicht zu den Tees, die mit dem Altern besser werden; die optimale Qualität besteht in den ersten 18 Monaten nach der Herstellung.
  • Feinde des Tees: Feuchtigkeit, Licht, Sauerstoff, hohe Temperatur, Fremdgerüche.

11. Preis und Fälschungen:

  • Preiskategorie: Yīng Hóng Jiǔ Hào deckt eine breite Preisspanne ab – von erschwinglichen Massenkategorien bis hin zu Super-Premium. Massenware Yīng Hóng Jiǔ Hào (一芽二叶) – von 200 bis 800 Yuan pro Jin (500 g); Jīn Yīng Hóng – 800–2000 Yuan; Jīn Máo Háo – 2000–5000 Yuan; Jīn Háo aus einzelnen Knospen – von 5000 bis über 10.000 Yuan pro Jin und zählt damit zu den teuersten roten Tees Chinas. Der durchschnittliche Erlös pro mu beträgt bei Yīng Hóng Jiǔ Hào-Plantagen etwa 60.000 Yuan – fünfmal mehr als bei gewöhnlichen Sorten.

  • So vermeiden Sie Fälschungen:

    • Kaufen Sie bei vertrauenswürdigen Händlern: Die Marke „Hóngyàn“ (鸿雁) gehört direkt zum Teeinstitut Guangdong – dem Schöpfer der Sorte. Weitere verlässliche Marken: „Yíbāomín“ (怡品茗), „Yīng Jiǔ Zhuāngyuán“ (英九庄园), „Bā Bǎi Xiù Cái“ (八百秀才).
    • Beurteilen Sie das Aussehen: Die Teeblätter sollten fest gerollt, gleichmäßig und glänzend sein. Höchste Grades – reichlich goldener Flaum. Teestaub, matte Farbe, ungleichmäßige Fraktionen sind Anzeichen einer Fälschung.
    • Prüfen Sie das Aroma: Unverzichtbar ist die charakteristische Süßkartoffelnote (薯香) – die „Visitenkarte“ des echten Yīng Hóng Jiǔ Hào, die bei Fälschungen aus anderen Sorten fehlt.
    • Bewerten Sie den Aufguss: Die Farbe sollte leuchtend, rot-bernsteinfarben, klar und mit goldenem Rand sein. Trübe, matte Aufgüsse deuten auf minderwertiges Rohmaterial oder Verfahrensfehler hin.
    • Betrachten Sie den Preis kritisch: Wird „Jīn Háo“ zu einem Preis unter 3000 Yuan pro Jin angeboten, handelt es sich mit großer Sicherheit nicht um das authentische Produkt.

12. Interessante Fakten:

  • Drei in einem: Yīng Hóng Jiǔ Hào ist einer der wenigen Tees weltweit, dessen Name gleichzeitig die Bezeichnung des Kultivars, des Endprodukts und einer regionalen Marke ist – ein einzigartiger Fall in der chinesischen Teeindustrie.
  • Goldener Hao älter als Goldener Junmei: Der Premium-Tee „Jīn Háo“ aus einzelnen Knospen von Yīng Hóng Jiǔ Hào entstand bereits Ende der 1980er Jahre – lange vor dem berühmten Jīn Jùn Méi (金骏眉, 2005), der als Urvater der „knospenreinen“ roten Tees gilt.
  • Königlicher Tee: 1963 servierte Elisabeth II. bei einem königlichen Empfang roten Tee aus Yingde. Yīngdé Hóngchá wurde zu einem der ersten chinesischen Tees, die London eroberten, nachdem dort jahrhundertelang indische und ceylonesische Sorten dominiert hatten.
  • Gelb vor Rot: Das erste hochklassige Produkt aus den Knospen von Yīng Hóng Jiǔ Hào war kein roter, sondern ein gelber Tee – „Yín Háo“ (银毫, „silberner Flaum“), hergestellt nach der Technologie des Huángchá (黄茶). Erst später wechselten die Wissenschaftler zur roten Technologie und schufen „Jīn Háo“.
  • Wirtschaftsmotor: Bis 2015 übertraf der gesamtwirtschaftliche Effekt der Einführung von Yīng Hóng Jiǔ Hào 4 Milliarden Yuan; bis in die 2020er Jahre – mehr als 6 Milliarden Yuan und verwandelte Yingde von einem abgeschiedenen Bergkreis in eine florierende „Tee-Region“.

13. Vergleich mit anderen roten Tees:

  • Qímén Hóngchá (祁门红茶, Qímén Hóngchá): Ein klassischer roter Tee aus Anhui, gewonnen aus dem mittelblättrigen Kultivar Zhū Yè Zhǒng. Besitzt das berühmte „Qímén-Aroma“ (祁门香) – einen komplexen Duft mit floral-fruchtigen und honigartigen Noten. Im Vergleich dazu zeigt Yīng Hóng Jiǔ Hào einen dichteren Körper, eine ausgeprägte Süße von Süßkartoffel und Malz, eine kraftvollere Stärke (浓强) und eine satte Tassenfarbe mit goldenem Rand. Qímén ist delikater und raffinierter; Yīng Hóng Jiǔ Hào ist vollmundiger und großzügiger.

  • Diān Hóng (滇红, Diān Hóng): Ein roter Tee aus Yunnan, der von denselben großblättrigen Vorfahren abstammt wie Yīng Hóng Jiǔ Hào. Diān Hóng zeichnet sich durch ausgeprägtere würzige, holzige und schokoladige Nuancen sowie eine charakteristische dichte, viskose Textur aus. Bei ähnlicher Stärke besitzt Yīng Hóng Jiǔ Hào eine reinere, „transparentere“ Süße und die unverwechselbare Kartoffel-Honig-Note, verbunden mit einem höheren Frischegrad (鲜爽度).

  • Jīn Jùn Méi (金骏眉, Jīn Jùn Méi): Ein Premium-Rottee aus Fujian, ausschließlich aus Knospen des Kultivars Cài Chá. Bietet einen exquisiten, feinen Geschmack mit dominierenden Honig-Blumigkeit und einer leichten fruchtigen Säure. Im Vergleich dazu ist Jīn Háo aus Yīng Hóng Jiǔ Hào kraftvoller und vom Charakter her „südlicher“: der Körper dichter, die Süße tiefer, das Aroma wärmer und einhüllender, mit einer deutlicheren malzig-schokoladigen Komponente.

  • Zhèng Shān Xiǎo Zhǒng (正山小种, Zhèng Shān Xiǎo Zhǒng): Der Urvater aller roten Tees der Welt aus dem Wuyi-Gebirge, Fujian. Traditionelle Versionen zeichnen sich durch ein berühmtes „rauchiges“ Aroma (Kiefernrauch) aus, das bei Yīng Hóng Jiǔ Hào gänzlich fehlt. Neuere „rauchfreie“ Xiǎo Zhǒngs liegen im Profil näher, besitzen aber einen leichteren Körper und ausgeprägte harzig-koniferige Noten.

  • Yīngdé Hóngchá aus anderen Kultivaren: In Yingde werden rote Tees auch aus anderen Sorten – Jīn Guānyīn, Méizhān, Ròu Guì, die aus Fujian eingeführt wurden – produziert. Diese weisen stärkere blumige Noten auf, stehen jedoch in puncto Körperdichte, „Stärke“ und der charakteristischen Kartoffel-Honig-Signatur hinter Yīng Hóng Jiǔ Hào zurück.


Zum Abschluss:

Yīng Hóng Jiǔ Hào ist ein Tee, der ein halbes Jahrhundert chinesischer Agrarwissenschaft verkörpert, multipliziert mit der Großzügigkeit des subtropischen Terroirs im Norden Guangdongs. Geboren aus den Vorfahren Yunnans und gehegt auf den roten Böden Yingdes, schenkte dieser Kultivar der Welt einen roten Tee, der mit den besten Vertretern des Genres – vom kaiserlichen Qímén bis zum kraftvollen Diān Hóng – auf Augenhöhe konkurrieren kann. Seine firmeneigene Note süßer Kartoffel, die samtige Fülle des Geschmacks und der leuchtende, von einem goldenen Rand gekrönte Aufguss machen Yīng Hóng Jiǔ Hào zur idealen Wahl für all jene, die in einem roten Tee nicht bloß ein anregendes Getränk suchen, sondern ein echtes sinnliches Erlebnis – warm, großzügig und unendlich tief.