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Yín Jùn Méi
Yín jùn méi · 银骏眉
Yín Jùn Méi – der „silberne“ Grad der berühmten Jùn Méi-Serie (骏眉), der zwischen dem legendären Jīn Jùn Méi (nur Knospen) und dem günstigeren Tóng Jùn Méi / Chìgān (eine Knospe mit zwei Blättern) angesiedelt ist.
Yín Jùn Méi – der „silberne“ Grad der berühmten Jùn Méi-Serie (骏眉), der zwischen dem legendären Jīn Jùn Méi (nur Knospen) und dem günstigeren Tóng Jùn Méi / Chìgān (eine Knospe mit zwei Blättern) angesiedelt ist. Dieser Tee wird nach dem Standard „eine Knospe – ein Blatt“ von wild wachsenden Teebäumen im Schutzgebiet Tóngmù (桐木) gepflückt und vereint die Feinheit des Knospenmaterials mit etwas mehr Struktur und Fülle, die das erste zarte Blatt einbringt. Für viele Kenner ist Yín Jùn Méi die optimale Balance zwischen Raffinesse und Erschwinglichkeit innerhalb der Linie.
1. Klassifikation und Herkunft:
- Typ: Roter Tee (红茶, hóngchá), vollständig oxidiert. Nach europäischer Klassifikation – schwarzer Tee. Fermentationsgrad 80–90 %.
- Kategorie: Edler Roter Tee der „Jùn Méi“-Serie (骏眉), zweiter Grad nach Jīn Jùn Méi. Eine Varietät des neuen Stils von Zhèng Shān Xiǎo Zhǒng (正山小种) – ohne Räucherung.
- Herkunft: China, Provinz Fujian (福建省, Fújiàn Shěng), bezirksfreie Stadt Nanping (南平市, Nánpíng Shì), kreisfreie Stadt Wǔyíshān (武夷山市, Wǔyíshān Shì), Dorf Tóngmù (桐木村, Tóngmù Cūn) innerhalb des Nationalen Naturschutzgebiets Wǔyíshān (武夷山国家级自然保护区, Fläche 565 km²). Tóngmù ist die historische Wiege allen Roten Tees, wo vor über 400 Jahren der Zhèng Shān Xiǎo Zhǒng (Lapsang Souchong) entstand.
- Geografische Koordinaten: rund 27°44′ n. Br., 117°38′ ö. L.
- Stellung in der „Jùn Méi“-Serie: Die Serie umfasst drei Grade nach Pflückstandard: Jīn Jùn Méi (金骏眉, „Goldene Augenbrauen“) – nur Knospen (单芽); Yín Jùn Méi (银骏眉, „Silberne Augenbrauen“) – eine Knospe mit einem Blatt (一芽一叶); Tóng Jùn Méi (铜骏眉, „Bronzene Augenbrauen“), auch als Chìgān (赤甘) bekannt – eine Knospe mit zwei Blättern (一芽二叶), unterteilt in Xiǎo Chìgān (小赤甘, Blätter noch geschlossen) und Dà Chìgān (大赤甘, Blätter geöffnet).
2. Geschichte und kulturelle Bedeutung:
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Geschichte: Yín Jùn Méi entstand gleichzeitig mit Jīn Jùn Méi im Jahr 2005, als das Team um Jiāng Yuánxūn (江元勋) und Liáng Jùndé (梁骏德) das Gradsystem der Jùn Méi-Serie entwickelte. Nach der erfolgreichen ersten Partie aus reinen Knospen versuchten die Meister die Herstellung aus „eine Knospe – ein Blatt“, und so formte sich die dreistufige Klassifikation „Gold – Silber – Bronze“. Technologie und Vermarktung verliefen parallel zu Jīn Jùn Méi: Stabilisierung 2006 unter Mitwirkung der Teepatriarchen Zhāng Tiānfú (张天福) und Luó Shàojūn (骆少君), Markteinführung 2008.
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Name:
- „Yín“ (银) – „Silber“. Verweist auf den silbrigen Flaum der Knospen und den „silbernen“ Rang in der Hierarchie (unter „Gold“, über „Bronze“).
- „Jùn“ (骏) – „edles Ross“, „prächtig“. Verbunden mit den Namen der Schöpfer (Jiāng Jùnshēng, Jiāng Jùnfā, Liáng Jùndé) und dem Wunsch nach schnellem Markterfolg.
- „Méi“ (眉) – „Augenbrauen“. Beschreibt die charakteristische Form des trockenen Tees – dünn, leicht gebogen, einer elegant geschwungenen Braue ähnelnd.
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Kulturelle Bedeutung: Yín Jùn Méi besetzt eine wichtige Nische als Tor zur Welt der edlen Roten Tees aus Tóngmù. Bei vergleichbarer Rohstoffqualität und Technologie ist er spürbar günstiger als Jīn Jùn Méi, was ihn zu einer beliebten Wahl für das tägliche Teetrinken von Kennern und für den Einstieg in die Jùn Méi-Serie macht. Auf dem chinesischen Binnenmarkt zählt Yín Jùn Méi zu den gefragtesten Roten Tees im mittleren und oberen Preissegment.
3. Botanische Beschreibung und Rohstoff:
- Sorte / Kultivar: Lokale Wild- oder Halbwildpopulation kleingliedriger Teesträucher – Qízhǒng (奇种, Qízhǒng) / Càichá (菜茶, Càichá), Camellia sinensis var. sinensis. Heterogene Samenpopulation, die seit Jahrhunderten in den Hochlagen des Wǔyíshān-Schutzgebiets wächst. Kleinblättrige Formen zeichnen sich durch einen erhöhten Gehalt an Aminosäuren und einen verringerten an Polyphenolen und Koffein (im Vergleich zu var. assamica) aus, was die unverwechselbare Süße und das Fehlen grober Bitterkeit bewirkt.
- Ernte: Beginnt gewöhnlich nach Qīngmíng (清明, ~5. April) und dauert bis Gǔyǔ (谷雨, ~20. April) und etwas länger – die Ernte von Yín Jùn Méi setzt meist einige Tage später als die von Jīn Jùn Méi ein, da das Öffnen des ersten Blattes abgewartet werden muss. Ausschließlich von Hand gepflückt, bei trockenem Wetter.
- Pflückstandard: Eine Knospe mit einem zarten, kaum geöffneten oberen Blättchen (一芽一叶, yī yá yī yè). Dies ist der wesentliche Unterschied zu Jīn Jùn Méi (nur Knospen) und Tóng Jùn Méi (eine Knospe mit zwei Blättern). Für 500 g fertigen Tee benötigt man etwa 50 000 Knospen mit Blättern.
- Rohstoffanforderungen: Knospen und Blättchen müssen ganz, unbeschädigt und in der Größe einheitlich sein. Das Blättchen – zart, nicht grob, ohne dunkle Verfärbungen. Minimale Verzögerung zwischen Pflückung und Verarbeitungsbeginn.
4. Terroir und Anbaubesonderheiten:
- Schutzgebiet Wǔyíshān: Nationales Naturschutzgebiet von 565 km², UNESCO-Weltnaturerbe (1999). Berge aus rotem Sandstein und vulkanischem Gestein; steile Schluchten, Wasserfälle, subtropische Wälder mit außergewöhnlicher Biodiversität.
- Dorf Tóngmù: Tief im Schutzgebiet gelegen. Teebäume wachsen unter dem Blätterdach des Waldes, halbwild und wild, an steilen Berghängen.
- Anbauhöhe: 1000–1800 m über dem Meeresspiegel. Optimale Zone 1200–1500 m. Waldbedeckung 96,3 %.
- Klima: Subtropisches Gebirgsmonsunklima. Jahresdurchschnittstemperatur ~11–18 °C. Niederschlag 2000–2300 mm/Jahr. Luftfeuchtigkeit ~80 %. Nebel an über 120 Tagen im Jahr. Der ausgeprägte Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht fördert die Anreicherung von Aminosäuren und Aromastoffen im Blatt.
- Böden: Gebirgsrote und gebirgsgelbe Böden, schwach sauer (pH 4,5–5,0), reich an organischer Substanz, mit hohem Eisen- und Mangangehalt. Bodentiefe 30–90 cm. Gut drainiert.
5. Produktionstechnologie:
Die Technologie von Yín Jùn Méi ist nahezu identisch mit jener von Jīn Jùn Méi und baut auf der Tradition des Zhèng Shān Xiǎo Zhǒng auf, mit der entscheidenden Neuerung – keinem Räuchern über Kiefernholz. Der gesamte Prozess ist Handarbeit. Die Besonderheit liegt im „voluminöseren“ Rohstoff (Knospe + Blatt), was das Roll- und Fermentationsregime leicht verändert.
- Pflückung (采摘 — cǎizhāi): Handpflückung einer Knospe mit einem zarten Blatt. Arbeit an steilen Berghängen, die Teebäume sind schwer zugänglich.
- Welken (萎凋 — wěidiāo): Das gepflückte Gut wird in dünner Schicht auf Bambustabletts in einem belüfteten Raum ausgebreitet. Temperatur und Feuchte werden reguliert (温湿调控). Der Meister wechselt zwischen natürlichem und warmem Welken, wobei ein Feuchtigkeitsverlust von ~60–65 % angestrebt wird. Dauer 8–14 Stunden. Während der Welkphase ist eine minimale Einwirkung von leichtem Rauch zulässig – im Gegensatz zum traditionellen Zhèng Shān Xiǎo Zhǒng, bei dem die Räucherung intensiv ist, fällt sie bei Jùn Méi gering oder ganz weg.
- Rollen (揉捻 — róuniǎn): Von Hand, behutsam. Das Vorhandensein des Blattes ergibt etwas mehr Zellsaft, was die anschließende Fermentation im Vergleich zum reinen Knospentee Jīn Jùn Méi erleichtert. Die Rollung ist nicht grob und erhält die Unversehrtheit von Knospe und Blatt. Der fertige Tee wird nicht gesiebt (不过筛, bù guò shāi), um die Form zu bewahren.
- Fermentation / Oxidation (发酵 — fājiào): Bei kontrollierter Temperatur (~20–25 °C im Raum, ~30 °C in der Blattmasse) und Luftfeuchtigkeit (~90–95 %). Dies ist der entscheidende Schritt für die Ausbildung des honig-fruchtigen Aromas. Der Meister beurteilt den Garpunkt anhand der Farbe (Übergang zu Kupferrot) und des Aromas (Auftreten der charakteristischen „Honigsüße“). Unzureichende Fermentation erzeugt Bitterkeit, übermäßige nimmt dem Tee die unverwechselbare „Honig“-Note und nähert das Profil einem gewöhnlichen Zhèng Shān Xiǎo Zhǒng an.
- Trocknung / Kohlefeuerung (炭焙 — tànbèi): Traditionelle Trocknung in Bambuskörben über Akazienholzkohle (槐炭). Zweistufiger Prozess: Máohuǒ (毛火) bei ~110 °C und Zúhuǒ (足火) bei ~130 °C. Die genaue Kontrolle von Zeit und Temperatur ist für die Honignote entscheidend. Restfeuchte 3–4 %.
- Sortierung (分级 — fēnjí): Manuelle Endauslese – Entfernen von Bruchstücken und Fremdkörpern.
6. Organoleptische Eigenschaften:
- Erscheinungsbild des trockenen Blattes: Dünne, dichte, leicht gebogene Triebe – Knospe mit einem zarten Blättchen. Echtheitsmerkmale: silbrig-graue oder silbrig-schwarze Färbung (银灰色) – Spitzenqualität; goldrot schimmernd – zulässig, aber niedrigerer Grad. Härchen an der Knospe silbrig (daher der Name). Blättchen dunkler als die Knospe. Ganze Triebe ohne Bruchstücke, einheitlich. Feste Rollung, „augenbrauenförmig“.
- Aroma des trockenen Blattes: Sauber, süß, mit Honig-, Blumen- (Rose, Orchidee) und Fruchtnoten (Longan, Litschi). Leichte Malz- und Karamellanklänge. Komplexer und „voluminöser“ als Jīn Jùn Méi dank des Beitrags des Blattes.
- Aroma des Aufgusses: Vielschichtig: blumig-fruchtiger Hintergrund (Blüten, Longan, Trockenfrüchte), Honigsüße, feine Süßkartoffelnoten (薯香, shǔ xiāng) – die charakteristische „Hochgebirgshandschrift“ (高山韵, gāoshān yùn). Beständiges Aroma, hält 8 und mehr Aufgüsse.
- Geschmack: Weich, glatt, mit einer etwas ausgeprägteren Struktur und mehr „Körper“ als Jīn Jùn Méi. Die Süße dominiert, doch eine leichte, angenehme Adstringenz verleiht Tiefe. Honig-, Frucht- (Longan, Litschi, Pfirsich), Malznoten. Ausgeprägte „süße Rückkehr“ (回甘, huígān). Anhaltender, sauberer Nachgeschmack mit einem honig-fruchtigen Unterton und einem kühlenden Gefühl im Hals (喉韵, hóuyùn). Gute Aufgussbeständigkeit.
- Farbe des Aufgusses: Goldbernsteinfarben, klar, transparent. Die besten Partien – orangegolden. Höchstmaßstab: orangegelb (橙黄), transparent; rötlicher, trüber oder dunkler Aufguss deutet auf mindere Qualität hin.
- Teeblattgrund (aufgegossen): Ganze, elastische Knospen mit einem entfalteten Blättchen. Farbe:altkupfer (古铜色, gǔtóng sè) bei Spitzenqualität; rotbraun beim zweiten Grad. Blätter glänzend, „lebendig“.
7. Chemische Zusammensetzung:
Das chemische Profil von Yín Jùn Méi ähnelt dem von Jīn Jùn Méi, mit Anpassung durch das Vorhandensein des Blattes: etwas höherer Gehalt an Polyphenolen und Koffein, etwas niedrigere spezifische Konzentration an Aminosäuren (bezogen auf das Trockengewicht).
- Polyphenole (茶多酚): 10–20 % des Trockengewichts. Bei vollständiger Fermentation werden Catechine in Theaflavine (茶黄素, 0,4–2 %) und Thearubigine (茶红素, 5–11 %) umgewandelt, die die Farbe des Aufgusses und die „samtige“ Textur des Geschmacks prägen.
- Aminosäuren (氨基酸): 1,5–3,5 % des Trockengewichts. L-Theanin ist die Hauptkomponente, verantwortlich für Süße, Milde und entspannende Wirkung. Der Gehalt ist etwas niedriger als im reinen Knospentee Jīn Jùn Méi, was sich in einer geringfügig stärkeren Adstringenz zeigt.
- Alkaloide: Koffein – 3–5 % des Trockengewichts. Gehalt in der Tasse ~20–60 mg. Ferner Theobromin und Theophyllin.
- Vitamine: C, B₁, B₂, B₃, E, K.
- Mineralstoffe: ~30 Elemente. Hauptsächlich: Kalium, Phosphor, Calcium, Magnesium, Eisen, Mangan, Fluor. Spurenelemente: Zink, Kupfer, Selen.
- Ätherische Öle und flüchtige Verbindungen (芳香油): ~0,02 %. Linalool, Geraniol, Phenylacetaldehyd und andere Komponenten, die das floral-honig-fruchtige Profil formen.
- Sonstiges: Lösliche Zucker – 2–4 %, Pektin – 1–2 %, organische Säuren – ~1 %.
8. Wohltuende Eigenschaften:
- Sanfte Tonisierung und kognitive Unterstützung: Die Synergie von Koffein und L-Theanin sorgt für einen gleichmäßigen Energieschub ohne Unruhe – den Effekt der „ruhigen Wachheit“.
- Antioxidative Wirkung: Theaflavine und Thearubigine neutralisieren aktiv freie Radikale. Nach manchen Angaben ist das antioxidative Potential Roten Tees mit dem von grünem Tee vergleichbar, wenngleich das Antioxidantienspektrum verschieden ist.
- Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems: Polyphenolverbindungen fördern die Elastizität der Blutgefäße und können den LDL-Cholesterinspiegel beeinflussen. Theaflavine erweitern die Kapillaren.
- Bekömmliche Verdauung: Voll fermentierter Roter Tee wirkt mild auf die Magenschleimhaut, eignet sich besonders nach dem Essen.
- Antibakterielle Wirkung: Teepolyphenole und Gerbstoffe hemmen das Wachstum pathogener Bakterien und unterstützen die Mundgesundheit.
- Wärmende Wirkung: „Warme“ Natur nach den Regeln der TCM, ideal für die kalte Jahreszeit und Menschen mit „kalter“ Konstitution.
- Anti-Stress-Effekt: L-Theanin stimuliert die Erzeugung von α-Gehirnwellen und fördert so eine entspannte Konzentration.
9. Zubereitung:
- Wassertemperatur: 90–95 °C. Auch voll kochendes Wasser kann verwendet werden, um das volle Aromaspektrum zu entfalten; für ausgesuchte Partien 85–90 °C.
- Teemenge: 4–5 g auf 100–120 ml (Gong-Fu-Methode); 2–3 g auf 200–250 ml (europäische Methode).
- Gefäß: Porzellan-Gaiwan (盖碗) 100–120 ml – ideal: absorbiert kein Aroma, ermöglicht präzise Kontrolle des Aufgusses. Glasgefäße gestatten die Beobachtung des Öffnens der Knospen. Eine Yixing-Kanne (宜兴紫砂壶) ist ebenfalls passend. Unbedingt einen Cha Hai (公道杯) verwenden.
- Ablauf:
- Gefäße vorwärmen: Gaiwan, Cha Hai und Tassen mit kochendem Wasser ausspülen.
- Tee einfüllen: 4–5 g in den vorgewärmten Gaiwan geben. Das Aroma des trockenen Blattes wahrnehmen.
- Spülung (润茶 — rùn chá): Kurzer Aufguss von 1–2 Sekunden – nach Belieben; viele Meister empfehlen, nicht zu spülen, um den ersten Aufguss zu bewahren.
- Erster Aufguss: 8–10 Sekunden. Wasser behutsam an der Innenwand des Gaiwan entlang eingießen.
- Ausgießen: Den Aufguss vollständig in den Cha Hai abgießen, dann in die Tassen.
- Wiederholte Aufgüsse: 6–10 Aufgüsse. Die Ziehzeit mit jedem folgenden um 3–5 Sekunden verlängern. Bei den mittleren Aufgüssen (3–6) entfaltet sich der Tee am vollkommensten. Bei den letzten kann die Zeit auf 30–60 Sekunden erhöht werden.
10. Lagerung:
- Behältnis: Luftdicht, blickdicht – Weißblechdose, folierter Zip-Beutel, Keramikgefäß.
- Bedingungen: Trocken, kühl, dunkel, fern von Fremdgerüchen. Temperatur 10–25 °C, Luftfeuchtigkeit nicht über 60 %.
- Haltbarkeit: Optimal 12–18 Monate. Hochwertige Partien bewahren ihre Eigenschaften bis zu 2 Jahre, doch frischer Tee ist zu bevorzugen.
- Hinweis: Kühlschranklagerung ist nicht notwendig und ohne zuverlässig luftdichte Verpackung nicht zu empfehlen. Roter Tee lagert gut bei Raumtemperatur.
11. Preis und Fälschungen:
Yín Jùn Méi zählt zu den edlen Roten Tees, wenngleich deutlich günstiger als Jīn Jùn Méi. Der Preis für echten Tóngmù Yín Jùn Méi liegt üblicherweise zwischen 1 000 und 3 000 CNY pro 500 g (abhängig von Hersteller und Jahr). Preisfaktoren:
- Arbeitsintensität: ~50 000 Triebe auf 500 g trockenen Tee, Handpflückung.
- Begrenztes Herkunftsgebiet: Echter Rohstoff ausschließlich aus dem Schutzgebiet Tóngmù.
- Manuelle Produktion: Alle entscheidenden Schritte – von Hand.
- Kurze Saison: 2–3 Wochen im Jahr.
Wie man Fälschungen vermeidet:
- Bei vertrauenswürdigen Händlern kaufen: Fachgeschäfte mit nachgewiesener Herkunft; idealerweise direkt beim Hersteller (正山堂, 骏德茶厂).
- Das Erscheinungsbild beurteilen: Knospen mit silbrigem Flaum, ein zartes Blättchen. Silbrig-graue Färbung – Spitzenqualität. Blättchen – nicht grob, ohne Stiele.
- Das Aroma prüfen: Sauberer Honigduft, blumig-fruchtig, ohne chemische Schärfe, Muffigkeit oder ausgeprägten Rauch.
- Den Aufguss bewerten: Goldbernsteinfarben, transparent. Trüber oder dunkelroter Aufguss deutet auf Ersatz oder mangelnde Qualität hin.
- Sich vor ungewöhnlich niedrigen Preisen hüten: Yín Jùn Méi für 100–200 CNY/500 g wird mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Rohstoff anderer Regionen hergestellt.
12. Interessante Fakten:
- Geboren zusammen mit dem „goldenen Bruder“: Yín Jùn Méi entstand faktisch gleichzeitig mit Jīn Jùn Méi: Nach der ersten erfolgreichen Partie aus reinen Knospen (Juni 2005) probierten die Meister sofort den Standard „eine Knospe – ein Blatt“, und das Gradsystem „Gold – Silber – Bronze“ bildete sich bereits in den ersten Tagen der Experimente heraus.
- 50 000 Triebe pro Jin: Für 500 g Yín Jùn Méi werden etwa 50 000 Triebe „Knospe + Blatt“ benötigt – etwas weniger als für Jīn Jùn Méi (60 000–80 000 Knospen), aber dennoch ein enormer Handarbeitsaufwand.
- Der „bronzene Bruder“ wurde zu Chìgān: Der dritte Grad der Serie – Tóng Jùn Méi (铜骏眉, „Bronzene Augenbrauen“) –bürgerte sich auf dem Markt unter der Bezeichnung Chìgān (赤甘, „Rote Süße“) ein und gliedert sich in Xiǎo Chìgān (Blätter geschlossen) und Dà Chìgān (Blätter geöffnet).
- Keine Räucherung – kein Rauch: Der wichtigste technologische Unterschied der gesamten Jùn Méi-Serie gegenüber dem traditionellen Lapsang Souchong liegt im Wegfall der Räucherung über Kiefernholz. Lediglich eine geringfügige „Rauchberührung“ während der Welkphase ist zulässig.
- „Silber“ als Tor: Viele Teemeister empfehlen, die Jùn Méi-Serie mit Yín Jùn Méi zu beginnen: Er bringt den Charakter des Tóngmù-Terroirs lebendiger zum Ausdruck, verzeiht Fehler beim Aufgießen leichter und bietet einen ausgeprägteren „Körper“.
13. Vergleich mit anderen Roten Tees:
- Jīn Jùn Méi (金骏眉, Jīn Jùn Méi): Der „große Bruder“ – nur aus Knospen. Feiner, süßer, „luftiger“, ohne jede Adstringenz. Aufgussfarbe intensiver (orange-bernstein). Deutlich höherer Preis. Im Gegensatz dazu ist Yín Jùn Méi etwas strukturierter, mit leichter Adstringenz und mehr Körper.
- Tóng Jùn Méi / Chìgān (铜骏眉 / 赤甘): Der „kleine Bruder“ – eine Knospe mit zwei Blättern. Dichter, mit spürbarer Adstringenz, dunklere Aufgussfarbe. Aroma mit ausgeprägten Karamell-Frucht-Noten. Der günstigste der Serie.
- Zhèng Shān Xiǎo Zhǒng (正山小种, Zhèng Shān Xiǎo Zhǒng): Der „Vorfahr“ der gesamten Serie. Wird aus reiferem Blatt hergestellt und traditionell über Kiefernholz geräuchert. Geschmack dichter, mit charakteristischer „Rauch“-Note (in geräucherten Versionen) oder karamell-malzig (in ungeräucherten). Yín Jùn Méi ist wesentlich feiner und im Profil „sauberer“.
- Diān Hóng Jīn Yá (滇红金芽, Diānhóng Jīn Yá): Yunnan-Roter Tee aus Knospen des großblättrigen Kultivars (var. assamica). Dichter, vollmundiger, mit schokoladig-würzigem Profil. Yín Jùn Méi ist feiner, leichter, mit dem Akzent auf floral-honigartiger Eleganz.
Zum Abschluss:
Yín Jùn Méi ist ein Tee, der es versteht, großzügig zu sein, ohne an Adel einzubüßen. Ein einziges zartes Blättchen, der Knospe hinzugefügt, schenkt dem Tee etwas mehr Körper, mehr Struktur, mehr Tiefe – und bewahrt dabei die ganze unverwechselbare Honig-Blüten-Eleganz der geschützten Berge von Tóngmù. Für alle, die das Gleichgewicht von Feinheit und Fülle schätzen, ist Yín Jùn Méi vielleicht die treffendste Antwort. Es ist ein Tee für das achtsame alltägliche Trinken: komplex genug, um jedes Mal neue Nuancen zu entdecken, und nachsichtig genug, um selbst bei unvollkommener Zubereitung nicht zu enttäuschen. „Silberne Augenbrauen“ sind kein Schatten der „goldenen“, sondern ein eigenständiger Tee mit eigenem Charakter und Charme.