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Tunlü
Túnlǜ · 屯绿
Tunlü (屯绿, túnlǜ) ist die Kurzbezeichnung für Tunxi Lücha (屯溪绿茶, Túnxī Lǜchá), einen der volumenstärksten und historisch bedeutendsten chinesischen Export-Grüntees. Er ist keine einzelne Sorte im engeren Sinne, sondern eine Regionalmarke, die die Erzeugnisse mehrerer Kreise im Süden der Provinz Anhui bündelt und seit…
Tunlü (屯绿, túnlǜ) ist die Kurzbezeichnung für Tunxi Lücha (屯溪绿茶, Túnxī Lǜchá), einen der volumenstärksten und historisch bedeutendsten chinesischen Export-Grüntees. Er ist keine einzelne Sorte im engeren Sinne, sondern eine Regionalmarke, die die Erzeugnisse mehrerer Kreise im Süden der Provinz Anhui bündelt und seit anderthalb Jahrhunderten im Handelszentrum Tunxi gesammelt, veredelt und verschifft wird. Auf dem internationalen Teemarkt ist Tunlü unter dem englischen Namen Twaikay Tea bekannt und trägt den Beinamen „grünes Gold“ (绿色金子, lǜsè jīnzi).
1. Klassifizierung und Herkunft:
- Typ: Grüntee (绿茶, lǜchá) – nicht fermentiert. Nach dem Verfahren der Primärverarbeitung gehört er zur Kategorie Chaoqing (炒青, chǎoqīng) – Tee mit Röst-Fixierung, Unterkategorie Chang-Chaoqing (长炒青, cháng chǎoqīng), das heißt „langer gerösteter Grüntee“, der die charakteristische gestreckte, gerollte Blattform hervorbringt. Das veredelte Endprodukt wird als Meicha (眉茶, méichá) – „Augenbrauentee“ – klassifiziert, benannt nach den feinen, geschwungenen Blättern, die an weibliche Augenbrauen erinnern.
- Kategorie: Traditionelle chinesische Export-Grüntees; Regionalmarke mit über 150‑jähriger Geschichte. Produkt mit geschützter geografischer Angabe (地理标志产品, dìlǐ biāozhì chǎnpǐn).
- Herkunft: China (中国, Zhōngguó), Provinz Anhui (安徽省, Ānhuī shěng), südliches Bergland – das Gebiet der bezirksfreien Stadt Huangshan (黄山市, Huángshān shì), das frühere Huizhou (徽州, Huīzhōu). Hauptanbaukreise: Xiuning (休宁县, Xiūníng xiàn), Shexian (歙县, Shèxiàn), Qimen (祁门县, Qímén xiàn), Yixian (黟县, Yīxiàn), Jixi (绩溪县, Jìxī xiàn). Angrenzende Produktionsgebiete: Kreise in den Provinzen Zhejiang (浙江) und Jiangxi (江西) – Chun’an (淳安), Jiande (建德), Kaihua (开化), Wuyuan (婺源).
- Geografische Koordinaten: ≈ 29°43′ N, 118°19′ O (Stadtbezirk Tunxi, Handelszentrum der Region).
2. Geschichte und kulturelle Bedeutung:
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Geschichte: Die Ursprünge des Tunlü reichen zum berühmten Songluo Cha (松萝茶, Sōngluó chá) zurück, einem Grüntee aus dem Kreis Xiuning, dessen Verarbeitungstechnik sich bereits in der Ming-Zeit herausbildete. Der eigentliche Handelsname „Tunlü“ entstand während der Jiaqing‑Daoguang-Periode der Qing-Dynastie (清嘉庆—道光年间, ca. 1796–1850), als die Veredelungstechnik des Songluo Cha perfektioniert und zu einem System standardisierter Exportsorten entwickelt wurde. Schon unter Kaiser Wanli (万历, 1573–1620) der Ming-Dynastie gelangte der lokale Tee erstmals auf den Weltmarkt. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts stieg Tunxi zum bedeutendsten Teehandelsplatz der Region auf. Der „Qing shi gao“ (《清史稿》, „Rohentwurf der Qing-Geschichte“) bezeichnet Tunxi als „Hauptstadt des Teehandels“ (茶务都会, chá wù dūhuì). In der Blütezeit (Tongzhi-Periode, 同治, 1862–1874) betrug die jährliche Ausfuhr von Tunlü über 10 000 Yin (引, yǐn; 1 Yin ≈ 50 kg), also mehr als 500 Tonnen. Der Generalgouverneur von Liangjiang (两江总督) richtete in Tunxi die Teesteuerkammer Süd-Anhui (皖南茶厘局) ein, deren jährliche Einnahmen bis zu 400 000 Yuan erreichten. Ein damaliges Sprichwort lautete: „Noch ehe du Tunxi erblickst, riechst du den Tee auf zehn Li Entfernung; betrittst du ein Teekontor, vergisst du dein Heimatdorf.“ (未见屯溪面,十里闻茶香;踏进茶号门,神怡忘故乡). Im Jahr 1896 verfeinerte Yu Botao, der Besitzer des Teekontors Fuhechang (福和昌), das Raffinationsverfahren und sonderte aus der Meicha-Masse die Edelsorte „Chou Zhen“ (抽珍, chōuzhēn – „entnommene Kostbarkeit“) ab, die umgehend den europäischen Markt eroberte. 1913 wurde Tunlü bereits nach Europa und Amerika exportiert. Auf der Panama-Pacific-Ausstellung 1915 erhielt der Tee eine Goldmedaille. 1920 gab es in Tunxi über einhundert Teekontore. Nach 1949 wurde die Produktion reorganisiert; Tunlü wird seither in über 80 Länder auf fünf Kontinenten geliefert. 1981 und 1985 wurden Erzeugnisse der Tunxi-Teefabrik (特珍一级, 珍眉一级) mit der staatlichen Silbermedaille für Qualität ausgezeichnet. 1988 errang Tunlü der Klasse „Te Zhen Teji“ (特珍特级) auf der 27. Internationalen Qualitätslebensmittel-Messe in Athen erneut eine Silberauszeichnung.
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Name: Tunlü (屯绿) ist die Abkürzung von Tunxi Lücha (屯溪绿茶). Das Schriftzeichen 屯 (tún) bezeichnet den Ort Tunxi; 绿 (lǜ) – „grün“ – verweist auf den Teetyp. Der Name ist also ein Toponym: „Grüntee aus Tunxi“. Ein alternativer Name ist Meicha (眉茶, méichá, „Augenbrauentee“), nach der Form des fertigen Blattes.
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Kulturelle Bedeutung: Tunlü ist ein Sinnbild der Kaufmannskultur von Huizhou (徽州). Die Huizhou-Kaufleute (徽商, huīshāng), die zu den „Fünf großen Kaufmannsgilden“ Chinas zählten, machten den Teehandel zu einer ihrer wichtigsten Reichtumsquellen. Ein literarisches Zeugnis der Blütezeit sind die „Bambuslieder vom Teemarkt in Tunxi“ (《屯溪茶市竹枝词》), die das geschäftige Treiben des späten Qing-zeitlichen Tunxi lebendig schildern. Tunlü spielte eine Schlüsselrolle bei der Entstehung einer weltweiten Grüntee-Kultur: Gerade Meicha aus Tunxi gehörten zu den ersten chinesischen Grüntees, die massenhaft die Märkte Nordafrikas, des Nahen Ostens und Westeuropas erreichten.
3. Botanische Beschreibung und Rohmaterial:
- Art: Camellia sinensis var. sinensis.
- Sorte / Kultivar: Die traditionelle Rohstoffbasis sind lokale Populationssorten (群体种, qúntǐzhǒng), die sich in jahrhundertelanger natürlicher Selektion unter den Bedingungen Süd-Anhuis herausgebildet haben. Es handelt sich um genetisch vielfältige, kleinblättrige Sträucher, die an das Bergklima angepasst sind. In der modernen Produktion werden ebenso regional zugelassene Kultivare, darunter lokale Züchtungen, verwendet.
- Ernte: Die Hauptsaison ist das Frühjahr (März–April); für Spitzensorten (特珍, tè zhēn) dient frühes Frühjahrslaub als Rohstoff. Sommer- und Herbsternten werden für Massensorten genutzt.
- Pflückstandard: Eine Knospe und ein bis zwei Blätter (一芽一叶至一芽二叶, yī yá yī yè zhì yī yá èr yè) für gehobene Grade; eine Knospe und zwei bis drei Blätter für Massenware. Ausgewählt werden Triebe mit gut entwickelten, fleischigen Knospen und weißem Flaum.
4. Terroir und Anbaubesonderheiten:
- Relief und Höhenlage: Die Teeplantagen liegen überwiegend an den Hängen des südlichen Anhui, am Fuß des Huangshan-Gebirgszugs und entlang der Ufer des Xin’anjiang (新安江, Xīn’ānjiāng). Die Anbauhöhe beträgt 200 bis 800 m ü. d. M.; die besten Partien stammen aus 400–700 m Höhe.
- Klima: Subtropisches Monsunklima mit reichlichen Niederschlägen (1400–1800 mm pro Jahr) und häufigen Nebeln, besonders im Frühjahr. Jahresdurchschnittstemperatur 15–16 °C. Der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht in den Bergen begünstigt die Anreicherung von Aminosäuren und Aromastoffen.
- Böden: Vorherrschend sind saure und schwach saure gelbe Bergböden sowie rotgelbe Böden (pH 4,5–5,5) mit hohem Organikanteil und guter Dränage – optimale Voraussetzungen für Teesträucher.
- Ökologie: Ein beträchtlicher Teil der Pflanzungen liegt in Mischwaldgebieten. Die Waldbedeckung der Region übersteigt 82 %, was Reinheit von Luft und Wasser gewährleistet. Viele Betriebe arbeiten nach Grundsätzen der ökologischen Landwirtschaft.
5. Herstellungsverfahren:
Tunlü durchläuft zwei aufeinanderfolgende Verarbeitungsstufen: die Primärverarbeitung (初制, chūzhì) – Erzeugung des Mao-Cha (毛茶, máochá, Rohtee) – und die sekundäre, die Raffination (精制, jīngzhì) – Weiterverarbeitung des Mao-Cha zum Fertigprodukt. Gerade die anspruchsvolle Raffinationsstufe unterscheidet Tunlü von den meisten Grüntees und bestimmt seinen kommerziellen Wert.
Primärverarbeitung (初制):
- Ausbreiten und Anwelken (摊晾, tānliàng): Die frisch gepflückten Blätter werden 1–2 Stunden dünn ausgelegt, um Oberflächenfeuchtigkeit verdunsten zu lassen und sie leicht zu erweichen.
- Fixierung (杀青, shāqīng): Der entscheidende Schritt – Abbruch der oxidativen Enzyme im hocherhitzten Wok bei 180–220 °C. Er begründet das Aromafundament und fixiert die grüne Farbe.
- Rollen (揉捻, róuniǎn): Mechanisches Aufbrechen der Zellstruktur, Austritt von Zellsaft und Formung des charakteristischen länglichen, leicht geschwungenen „Lang-Chaoqing“-Blattes.
- Trocknung (干燥, gānzào): Herstellung stabiler Restfeuchte (etwa 5–6 %) im Wok oder Trockenschrank. Das so gewonnene Produkt – der „lange Chaoqing“ (长炒青) – ist ein Halberzeugnis.
Raffination (精制):
- Siebung (筛分, shāifēn): Aufteilung des Mao-Cha nach Größe in Fraktionen mittels verschiedener Siebkaliber.
- Schneiden (切轧, qiēzhá): Kürzen langer Blätter zur Erzielung einer einheitlichen Form.
- Winden (风选, fēngxuǎn): Trennung nach Gewicht und Dichte im Luftstrom; Entfernung von Staub sowie hohlen und leichten Fraktionen.
- Handverlesen (拣剔, jiǎntī): Auslesen von Stielen, gelben Blättern und Fremdbestandteilen.
- Farbpolitur (车色, chēsè): Leichte Behandlung in einer Trommel, um die Farbe zu egalisieren und öligen Glanz zu verleihen.
- Kupieren (匀堆, yúnduī): Mischen von Partien zur Sicherstellung gleichbleibender Endproduktqualität.
Das Ergebnis der Raffination ist ein Satz standardisierter Handelssorten – der Farben (花色, huāsè) des Meicha.
6. Organoleptische Eigenschaften:
Tunlü ist berühmt für die sogenannten „Vier Vollkommenheiten“ (四绝, sì jué): „Blatt grün, Aufguss klar, Aroma edel, Geschmack vollmundig“ (叶绿、汤清、香醇、味厚).
- Erscheinungsbild des trockenen Blattes: Feine, fest gerollte Streifen, leicht geschwungen wie Augenbrauen (daher der Name „Meicha“). Farbe – dunkelgrün mit silbrig-grauem Hauch (起霜, qǐshuāng – „bereift“), ölig glänzend. Bei Spitzensorten sind die Knospenspitzen gut sichtbar.
- Trockenblatt-Aroma: Ausgeprägt, sauber, mit deutlichen Kastaniennoten (栗香, lìxiāng) – der markentypische Duftschlüssel des Tunlü. Es können leichte blumige und süßliche Nuancen auftreten.
- Aufguss-Aroma: Hoch, rein, anhaltend. Das Profil wird von Kastanie und Nuss dominiert, ergänzt um weiche, kräuterig-blumige Töne. Der Duft bleibt über mehrere Aufgüsse erhalten.
- Geschmack: Satt, vollmundig, mit guter Dichte (醇厚, chúnhòu). Süßlich, frisch, bei korrekter Zubereitung ohne ausgeprägte Bitterkeit oder Adstringenz. Langanhaltender, reiner Abgang mit zurückkehrender Süße (回甘, huígān) und erfrischendem Finale.
- Tassenfarbe: Grün oder gelbgrün, klar, transparent, mit lebhaftem Glanz.
- Teeblatt (nasser Satz): Die Blätter öffnen sich gleichmäßig, sind weich, elastisch, von grünlich-gelber Farbe und gut erhaltener Struktur.
7. Chemische Zusammensetzung:
- Polyphenole (Catechine): Der Gehalt an Teepolyphenolen liegt bei etwa 18–24 % der Trockenmasse. Die wichtigsten Catechine – EGCG, EGC, ECG – sorgen für die antioxidative Aktivität und prägen entscheidend das Geschmacksprofil.
- Aminosäuren: Gesamtgehalt 2,5–4 % der Trockenmasse, mit einem Übergewicht an L‑Theanin (L-茶氨酸). Der verhältnismäßig hohe Aminosäurespiegel erklärt sich aus dem Gebirgsterroir und der häufigen Nebelbedeckung, die die Photosyntheseleistung mindert. Gerade die Aminosäuren verleihen dem Tee die charakteristische Süße und Fülle.
- Coffein (咖啡碱, kāfēijiǎn): Etwa 2,5–3,5 % der Trockenmasse (rund 30–45 mg pro 150‑ml-Tasse bei Standardaufguss). Zusammen mit Theanin bewirkt es eine milde, anhaltende Anregung.
- Vitamine: Vitamin C (30–60 mg/100 g trockener Tee), Vitamine der B‑Gruppe (B1, B2, B6), Vitamin E, Vitamin K.
- Mineralstoffe: Kalium, Magnesium, Mangan, Zink, Fluor, Phosphor. Einzelne Anbaugebiete (Ziyang, angrenzende Regionen) zeichnen sich durch erhöhte Selenvorkommen im Boden aus, was sich in der Zusammensetzung des Tees niederschlägt.
- Ätherische Öle und Aromastoffe: Das Kastanienaroma wird vor allem von Pyrazinen und Maillard-Reaktionsprodukten getragen, die sich während der Röst-Fixierung (shaqing) bilden. Im Aromakomplex treten außerdem Linalool, Geraniol, cis‑Jasmon und andere Terpenoide auf.
8. Wohltuende Eigenschaften:
- Anregende Wirkung: Das Zusammenwirken von Coffein und L‑Theanin erzeugt Wachheit ohne abrupte Hoch-Phasen – eine sanfte Steigerung von Konzentration und geistiger Aktivität, wie sie für hochwertige Grüntees typisch ist.
- Antioxidative Abwehr: Der hohe Gehalt an Catechinen (besonders EGCG) trägt zur Neutralisierung freier Radikale und zur Verlangsamung von oxidativem Stress in Zellen bei.
- Unterstützung der Verdauung: Ein maßvoller Tanningehalt regt die Produktion von Verdauungsenzymen an; der Tee gilt traditionell als gute Mahlzeitenbegleitung.
- Herz-Kreislauf-System: Die Polyphenole des Grüntees werden mit einer Normalisierung des Cholesterinspiegels und dem Erhalt der Gefäßelastizität in Verbindung gebracht.
- Immunstärkung: Vitamin C und Catechine unterstützen die körpereigenen Abwehrmechanismen.
- Mundgesundheit: Fluor und Catechine wirken antibakteriell und begünstigen die Kariesvorbeugung.
- Kognitive Funktionen: L‑Theanin verbessert die Aufmerksamkeitsqualität und mindert Unruhe, ergänzend zur anregenden Wirkung des Coffeins.
9. Zubereitung:
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Wassertemperatur: 80–85 °C für Spitzensorten (特珍, 珍眉 hoher Grade); 85–90 °C für gehaltvollere Massensorten (贡熙, 秀眉).
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Teemenge: 3 g auf 150 ml Wasser (europäische Methode); 5–6 g auf 100–120 ml (Aufgussverfahren im Gaiwan).
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Geschirr: Gaiwan aus Porzellan oder Glas (盖碗, gàiwǎn), Glasbecher, Porzellankanne. Glasgefäße erlauben das Betrachten der Blattentfaltung und der Aufgussfarbe.
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Ablauf:
- Das Gefäß mit heißem Wasser vorwärmen und ausschütten.
- Trockenen Tee einfüllen und 10–15 Sekunden im angewärmten Gefäß „erwachen“ lassen.
- Mit Wasser der gewünschten Temperatur zu einem Drittel übergießen, kurz schwenken – der erste Aufguss kann als Trinkaufguss genutzt werden (ein Abgießen ist bei Tunlü nicht zwingend).
- Bis zur vollen Menge auffüllen.
- Erster Aufguss: 40–60 Sekunden (Aufgussverfahren: 15–20 Sekunden).
- Weitere Aufgüsse: Die Ziehzeit mit jedem Aufguss um 10–15 Sekunden verlängern. Tunlü hoher Grade verträgt 4–6 Aufgüsse, Massensorten 3–4.
10. Lagerung:
- In luftdichter, lichtundurchlässiger Verpackung (Weißblechdose, vakuumversiegelter Folienbeutel) aufbewahren, fern von Licht, Feuchtigkeit, Wärme und Fremdgerüchen.
- Optimale Temperatur: 0–5 °C (Kühlschrank) für Langzeitlagerung; ein kühler, dunkler Ort (bis 15 °C) ist für Tee akzeptabel, der innerhalb von 1–2 Monaten verbraucht wird.
- Hauptfeinde: Feuchte (über 6 % – dann setzt Abbau ein), Sauerstoff, UV‑Strahlung, Fremdgerüche.
- Empfohlener Verbrauchszeitraum: 12–18 Monate ab Produktion bei sachgemäßer Aufbewahrung. Frischer Tunlü entfaltet sich in den ersten 6 Monaten am besten.
11. Preis und Fälschungen:
- Preiskategorie: Tunlü deckt eine breite Preisspanne ab – von erschwinglichen Massensorten (秀眉, 雨茶), die das Exportvolumen tragen, bis zu Premium-„Te Zhen Teji“ (特珍特级), deren Preis deutlich höher liegt. Hauptpreisfaktoren: Erntezeitpunkt (Frühjahr – teurer), Raffinationsgrad, Jahrgang, konkreter Herkunftskreis.
- Wie man Fälschungen vermeidet:
- Bei verlässlichen Produzenten mit geschützter geografischer Angabe (地理标志) kaufen.
- Das Äußere prüfen: Echter Tunlü höherer Grade weist feine, gleichmäßige, fest gerollte Blätter mit silbrigem „Reif“ auf; lockere, ungleichmäßige, matte Blätter deuten auf minderwertigen Ersatz hin.
- Das Aroma testen: Der charakteristische Kastanienton muss natürlich sein, ohne aufdringliche künstliche Noten. Aromatisierte Fälschungen riechen forciert und verlieren den Duft rasch.
- Den Aufguss bewerten: klar, transparent, grünlich-gelb; ein trüber oder mattbräunlicher Aufguss zeugt von altem oder falsch gelagertem Tee.
- Misstrauisch werden bei verdächtig niedrigem Preis: Wird „Te Zhen“ zum „Xiumei“-Preis angeboten, handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um Umgradierung oder um Rohware aus anderen Regionen.
12. Wissenswerte Fakten:
- Der „Qing shi gao“ – der Rohentwurf der offiziellen Qing-Geschichte – würdigte Tunxi eigens als „Hauptstadt des Teehandels“ (茶务都会). Eine außergewöhnliche Anerkennung für eine kleine Bergstadt.
- Tunlü ist einer der wenigen Grüntees, dessen Handelssortiment einst über 20 Bezeichnungen umfasste: Te Zhen (特珍), Zhenmei (珍眉), Gongxi (贡熙), Xiumei (秀眉), Zhenmei (针眉), Fengmei (凤眉), Yucha (雨茶), Chapian (茶片) – eine ganze Hierarchie von „Augenbrauen“ unterschiedlichen Kalibers.
- Die Huizhou-Teekaufleute waren so mächtig, dass zur Handelskontrolle in Tunxi eine eigene Teesteuerkammer mit einem Beamten im Dantai-Rang (道台) – einem hohen Provinzverwalter – eingerichtet wurde.
- Tunlü diente als Basis für aromatisierte Tees: Aus hochwertigem Meicha wurden Jasmintee (茉莉花茶), Lanhua-Tee (珠兰花茶), Yulanhua-Tee (玉兰花茶), Guihua-Tee (桂花) und weitere Blütentees hergestellt, die sowohl im Inland als auch für den Export bestimmt waren.
- In der Blütezeit des Exports, Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, waren die Hauptabnehmer Nordafrika (Marokko, Algerien, Tunesien – dort wurde grüner Meicha zur Grundlage des berühmten maghrebinischen Minztees), Großbritannien, Russland und die USA. Somit ist jedes Glas marokkanischen Minztees letztlich ein Nachfahre des Tunlü.
13. Vergleich mit anderen Grüntees:
- Zhejiang Lücha (浙绿): Der benachbarte Zhejiang-Grüntee (杭绿, 温绿, 遂绿) zählt ebenfalls zur Meicha-Kategorie. Die Zhejiang-Erzeugnisse sind im Allgemeinen etwas leichter und zarter im Geschmack, mit deutlicheren Blumennuancen, während Tunlü gerade wegen seiner Körperfülle, der kastanienartigen Tiefe und der öligen Dichte geschätzt wird.
- Wuyuan Lücha / Wulü (婺绿, Wùlǜ): Grüntee aus dem angrenzenden Kreis Wuyuan (heute Provinz Jiangxi, historisch Huizhou). Enger Verwandter des Tunlü hinsichtlich Terroir und Technik, jedoch etwas leichter im Geschmack. Historisch floss auch ein Teil des Wuyuan-Rohmaterials nach Tunxi, um dort unter dem Label „Tunlü“ veredelt und exportiert zu werden.
- Songluo Cha (松萝茶, Sōngluó chá): Der direkte Vorläufer des Tunlü. Songluo Cha wird aus zarterem Rohmaterial (eine Knospe – ein Blatt) hergestellt und durchläuft keine aufwändige Raffination. Der Geschmack ist feiner, das Aroma reiner, jedoch ohne die für Tunlü typische Kastanientiefe.
- Zhujiang Meicha (珠江眉茶): Guangdong-Meicha ist südlicher und schwerer im Charakter, mit weniger markantem Aromaprofil. Tunlü gilt als die „nördliche“ und raffinierteste Spielart des Meicha.
14. Handelssorten (花色) des Tunlü:
Das Grading-System des Tunlü ist eines der am stärksten verästelten im Bereich des Grüntees. Nach der Vereinfachung der 1980er‑Jahre stellen sich die Hauptkategorien wie folgt dar:
- Te Zhen (特珍, tèzhēn): „Besonders kostbar“ – Spitzensorte. Feine, gleichmäßige, fest gerollte Blätter mit silbrigem Hauch und gut erkennbaren Knospen. Grade: Spezial (特级), Erster (一级), Zweiter (二级).
- Zhenmei (珍眉, zhēnméi): „Kostbare Augenbraue“ – die maßgebliche Exportsorte. Grade Eins bis Fünf, zuzüglich „außerhalb der Klasse“ (不列级).
- Yucha (雨茶, yǔchá): „Regentee“ – feine Fraktion, die beim Sieben anfällt.
- Gongxi (贡熙, gòngxī): „Harmonie-Darbringung“ – zu Kügelchen gerollte Blätter. Grade: Te Gong (特贡), Erster bis Dritter, zuzüglich außerhalb der Klasse.
- Xiumei (秀眉, xiùméi): „Elegante Augenbraue“ – gröbere, leichte Blätter. Grade: Spezial, Erster bis Dritter.
- Chapian (茶片, chápiàn): Flache Blattbruchstücke – die voluminöseste und preiswerteste Sorte.
Insgesamt 19 Handelspositionen, was Tunlü zu einem der detailliertesten klassifizierten Grüntees Chinas macht.
Zum Abschluss:
Tunlü ist nicht lediglich ein Tee, sondern ein ganzes Handels- und Kulturphänomen, ein Bindeglied zwischen den Bergplantagen im Süden Anhuis und den Teegläsern von Marrakesch, London und New York. In anderthalb Jahrhunderten hat er den Weg vom bäuerlichen Handwerk der Huizhou-Landbevölkerung zu einem der volumenstärksten Exportprodukte Chinas zurückgelegt und den Beinamen „grünes Gold“ erhalten. Noch heute bleibt Tunlü seiner Formel der „Vier Vollkommenheiten“ treu: grünes Blatt, klarer Aufguss, edles Kastanienaroma und vollmundiger, einhüllender Geschmack. Dies ist ein Tee für jene, die Gediegenheit und Tiefe schätzen – ein ruhiges, seiner selbst sicheres Alltagsgetränk, hinter dem anderthalb Jahrhunderte Handwerkskunst stehen.