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Tiantáishān Yúnwùchá
Tiāntáishān yúnwùchá · 天台山云雾茶
Tiantáishān Yúnwùchá zählt zu den ältesten Grüntees Chinas mit einer über 1700 Jahre zurückreichenden Anbaugeschichte. Dieser »Wolken-und-Nebel-Tee« vom Tiantai-Berg in der Provinz Zhejiang nimmt einen außergewöhnlichen Platz in der weltweiten Teekultur ein: Von hier aus gelangten Teesamen und -techniken nach Japan…
Tiantáishān Yúnwùchá zählt zu den ältesten Grüntees Chinas mit einer über 1700 Jahre zurückreichenden Anbaugeschichte. Dieser »Wolken-und-Nebel-Tee« vom Tiantai-Berg in der Provinz Zhejiang nimmt einen außergewöhnlichen Platz in der weltweiten Teekultur ein: Von hier aus gelangten Teesamen und -techniken nach Japan und Korea und später an die Ufer des Westsees, wo der berühmte Long Jing entstand. Der Tiantai trägt zu Recht die Titel »Ursprung des Tees von Jiangnan« (江南茶源) und »Stammvater des Tees in Japan und Korea« (韩日茶祖).
1. Klassifizierung und Herkunft:
- Typ: Grüner Tee (绿茶, lǜchá). Halb geröstet, halb getrocknet (半炒半烘, bàn chǎo bàn hōng) – mit überwiegendem Röstanteil. Nicht fermentiert, minimale Oxidation.
- Kategorie: Historisch berühmter Tee der Provinz Zhejiang (浙江历史名茶). Einer der vier historisch berühmten Tees Zhejiangs. Produkt mit geschützter geografischer Angabe (中国国家地理标志产品, registriert 2010). In die Liste »Chinesische berühmte Tees« (《中国名茶》) unter Nummer sechs aufgenommen.
- Herkunft: China, Provinz Zhejiang (浙江省), bezirksfreie Stadt Taizhou (台州市, Táizhōu shì), Kreis Tiantai (天台县, Tiāntái xiàn). Der Tee wird auf den Berggipfeln des Tiantai-Massivs produziert; am berühmtesten ist der Tee vom Hauptgipfel Huading (华顶, Huádǐng, 1098 m), weshalb er historisch auch Huading Yúnwùchá (华顶云雾茶) oder einfach Huading-Tee (华顶茶) genannt wird.
- Geografische Koordinaten: 28°57′–29°21′ n. Br., 120°41′–121°16′ ö. L. (Gebiet der geschützten Ursprungsbezeichnung, das 15 Gemeinden und Dörfer des Kreises Tiantai umfasst).
2. Geschichte und kulturelle Bedeutung:
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Geschichte: Tiantáishān Yúnwùchá hat eine der am frühesten dokumentierten Geschichten unter allen chinesischen Grüntees.
Der Teeanbau auf dem Tiantai-Berg wird auf das Ende der Östlichen Han-Dynastie (Ende 2. – Anfang 3. Jh. n. Chr.) datiert. Laut der »Vollständigen Beschreibung der Tiantai-Berge« (《天台山全志》) legte der daoistische Meister Ge Xuan (葛玄, Gě Xuán, 164–244) »einen Teegarten auf dem Huading-Berg an« (葛玄植茶之圃已上华顶山). Dieser als »Teegarten des Unsterblichen Ge« (葛仙茗圃, Gě Xiān míng pǔ) bekannte Garten gilt als der älteste urkundlich belegte künstliche Teegarten in Jiangnan – er ist über 1700 Jahre alt.
Während der Zeit der Südlichen und Nördlichen Dynastien (420–589) praktizierte der buddhistische Meister Zhiyi (智顗, Zhìyǐ, 538–597), Gründer der Tiantai-Schule, auf dem Huading-Berg den Verzicht auf Wein und die sitzende Meditation und trank Tee zur Stärkung der Wachheit. Sein Schüler Zhizang (智藏, Zhìzàng) reichte diesen Tee dem Sui-Kaiser Yangdi zur Behandlung einer Krankheit – eines der frühesten Beispiele medizinischer Teeverwendung am Kaiserhof.
In der Tang-Zeit verzeichnete der »Teeheilige« Lu Yu (陆羽, Lù Yǔ) im »Klassiker des Tees« (《茶经》): »Taizhou, Kreis Shifeng – [Tee], der bei Chicheng wächst, ist dem aus Shezhou gleich« (台州始丰县生赤城者,与歙同), und stellte den Tiantai-Tee damit auf eine Stufe mit den berühmten Tees aus Anhui.
Ein Schlüsselmoment der Weltteegeschichte war die Weitergabe der Teekultur vom Tiantai-Gebirge nach Japan und Korea. Im Jahr 804 kam der japanische Mönch Saichō (最澄, Saichō) zum Tiantai-Berg, um Buddhismus zu studieren, und nahm bei seiner Rückkehr Teesamen mit, die er auf dem Berg Hiei (比叡山) aussäte – so entstand der berühmte »Hiyoshi-Teegarten« (日吉茶園). In der Südlichen Song-Zeit besuchte der Mönch Eisai (栄西, Eisai, 1141–1215) zweimal den Tiantai-Berg, brachte beim zweiten Mal Anbau- und Verarbeitungsmethoden mit und verfasste die berühmte Abhandlung »Anmerkungen zum Teetrinken zur Erhaltung der Gesundheit« (《喫茶養生記》, Kissa Yōjōki), in der er ausrief: »Tee ist ein wunderbares Heilmittel, das langes Leben schenkt« (茶是養生之仙薬,延年益寿之妙術). Eisai wird der »japanische Lu Yu« genannt.
In der Nördlichen Song-Zeit wurde Tee vom Tiantai-Berg in das Verzeichnis der kaiserlichen Tribut-Tees (贡茶) aufgenommen. Der Dichter Song Qi (宋祁) besang ihn mit der Zeile: »Buddhistischer Himmelstau fließt kostbar und weit« (佛天雨露流珍远). Diese Wendung wurde sprichwörtlich, und dem Tee haftete das poetische Epitheton »Tau des Buddha-Himmels, Nektar aus den kaiserlichen Gärten« (佛天雨露,帝苑仙浆) an.
In der Qing-Zeit schrieb der Teekenner Peng Ying (彭颖) in der »Aufzeichnung über den Tee vom Huading-Berg« (《记华顶茶说》): »Unser Huading ragt unter zehntausend Bergen empor, Wolken und Nebel wallen, und köstlicher Tee entsteht … weder Jianxi noch Luojie können sich mit ihm messen.«
Neuere Geschichte: 1979 wurde Tiantáishān Yúnwùchá in die erste Gruppe wiederbelebter historisch berühmter Tees der Provinz Zhejiang aufgenommen. 2010 wurde die staatliche Registrierung der geografischen Angabe (地理标志证明商标) erteilt. 2012 wurde die Herstellungstechnik in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Provinz Zhejiang aufgenommen.
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Name: Tiantáishān (天台山) – das Bergmassiv im östlichen Zhejiang, ein heiliger Berg des Daoismus und des Tiantai-Buddhismus. Yúnwù (云雾) – »Wolken und Nebel«, ein Hinweis auf das für hohe Lagen typische Klima, in dem der Tee wächst. Chá (茶) – »Tee«. Der vollständige Name bedeutet wörtlich: »Wolken-und-Nebel-Tee vom Tiantai-Berg«. Historischer Alternativname: Huading Yúnwùchá (华顶云雾茶) nach dem Hauptgipfel.
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Kulturelle Bedeutung: Tiantáishān Yúnwùchá ist nicht bloß ein regionaler Tee, sondern einer der wichtigsten Knotenpunkte der Weltteegeschichte. Der Tiantai-Berg ist der Ausgangspunkt der »Seestraße des Tees« (茶叶海上之路): vom alten Tiantai über die Hauptstadt des Königreichs Yue – Shaoxing – zum Hafen Mingzhou (heute Ningbo) und weiter über das Meer nach Japan. Die Teesamen vom Tiantai wurden nicht nur zur Grundlage der japanischen Teekultur, sondern sollen, dem lokalen Wissen zufolge, in der Zeit der Südlichen Dynastien in das Gebiet von Hangzhou gelangt sein und später den Xi Hu Long Jing hervorgebracht haben. Die Verbindung des Tees mit dem Tiantai-Buddhismus brachte im Kloster Fanguang auf der Steinbrücke Shiliang das einzigartige Ritual des »Teeopfers für die Arhats« (罗汉供茶, Luóhàn gòng chá) hervor, das in das japanische Kloster Eiheiji übertragen wurde und dort bis heute bewahrt wird.
3. Botanische Beschreibung und Rohmaterial:
- Art: Camellia sinensis var. sinensis.
- Sorte / Kultivar: Lokale Populationsvarietät (群体种, qúntǐ zhǒng) – eine historisch gewachsene genetische Mischung von Linien, die an das kalte Hochgebirgsklima des Tiantai-Bergs angepasst sind. Die Sträucher weisen eine hohe Frostbeständigkeit und eine kurze Vegetationsperiode auf, bilden aber Triebe mit erhöhtem Aminosäuregehalt.
- Ernte: Nur Frühjahrsernte (春茶). Aufgrund des kalten Hochgebirgsklimas (Jahresdurchschnittstemperatur am Huading 12,2 °C) treiben die Knospen erheblich später aus als in Ebenen. Erntebeginn ist nach Xiaoman (小满, »Kleine Fülle«, etwa 20.–22. Mai), 3–4 Wochen später als bei den meisten Zhejiang-Grüntees. Qing-zeitliche Quellen berichten, dass die Mönche auf dem Huading »unbedingt um Lixia« (立夏, »Sommeranfang«) ernteten, »weil dieser Ort kalt ist und [der Tee] später reift«.
- Erntestandard: Eine Knospe und ein bis zwei Blätter im frühen Stadium der Entfaltung (一芽一叶至一芽二叶初展).
- Anforderungen an das Rohmaterial: Die Triebe müssen kräftig und mit reichlich weißem Flaum bedeckt sein. Um den einzigartigen Charakter des Tees zu bewahren, wird ausschließlich der Frühjahrsaustrieb geerntet – Sommer- und Herbsternten werden nicht durchgeführt.
4. Terroir und Anbaubesonderheiten:
- Relief und Geografie: Das Tiantai-Massiv erstreckt sich von Nordosten nach Südwesten, verbindet den Xianxialing-Gebirgskamm mit dem Zhoushan-Archipel und dient als Wasserscheide der Flüsse Cao’ejiang und Yongjiang. Der Hauptgipfel ist der Huading (华顶峰, 1098 m), umgeben von einem Ring aus Gipfeln, »wie die Blütenblätter einer Lotosblume, wobei der Huading die Blütenkrone bildet« (状如百叶莲花,华顶正当花之顶). Die Teegärten liegen vorwiegend in Höhen von 800–900 m, verstreut als kleine Parzellen im Wald.
- Anbauhöhe: 600–1098 m. Die besten Partien stammen von 800–900 m um den Huading-Gipfel und die berühmte Grotte Guiyundong (归云洞, »Grotte der zurückkehrenden Wolken«) neben dem alten »Teegarten des Unsterblichen Ge«.
- Klima: Hochgebirgsklima, rau. Die Jahresdurchschnittstemperatur im Huading-Gebiet beträgt etwa 12,2 °C (auf Kreisebene 17,1 °C). Der Jahresniederschlag liegt um 1900 mm. Die vier Jahreszeiten sind von dichtem Nebel umhüllt, im Winter kommt es häufig zu Schneefällen. Ein örtliches Sprichwort lautet: »Auf dem Huading gibt es keinen sechsten Monat [d. h. keinen Sommer]; weht der Winterwind, fällt augenblicklich Schnee« (华顶山上无六月,冬来阵风便下雪). Dieses raue Klima verlangsamt das Wachstum, fördert jedoch die Anreicherung von Aminosäuren und Aromastoffen.
- Böden: Bergige sandig-lehmige Böden (砂质壤土, shāzhì rǎng tǔ), tiefgründig und fruchtbar, mit hohem organischem Anteil. Saure Reaktion (pH 4,5–6,0), angereichert mit den Mineralstoffen Zink und Selen.
- Anbautechnik: Historisch wurden die Teesträucher verstreut in kleinen Gruppen zwischen hochstämmigen Bäumen – Sicheltannen (柳杉), Goldkiefern (金钱松), Rhododendren und Bambus – gepflanzt, die natürliche Windschutzschirme gegen die Hochgebirgswinde bilden. Im Winter wird der Boden mit Bambusblättern und trockenem Gras bedeckt, um Feuchtigkeit zu bewahren und zusätzlich zu düngen. Auch die modernen Plantagen werden ökologisch bewirtschaftet – 2022 wurde der gesamte Kreis Tiantai als Basis für »grüne« landwirtschaftliche Produkte der Provinz zertifiziert.
5. Herstellungstechnologie:
Tiantáishān Yúnwùchá war historisch ein rein gerösteter Grüntee (炒青绿茶), doch im Zuge der Modernisierung wurde die Technologie zu einem halb gerösteten, halb getrockneten Typ (半炒半烘) mit überwiegendem Röstanteil weiterentwickelt. Die Verarbeitung erfolgt von Hand.
- Ausbreiten des frischen Blattes (鲜叶摊放 — xiān yè tānfàng): Das geerntete Rohmaterial wird dünn in einem belüfteten Raum ausgebreitet, um die Feuchtigkeit auszugleichen und die Aromaentwicklung einzuleiten.
- Fixierung bei hoher Temperatur (高温杀青 — gāowēn shāqīng): Das »Töten des Grüns« erfolgt bei hoher Temperatur, um die enzymatischen Prozesse vollständig zu stoppen und die Aromabasis zu bilden. Verwendet wird eine Wok-Pfanne.
- Fächeln und Ausbreiten zur Kühlung (煽热摊凉 — shān rè tānliáng): Das heiße Blatt wird rasch ausgebreitet und gefächelt, um die Temperatur zu senken und ein »Dämpfen« und Vergilben zu verhindern.
- Leichtes Rollen (轻揉 — qīng róu): Sanftes manuelles Rollen und Reiben (搓揉, cuō róu) zur Zerstörung der Zellstruktur und Formgebung, ohne die Triebe übermäßig zu beschädigen.
- Erste Trocknung (初烘 — chū hōng): Vortrocknen, um die Feuchtigkeit auf ein mittleres Niveau zu senken.
- Erneute Kühlung (煽热摊凉): Ein weiterer Zyklus aus Fächeln und Ausbreiten.
- Rösten im Wok (入锅炒制 — rù guō chǎozhì): Formgebung und Geschmacksentwicklung, gleichzeitiges Trocknen und »Aufrichten des Flaums« (提毫, tíháo) – durch die Drehung im Wok stellt sich der weiße Flaum auf der Blattoberfläche auf und wird sichtbar.
- Niedrigtemperatur-Finaltrocknung (低温辉焙 — dīwēn huī bèi): Abschließende Nachtrocknung bei verminderter Temperatur zur Stabilisierung der Feuchtigkeit, Fixierung des Aromas und Gewährleistung der Haltbarkeit.
- Abkühlen und Verpacken (稍凉装箱): Der fertige Tee wird leicht abgekühlt und luftdicht verpackt.
6. Organoleptische Eigenschaften:
- Erscheinungsbild des trockenen Blattes: Fein, dicht gerollt, leicht gebogen (细紧弯曲, xìjǐn wānqū). Die Triebe sind kräftig, mit reichlich weißem Flaum (芽毫壮实显露). Die Farbe ist ein sattes Smaragdgrün mit Glanz (翠绿光润).
- Aroma des trockenen Blattes: Hoch und rein (清高, qīnggāo), mit Nuss-Kastanien-Noten (栗香, lìxiāng). Charakteristisch ist die Beständigkeit des Aromas – es verflüchtigt sich nicht rasch.
- Aroma des Aufgusses: Intensiv, hoch, langanhaltend (高锐浓郁持久). Der Kastanienton wird durch eine zart süßliche Blütennote ergänzt. Bei den besten Partien vom Huading wird das Aroma als »orchideenartig« (芳味如兰) beschrieben.
- Geschmack: Vollmundig und reich (浓厚, nónghòu), gleichzeitig frisch und »klar« (鲜爽清冽, xiānshuǎng qīngliè). Deutliche Süße (甘甜, gāntián), die schon beim ersten Schluck spürbar ist. Minimale Bitterkeit und Adstringenz. Der Abgang ist lang, die zurückkehrende Süße (回甘, huígān) stellt sich rasch und weich ein. Der Tee verträgt mehrfaches Aufgießen gut – »drei Aufgüsse, und das Aroma versiegt nicht« (冲泡三次尤有余香).
- Farbe des Aufgusses: Zartes Gelbgrün, klar und leuchtend (嫩绿明亮 / 嫩黄清澈).
- Tasseeboden (aufgegossenes Blatt): Zart, gleichmäßig, leuchtend grün mit Glanz (嫩匀绿明). Die Triebe öffnen sich vollständig und zeigen die hohe Qualität des Rohmaterials.
7. Chemische Zusammensetzung:
- Polyphenole (茶多酚): Der Gehalt ist für einen Hochgebirgs-Grüntee moderat – schätzungsweise 16–22 %. Der im Vergleich zu Tiefland-Tees verringerte Catechin-Spiegel ist auf die Höhenlage, die niedrigen Temperaturen und das diffuse Licht zurückzuführen, was den milden, nicht herben Geschmack erklärt. Hauptcatechine: EGCG, ECG, EGC.
- Aminosäuren (氨基酸): Erhöhter Gehalt – eines der Schlüsselmerkmale des Wolken-und-Nebel-Hochgebirgsterroirs. Vorherrschend ist L-Theanin, das die »frische Süße« und die entspannende Komponente bestimmt. Quellenangaben zufolge liegt der Aminosäuregehalt deutlich über dem Durchschnitt der Grüntees der Region.
- Koffein (咖啡碱): Typischer Wert für Grüntees – etwa 2,5–3,5 % der Trockenmasse. In Kombination mit dem hohen L-Theanin sorgt es für eine sanfte Belebung ohne starke nervöse Erregung.
- Vitamine: Vitamin C (erhöhter Gehalt dank der schonenden Halbrösttechnologie), Vitamine der B-Gruppe (B1, B2), Vitamin E.
- Mineralstoffe: Zink, Selen (charakteristisch für die Tiantai-Gebirgsböden), Kalium, Mangan, Fluor.
- Ätherische Öle und Aromaverbindungen: Das Kastanienaroma wird beim Rösten durch Pyrazine und Furanverbindungen gebildet. Die blumige Note stammt von Linalool, Geraniol. Die lange Haltbarkeit des Aromas hängt mit der Kombination aus Röstung und abschließender Niedrigtemperaturtrocknung zusammen.
8. Wohltuende Eigenschaften:
- Sanfte Anregung und geistige Klarheit: Der hohe L-Theanin-Gehalt in Verbindung mit Koffein bewirkt eine ruhige, konzentrierte Wachheit – ein idealer Tee für meditative Praktiken, was seine jahrhundertealte Verbindung zum Buddhismus erklärt.
- Antioxidativer Schutz: Catechine und Vitamin C tragen gemeinsam zur Neutralisierung freier Radikale bei.
- Unterstützung der Verdauung: Polyphenole regen die Sekretion von Verdauungsenzymen an und fördern so den Fettabbau.
- Herz-Kreislauf-Unterstützung: Der regelmäßige Genuss von Grüntee mit hohem Catechingehalt kann zur Normalisierung des Cholesterinspiegels und des Blutdrucks beitragen.
- Stärkung des Immunsystems: Vitamin C, Polyphenole und Spurenelemente (Zink, Selen) haben eine allgemein kräftigende Wirkung.
- Unterstützung kognitiver Funktionen: L-Theanin fördert die Erzeugung von Alpha-Wellen im Gehirn und verbessert Konzentration und Gedächtnis.
- Entzündungshemmende Wirkung: Catechine, insbesondere EGCG, besitzen entzündungshemmende Eigenschaften.
- Gegenanzeigen: Nicht auf nüchternen Magen einnehmen (Gerbstoffe können die Magenschleimhaut reizen). Bei Koffeinempfindlichkeit – in der ersten Tageshälfte trinken.
9. Aufgießen:
- Wassertemperatur: 75–85 °C. Für besonders zartes Rohmaterial (特级, eine Knospe) – 75–80 °C. Kochendes Wasser ist unbedingt zu vermeiden: Bei Temperaturen über 85 °C wird das Chlorophyll zerstört, der Aufguss vergilbt und es entsteht eine grobe Bitterkeit.
- Teemenge: 3 g auf 150 ml (Verhältnis 1:50). Bei einer Gaiwan: 5 g auf 100–120 ml.
- Gefäße: Ein Glasbecher (玻璃杯) wird empfohlen, da er die schöne Entfaltung der Triebe beobachten lässt. Eine Porzellan-Gaiwan (盖碗) ermöglicht kontrollierteres Aufgießen.
- Vorgang:
- Das Gefäß mit heißem Wasser vorwärmen, ausgießen.
- Den Tee in das Glas geben.
- Die Methode des »Aufgießens von oben« (上投法, shàng tóu fǎ) wird empfohlen: Zuerst das Glas zu 70 % mit Wasser füllen, dann den Tee hineingeben und ihn langsam durch das Wasser »absinken« lassen.
- Erster Aufguss – 2–3 Minuten ziehen lassen. Bei der Gaiwan: Vorspülen (润茶) – 5 Sekunden, erster Aufguss – 20–30 Sekunden.
- Beim Aufgießen im Glas: Wenn ein Drittel getrunken ist, Wasser nachgießen (Methode der »drei Nachgüsse«).
- Anzahl der Aufgüsse: 3–5 (im Glas), bis zu 5–6 (in der Gaiwan). Das Aroma bleibt auch beim dritten Aufguss erhalten.
10. Lagerung:
- Bedingungen: Luftdichte Verpackung – ein folierter Beutel in einer Weißblech- oder Zinndose. Schutz vor Licht, Feuchtigkeit und Fremdgerüchen.
- Temperatur: Optimal – Kühlschrank, 0–5 °C, bei strenger Luftdichtigkeit. Für den täglichen Verbrauch (bis zu 2 Monaten) – ein kühler, dunkler Ort.
- Haltbarkeit: Der beste Geschmack entfaltet sich in den ersten 6–12 Monaten nach der Herstellung. Neuer Tee sollte vor dem Genuss 10–15 Tage in der geschlossenen Verpackung »abkühlen« (褪火气), um das »Feuer« abzulegen. Nach dem Öffnen der Verpackung innerhalb von 2–3 Wochen aufbrauchen, um die Frische des Aromas zu bewahren.
11. Preis und Fälschungen:
- Preiskategorie: Große Spannweite. Gewöhnlicher Tiantáishān Yúnwùchá – ab 200 Yuan pro 500 g. Tee vom Huading in Spitzenklasse – ab 1000 Yuan und mehr. Der Preis hängt von der konkreten Ursprungshöhe, dem Rohstoffgrad und dem Ruf des Herstellers ab.
- Wie man Fälschungen vermeidet:
- Prüfung der Form: Echter Tiantáishān Yúnwùchá ist fein, leicht gebogen, mit reichlich weißem Flaum. Grobe, dicke, flache Blätter sind ein Zeichen für Unterschiebung.
- Beurteilung des Aromas: Authentischer Kastanienton mit einer reinen »hohen« Note. Wenn das Aroma stumpf, »grasig« oder mit Fremdgerüchen ist, handelt es sich um minderwertigen oder gefälschten Tee.
- Prüfung des Aufgusses: Zartgrün oder zartgelb, klar und leuchtend. Ein dunkler oder trüber Aufguss deutet auf alten Tee oder eine fehlerhafte Herstellung hin.
- Beständigkeit beim Aufgießen: Echter Tee behält sein Aroma beim dritten und sogar vierten Aufguss. Rascher Geschmacksverlust ist ein Zeichen für die Unterschiebung von Rohmaterial aus niedrigeren Lagen.
- Herkunft: Bestätigung aus dem Gebiet der geschützten geografischen Angabe (Kreis Tiantai, 15 Gemeinden) verlangen. Tee, der unter diesem Namen verkauft, aber außerhalb der Schutzregion produziert wurde, ist nicht authentisch.
12. Interessante Fakten:
- Ge Xuan, der um 238 n. Chr. (三国吴赤乌元年) den »Teegarten des Unsterblichen Ge« auf dem Huading-Berg angelegt hat, war kein Buddhist, sondern ein daoistischer Meister. Somit ist Tiantáishān Yúnwùchá ein seltenes Beispiel eines Tees, der an der Schnittstelle der beiden großen spirituellen Traditionen Chinas entstand: dem Daoismus (Ge Xuan) und dem Buddhismus (Zhiyi, Tiantai-Schule).
- Das Ritual des »Teeopfers für die Arhats« (罗汉供茶), das im Kloster Fanguang an der Steinbrücke Shiliang (石梁) entstand, wurde 1072 (Nördliche Song-Zeit) von dem japanischen Mönch Jōjin (成寻, Jōjin) detailliert beschrieben und danach nach Japan übertragen, wo es bis heute im Kloster Eiheiji (永平寺) bewahrt wird.
- Nach einer verbreiteten Auffassung waren es gerade die Teesamen vom Tiantai-Berg, die während der Südlichen Dynastien südwärts in das Gebiet von Hangzhou gelangten und später den Xi Hu Long Jing – den berühmtesten Grüntee der Welt – hervorbrachten. Sollte dieser Zusammenhang zutreffen, kann Tiantai als »Großvater des Long Jing« bezeichnet werden.
- Aufgrund des kalten Hochgebirgsklimas beginnt die Ernte auf dem Huading erst nach Xiaoman (Ende Mai), wenn in den meisten Teeanbaugebieten Zhejiangs die Frühjahrssaison bereits beendet ist. Das macht Tiantáishān Yúnwùchá zu einem der »spätesten« Frühjahrsgrüntees Chinas.
- In den 2020er Jahren verfügt der Kreis Tiantai über 10.300 Mu (ca. 6870 ha) Teegärten, die jährliche Produktion beträgt über 3000 Tonnen, und die Teeindustrie umfasst mehr als 200 Betriebe mit einem jährlichen Gesamtumsatz von über 4,5 Milliarden Yuan und ist der wichtigste Wirtschaftszweig der Landwirtschaft des Kreises.
13. Vergleich mit anderen »Wolken-und-Nebel«-Tees:
- Lushan Yúnwùchá (庐山云雾茶, Lúshān Yúnwùchá): Ein klassischer Wolken-und-Nebel-Tee aus der Provinz Jiangxi. Beide Tees sind Hochgebirgstees mit erhöhtem Aminosäuregehalt und Kastanienaroma. Allerdings weist Lushan Yúnwùchá gewöhnlich eine ausgeprägtere Säure und einen »robusteren« Charakter auf, während Tiantáishān Yúnwùchá für eine tiefere Süße und größere Milde bekannt ist. Quellen zufolge übertrifft Tiantáishān Yúnwùchá den Lushan Yúnwùchá durch eine »zusätzliche Schicht von mellow-süßlicher Dichte (醇香, chúnhòu)«.
- Xi Hu Long Jing (西湖龙井, Xīhú Lóngjǐng): Der mutmaßliche »Nachfahre« der Tiantai-Teesamen. Long Jing ist flach, bei höherer Temperatur geröstet, mit Bohnen-Kastanien-Aroma und öliger Textur. Tiantáishān Yúnwùchá ist halb geröstet-halb getrocknet, gerollt, mit einer zarteren Textur und ausgeprägter, durch das Hochgebirgsterroir bedingter Süße.
- Huangshan Mao Feng (黄山毛峰, Huángshān Máo Fēng): Ebenfalls ein Hochgebirgstee aus einem nebelverhangenen Bergsystem. Mao Feng ist leichter, zarter, mit blumigen Noten; Tiantáishān Yúnwùchá ist dichter und reicher, mit einem stärker ausgeprägten Kastanienton.
- Enshi Yulu (恩施玉露, Ēnshī Yùlù): Einer der wenigen gedämpften Grüntees Chinas. Yulu bietet ein »grasigeres«, grüneres Profil mit deutlichem Umami; Tiantáishān Yúnwùchá mit seiner Röstung wirkt »wärmer«, mit einem markanten Kastanienaroma.
Zum Abschluss:
Tiantáishān Yúnwùchá ist ein Tee, hinter dem – ohne Übertreibung – die gesamte Geschichte der Teekultur Ostasiens steht. Vom »Teegarten des Unsterblichen Ge« auf dem Huading-Gipfel ziehen sich Fäden zum japanischen Hiyoshi-Teegarten, zu den koreanischen Teetraditionen und zu Long Jing selbst. Aber selbst wenn man von der großen Geschichte absieht und einfach eine Tasse betrachtet – die feinen, gebogenen, weißflaumigen Triebe, die langsam durch das heiße Wasser sinken; der zarte gelblich-grüne Aufguss; das reine Kastanienaroma, in dem der Nachhall jahrhundertealter Nebel mitschwingt; der milde, volle, süße Geschmack, der auch beim dritten Aufguss nicht vergeht – all das macht Tiantáishān Yúnwùchá zu einem der edelsten und unterschätztesten Grüntees Chinas.