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Taiwanische Sencha
Táiwān jiānchá · 臺灣煎茶
Taiwanische Sencha ist ein seltenes Beispiel einer Synthese aus japanischer Dämpftechnik und taiwanischem Terroir, geboren aus kolonialem Erbe und verkörpert durch die Kultursorte Qīngxīn Dàmǎo (青心大冇) – eine der „vier großen Sorten“ der Insel.
Taiwanische Sencha ist ein seltenes Beispiel einer Synthese aus japanischer Dämpftechnik und taiwanischem Terroir, geboren aus kolonialem Erbe und verkörpert durch die Kultursorte Qīngxīn Dàmǎo (青心大冇) – eine der „vier großen Sorten“ der Insel. Dieser Tee verbindet die maritime Frische einer japanischen Sencha mit der subtropischen Süße des taiwanischen Hochland-Rohmaterials und erschafft ein einzigartiges Geschmacksprofil, das weder in der japanischen noch in der chinesischen Teetradition eine direkte Entsprechung hat.
1. Klassifikation und Herkunft:
- Typ: Grüner Tee (unfermentiert, Oxidationsgrad 0 %). Das Fixierungsverfahren ist das Dämpfen (蒸菁, zhēngqīng), im Unterschied zu der auf Taiwan vorherrschenden Röstung (炒菁, chǎoqīng).
- Kategorie: Taiwanische grüne Tees japanischen Typs (蒸製綠茶, zhēngzhì lǜchá).
- Herkunft: Taiwan, Landkreis Nántóu (南投縣, Nántóu Xiàn), Ortsteil Lóngténg (龍騰, Lóngténg). Die Technik wurde aus Japan übernommen und an taiwanische Bedingungen angepasst.
- Geografische Koordinaten: circa 23°50′ n. Br., 120°45′ ö. L. Plantagenhöhe etwa 400 Meter über dem Meeresspiegel.
2. Geschichte und kulturelle Bedeutung:
- Geschichte:
Das Verfahren des Dämpfens von Teeblättern (蒸菁, zhēngqīng) hat eine alte Geschichte: Genau so wurde Tee im China der Tang-Dynastie (7.–10. Jh.) verarbeitet, von wo die Technik nach Japan gelangte, dort dominierend wurde und bis heute erhalten blieb. In China selbst wurde das Dämpfen in der Ming-Zeit (14.–17. Jh.) von der Röstung (炒菁) verdrängt und verschwand nahezu vollständig.
Auf Taiwan tauchte das Dämpfen während der japanischen Kolonialzeit (1895–1945) auf. Die japanischen Behörden führten ein umfassendes Modernisierungsprogramm für die taiwanische Teewirtschaft durch: An der Píngzhèn-Forschungsstation für Tee (平鎮茶業試驗所) wurden die vier besten einheimischen Kultivare ausgewählt und zur massenhaften Verbreitung empfohlen – Qīngxīn Wūlóng (青心烏龍), Qīngxīn Dàmǎo (青心大冇), Dàyè Wūlóng (大葉烏龍) und Yìngzhī Hóngxīn (硬枝紅心), die den Status der „vier großen Sorten“ (四大名種, sì dà míngzhǒng) erhielten. In dieser Zeit wurden die Grundlagen für die Erzeugung grünen Tees japanischen Typs auf Taiwan gelegt.
Allerdings lag der Schwerpunkt in der Kolonialzeit auf schwarzem Tee für den Export (Formosa Black Tea / Formosa Tea). Die Herstellung gedämpften grünen Tees auf Taiwan entwickelte sich erst in der Nachkriegszeit, besonders in den 1970er Jahren, als Taiwan begann, sich am japanischen Markt für grünen Tee zu orientieren. Die Region Nántóu, die traditionell auf Oolongs spezialisiert war, erwies sich als ideales Experimentierfeld: Das subtropische Bergklima, die hohe Luftfeuchtigkeit und die quarzhaltig-tonigen Böden schufen Bedingungen, unter denen der gedämpfte Tee einen von japanischen Pendants abweichenden Charakter erhielt – süßer, mit einer ausgeprägten cremigen Textur.
Die heutige Taiwanische Sencha ist ein Nischenprodukt, das in begrenzten Mengen erzeugt wird. Vor dem Hintergrund der Dominanz taiwanischer Oolongs und gerösteter grüner Tees (Sānxiá Bìluóchūn, Sānxiá Lóngjǐng) bleibt der gedämpfte grüne Tee eine Rarität, was ihm Sammlerwert verleiht.
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Name: „Sencha“ (煎茶, Jiānchá / jap. Sencha) – wörtlich „aufgebrühter Tee“ oder „gezogener Tee“, ein Begriff, der in der japanischen Tradition einen mit Dampf behandelten losen grünen Tee bezeichnet. „Taiwanische Sencha“ (臺灣煎茶) verweist auf die Herkunft und unterstreicht den Unterschied zu japanischen Senchas: andere Kultursorte, anderes Terroir, anderes Geschmacksprofil.
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Kulturelle Bedeutung: Taiwanische Sencha ist eine lebendige Erinnerung an den tiefgreifenden japanischen Einfluss auf die taiwanische Teekultur. Sie zeigt, wie eine übernommene Technik, aufgepfropft auf eine einzigartige lokale Kultursorte und ein besonderes Terroir, ein grundlegend neues Produkt hervorbringt. Für taiwanische Teekenner ist sie zugleich ein Symbol für die Weite des „Anpassungsspektrums“ der Insel – die Fähigkeit, auf ein und demselben Gebiet Tees aller Typen (von weiß bis postfermentiertem Pu-Erh) zu produzieren.
3. Botanische Beschreibung und Rohmaterial:
- Sorte / Kultivar: Camellia sinensis var. sinensis. Hauptsächlich verwendet wird Qīngxīn Dàmǎo (青心大冇, Qīngxīn Dàmǎo), auch einfach „Dàmǎo“ (大冇) genannt. Englische Umschrift – Chin-Shin-Dapan. Dies ist eine der „vier großen Sorten“ Taiwans (四大名種), die während der japanischen Verwaltung selektiert wurden. Der Kultivar stammt von kleinblättrigen Sorten aus dem Wǔyí-Shān (武夷山) in der Provinz Fújiàn ab, die zu Beginn der japanischen Zeit nach Taiwan gebracht wurden und eine lange lokale Anpassung über die generative Vermehrung (蒔茶, shìchá) durchliefen. Er zählt zu den mittelfrüh reifenden (中生種, zhōngshēngzhǒng) Sorten. Der Strauch ist mittelgroß, mit leicht ausladendem Habitus (稍橫張性) und gebogenen Zweigen. Die Blätter sind größer als bei Qīngxīn Wūlóng, länglich-elliptisch oder rundlich-lanzettlich, mit scharfen Randzähnchen und eingedrückter Spitze; die Blattspreite ist dick, fest und dunkelgrün. Die jungen Knospen sind groß, dicht weiß behaart und weisen einen charakteristischen purpurroten Farbton (紫紅色) auf. Die Aderung ist deutlich, der Winkel zwischen Haupt- und Seitenadern beträgt 55–65°. Der Kultivar zeichnet sich durch hohen Ertrag, kräftigen Wuchs und gute Krankheitsresistenz aus, jedoch durch geringe Trockenheitsverträglichkeit. Breite „Anpassungsplastizität“ (適製性廣, shìzhìxìng guǎng): Höchste Qualität wird bei Oriental Beauty (東方美人茶) erreicht, danach folgt grüner Tee; auch für schwarzen Tee ist die Sorte gut geeignet.
- Ernte: Frühes Frühjahr (春茶). Es erfolgt maschinelle Ernte (mechanische Heckenscheren), was die Verarbeitung großer Rohstoffmengen von diesem großblättrigen Kultivar erlaubt. Standard ist eine ungeöffnete Knospe und zwei oberste Blätter (一心二葉, yī xīn èr yè).
- Anforderungen an das Rohmaterial: Frische, unbeschädigte Triebe, die unverzüglich zur Fabrik gebracht werden, um eine beginnende Oxidation zu vermeiden. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit ist entscheidend: Von der Ernte bis zum Dämpfen muss möglichst wenig Zeit vergehen.
4. Terroir und Anbaubesonderheiten:
- Region: Ortsteil Lóngténg (龍騰) im Landkreis Nántóu – ein inneres Berggebiet Zentraltaiwans zwischen Yùshān- (玉山) und Ālǐshān-Gebirge (阿里山). Nántóu ist der einzige „nicht-küstennahe“ Landkreis Taiwans, was ein besonderes kontinentales Mikroklima innerhalb der subtropischen Insel schafft.
- Anbauhöhe: Rund 400 Meter über dem Meeresspiegel.
- Böden: Quarzige Sandböden mit tonigen Einschlüssen, die eine ausgezeichnete Drainage gewährleisten. Mäßiger Säuregrad (pH ~5,0–5,5). Die mineralische Zusammensetzung der Böden beeinflusst die Herausbildung charakteristischer süßlich-mineralischer Noten.
- Klima: Subtropisch, mit hoher Luftfeuchtigkeit (75–85 %), einer Jahresdurchschnittstemperatur von etwa +18 °C, reichlichen Niederschlägen und häufigem Morgennebel. Die täglichen Temperaturschwankungen (8–12 °C) verlangsamen den pflanzlichen Stoffwechsel und begünstigen die Anreicherung von L-Theanin und freien Zuckern.
- Besonderheiten: Anders als bei japanischen Senchas der Spitzenklasse (Gyokuro, Kabusecha) werden die taiwanischen Plantagen nicht beschattet. Die Blätter wachsen bei voller Sonneneinstrahlung, was eine intensive Photosynthese und die Entwicklung ausgeprägter grasiger Noten fördert. Der Bergnebel wirkt jedoch als natürlicher „Lichtzerstreuer“ und mildert die UV-Belastung – ein Effekt, der der künstlichen Beschattung teilweise ähnelt, jedoch feiner ausfällt.
5. Produktionstechnologie:
Die Technologie beruht auf dem japanischen Verfahren „蒸製“ (zhēngzhì – „Dampfverarbeitung“), ist jedoch an die Besonderheiten des großblättrigen taiwanischen Kultivars angepasst.
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Dämpfen (蒸菁, zhēngqīng): Der entscheidende Schritt. Die frisch gepflückten Blätter werden ca. 20 Sekunden lang mit Dampf von 95–100 °C behandelt. Die sofortige Inaktivierung der Enzyme verhindert Oxidation und fixiert die grüne Farbe, das Chlorophyll und das frische Aroma. Das Dämpfen ist der Hauptunterschied der Taiwanischen Sencha zu den gerösteten taiwanischen Grüntees (Sānxiá Bìluóchūn, Lóngjǐng): Es verleiht dem Tee ein charakteristisches „marines“, „seetangartiges“ Aromaregister, das beim Rösten unmöglich ist.
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Erste Trocknung (初乾, chūgān): Die gedämpften Blätter werden im Heißluftstrom (~80 °C) vorgetrocknet, um überschüssige Feuchtigkeit zu entfernen und sie für das Rollen vorzubereiten.
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Rollen (揉捻, róuniǎn): Die Blätter durchlaufen mechanische Roller, die ihnen die typische nadelartige (針形, zhēnxíng) Form verleihen – dünne, gerade, dichte „Nadeln“. Das mechanische Rollen zerstört die Zellwände und verbessert die Extraktion beim Aufguss. Die großen Blätter von Qīngxīn Dàmǎo erfordern ein präzises Kalibrieren des Drucks, um eine gleichmäßige Form zu erreichen.
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Abschließende Trocknung (乾燥, gānzào): Trocknung bei niedrigerer Temperatur (~50 °C), um die Form zu fixieren, die leuchtend grüne Farbe (Chlorophyll) zu bewahren und die Restfeuchte auf <5 % zu senken.
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Sortierung (分級, fēnjí): Der fertige Tee wird nach Nadellänge und -gleichmäßigkeit sortiert. Bruchstücke und Staub werden abgetrennt.
6. Organoleptische Eigenschaften:
- Erscheinungsbild des trockenen Blattes: Dicht gerollte, dünne Nadeln von dunkelgrüner Farbe mit silbrigen Adern, bis zu 2 cm lang. Gleichmäßigkeit von Form und Farbe ist ein Qualitätsmerkmal. Bei höheren Gradierungen ist feiner weißer Flaum (von den Knospen des Qīngxīn Dàmǎo) vorhanden.
- Aroma des trockenen Blattes: Leuchtend, frisch, mit dominanter Note von frisch geschnittenem Gras (草香, cǎoxiāng), leichten blumigen Anklängen (Jasmin) und einer charakteristischen „marinen“ Note (海苔香, hǎitái xiāng), die für gedämpfte Tees typisch ist.
- Aroma des Aufgusses: Entfaltet ein grasig-blumiges Profil, ergänzt durch süßliche Noten junger Erbsen und einen feinen Honigton.
- Geschmack: Glatt, seidig, mit cremiger Textur (奶滑, nǎihuá). Süßlich, mit deutlichem Umami (旨味) durch den hohen Gehalt an L-Theanin. Noten von jungen grünen Erbsen, Honig, frischem Grün. Bei korrekter Zubereitung praktisch keine Bitterkeit und adstringierende Herbheit – ein Ergebnis des Zusammenspiels von Bergterroir (verlangsamtes Wachstum, Anreicherung von Aminosäuren) und schonendem Dämpfen.
- Farbe des Aufgusses: Klar, hellgrün, von der Farbe „blassen Jades“ (淡翡翠色). Bewahrt Reinheit und Leuchtkraft über mehrere Aufgüsse.
- Teeblatt (aufgegossenes Blatt): Gleichmäßig geöffnete, ganze Blätter von leuchtend grüner Farbe. Große purpurgrüne, behaarte Knospen – ein Unterscheidungsmerkmal des Kultivars Qīngxīn Dàmǎo.
7. Chemische Zusammensetzung:
- Polyphenole (Catechine): Etwa 25 % der Trockenmasse. Hauptbestandteil ist Epigallocatechingallat (EGCG). Dämpfen erhält die Catechine stärker als Rösten, was die Taiwanische Sencha zu einem der antioxidantienreichsten taiwanischen Tees macht.
- Aminosäuren: Etwa 4 % der Trockenmasse, mit überwiegend L-Theanin. Der erhöhte Gehalt wird durch das Bergterroir (langsames Wachstum) und die Frühjahrsernte bedingt. L-Theanin ist für Süße, Umami und die entspannende Wirkung verantwortlich.
- Alkaloide: Etwa 3 % der Trockenmasse. Coffein (~20 mg/g trockener Tee), Theobromin, Theophyllin. Milde, anhaltende belebende Wirkung.
- Vitamine: Hoher Gehalt an Vitamin C (bis zu 250 mg/100 g trockenes Blatt) – Dämpfen konserviert Ascorbinsäure wirksamer als Rösten. B-Vitamine (B₂, B₃), Vitamin E.
- Chlorophyll: Hoher Gehalt, der für die leuchtend grüne Farbe des Aufgusses und des trockenen Blattes sorgt.
- Mineralstoffe: Kalium, Mangan, Fluor – bedingt durch die quarzhaltig-tonigen Böden Nántóus.
8. Gesundheitliche Vorteile:
- Antioxidativer Schutz: Die hohe Konzentration von EGCG und anderen Catechinen (dank des Dämpfens erhalten) gewährleistet eine starke Neutralisierung freier Radikale.
- Förderung kognitiver Funktionen: Das Zusammenspiel von L-Theanin und Coffein regt die Alpha-Wellen des Gehirns an und steigert Konzentration und geistige Klarheit ohne Unruhe.
- Unterstützung des Stoffwechsels: Die Kombination von Coffein und Catechinen trägt zur Beschleunigung des Stoffwechsels und zur Thermogenese bei.
- Mundgesundheit: Fluor und Polyphenole hemmen das Bakterienwachstum (u. a. Streptococcus mutans) und senken das Kariesrisiko.
- Stärkung des Immunsystems: Der hohe Gehalt an Vitamin C (durch die Dampffixierung besser erhalten als durch Hitzefixierung) stärkt die Abwehrkräfte.
- Entspannung ohne Schläfrigkeit: L-Theanin trägt bei Einnahme am Tag zur Verminderung von Ängstlichkeit, zur Stimmungsaufhellung und zur Verbesserung der Schlafqualität bei.
9. Zubereitung:
- Wassertemperatur: 70 °C (±2 °C). Dies ist ein kritischer Parameter: Gedämpfte grüne Tees reagieren deutlich empfindlicher auf Überhitzung als geröstete. Schon 80 °C können Bitterkeit hervorrufen. Weiches, gefiltertes oder Quellwasser wird empfohlen.
- Teemenge: 4 g auf 200 ml Wasser für die Aufgussmethode; 2 g auf 200 ml für das Ziehen in Tasse oder Kanne.
- Gefäß: Glas oder Porzellan (Gaiwan, Glaskanne im Kyūsu-Stil). Glas ist zu bevorzugen, um die Farbe des Aufgusses zu beobachten. Yixing-Ton wird nicht empfohlen – er absorbiert die feinen Aromen des gedämpften Tees.
- Vorgehen (Aufgussmethode, 功夫泡法):
- Das Gefäß mit warmem (nicht heißem) Wasser vorwärmen.
- Trockenen Tee einfüllen, das Aroma des „erwärmten trockenen Blattes“ einatmen.
- Erster Aufguss – 45 Sekunden bei 70 °C. Ein Abspülen (Wash) wird für Sencha nicht empfohlen.
- Zweiter Aufguss – 30 Sekunden (darf etwas kürzer sein, der Geschmack entfaltet sich).
- Dritter und weitere – 45–60–90 Sekunden mit schrittweiser Verlängerung.
- Der Tee hält 4–5 vollwertige Aufgüsse aus.
- Qualitätsmerkmal beim Aufgießen: Das Erscheinen von reichlich feinem Schaum (泡, pào) beim ersten Kontakt des heißen Wassers mit dem Blatt ist ein Zeichen für korrektes Dämpfen. Fehlt der Schaum, kann das auf eine fehlerhafte Verarbeitung hindeuten.
10. Lagerung:
Taiwanische Sencha ist, wie alle gedämpften grünen Tees, äußerst empfindlich gegenüber Luft, Licht, Feuchtigkeit und Fremdgerüchen. Sie muss in luftdichter, lichtundurchlässiger Verpackung (vakuumierte Folienbeutel oder Blechdosen) an einem kühlen, trockenen Ort aufbewahrt werden. Optimal ist die Aufbewahrung im Kühlschrank bei 0–5 °C in einem absolut dichten Behälter (um die Aufnahme von Lebensmittelgerüchen zu verhindern). Bei Raumtemperatur – nicht über +25 °C. Die empfohlene Lagerdauer beträgt bis zu 18 Monate ab Verpackungsdatum; maximale Frische und Aromafülle bestehen jedoch in den ersten 6–9 Monaten.
11. Preis und Fälschungen:
Taiwanische Sencha ist ein Nischenprodukt mit begrenzter Produktionsmenge. Der durchschnittliche Endverbraucherpreis auf dem internationalen Markt liegt bei 25–35 USD pro 100 g (Spitzengradierung aus Qīngxīn Dàmǎo). Auf dem taiwanischen Binnenmarkt beträgt er 600–1200 NT$ pro 100 g.
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So vermeiden Sie Fälschungen:
- Kaufen Sie bei spezialisierten taiwanischen Händlern mit bestätigter Herkunft (Nántóu / Lóngténg).
- Prüfen Sie das Erscheinungsbild: Echte Taiwanische Sencha besteht aus ganzen, gleichmäßigen, dunkelgrünen Nadeln ohne pulverigen Staub. Purpurne Nuancen an den Knospen sind ein Merkmal des Kultivars Qīngxīn Dàmǎo.
- Beurteilen Sie das Aroma: Es sollte frisch, grasig-blumig sein, mit einer „marinen“ Note, ohne scharfe oder künstliche Gerüche.
- Testen Sie den Geschmack: Bei korrekter Zubereitung (70 °C) süßlich, cremig, ohne Bitterkeit. Grobe Bitterkeit selbst bei niedriger Temperatur deutet auf Ersatz durch billiges Rohmaterial hin.
- Ein verdächtig niedriger Preis (8–15 USD pro 100 g) weist auf eine Unterschiebung durch vietnamesische oder südchinesische Sencha hin.
12. Interessante Fakten:
- Der Kultivar Qīngxīn Dàmǎo (青心大冇) ist eine der „vier großen Sorten“ Taiwans (四大名種), die während der japanischen Verwaltung an der Píngzhèn-Forschungsstation ausgelesen wurden (neben Qīngxīn Wūlóng, Dàyè Wūlóng und Yìngzhī Hóngxīn). Er diente als Mutterpflanze bei der Schaffung von Táichá Nr. 1 (臺茶1號) – dem ersten offiziell registrierten taiwanischen Teekultivar (1969).
- Derselbe Qīngxīn Dàmǎo ist der Hauptkultivar für die berühmte Oriental Beauty (東方美人茶, Dōngfāng Měirén Chá) aus den Landkreisen Táoyuán, Xīnzhú und Miáolì. Für Oriental Beauty ist der Befall durch Kleinzikaden entscheidend; für Sencha hingegen werden unbeschädigte Blätter bevorzugt – ein und derselbe Kultivar, zwei diametral entgegengesetzte Ansätze.
- Das Dämpfen (蒸菁) war historisch das erste Fixierungsverfahren für grünen Tee in China (Tang-Dynastie, 7.–10. Jh.) und wurde in der Ming-Zeit durch das Rösten verdrängt. Die Taiwanische Sencha ist gewissermaßen eine „Rückkehr zu den Ursprüngen“ über die japanische Vermittlung.
- Bei einer professionellen Verkostung wird das Ausbleiben von reichlich feinem Schaum beim ersten Aufguss einer Sencha als möglicher Defekt des Dämpfens gewertet – zu kurze oder ungleichmäßige Dampfbehandlung.
- Die Nachkriegsgeschichte des taiwanischen Tees ist dadurch gekennzeichnet, dass auf ein und derselben Insel gleichzeitig Tees nach drei grundlegend verschiedenen Fixiermethoden hergestellt wurden: Dämpfen (蒸製, für Sencha), Rösten (炒製, für Lóngjǐng und Bìluóchūn) und vollständiger Verzicht auf Fixierung (für weißen Tee). Diese technologische Vielfalt ist für ein so kompaktes Gebiet einzigartig.
13. Vergleich mit anderen grünen Tees:
- Japanische Sencha (煎茶, Sencha): Das klassische japanische Pendant, hergestellt aus Kultivaren wie Yabukita (やぶきた), Okumidori (おくみどり) u. a. Das Aroma ist ausgeprägt „marin“, algenartig, mit hoher Umami-Intensität. Der Geschmack ist kräftiger, mit einer merklichen leichten Bitterkeit und lebendiger „grüner“ Frische. Die Taiwanische Sencha ist weicher, süßer, mit stärkerer cremiger Textur und weniger ausgeprägtem „marinen“ Charakter; die Honignoten sind deutlicher.
- Sānxiá Bìluóchūn (三峽碧螺春): Ein gerösteter (炒菁) taiwanischer Grüntee aus dem Kultivar Qīngxīn Gānzǎi. Das Aroma ist bohnenartig-grasig (绿豆仁香), „erdig“. Der Geschmack ist dicht, voll, widerstandsfähig gegen Überziehen. Die Taiwanische Sencha ist leichter, zarter, mit einem „marinen“ Register statt einem „bohnenartigen“; sie ist weniger ausdauernd bei vielen Aufgüssen, dafür feiner im aromatischen Bild.
- Japanischer Gyokuro (玉露, Gyokuro): Ein beschatteter, gedämpfter Grüntee der Spitzenklasse. Der Geschmack ist maximal konzentriert auf Umami, nahezu „bouillonartig“, mit Süße und minimaler Bitterkeit. Die Taiwanische Sencha wächst ohne Beschattung, daher ist der L-Theaningehalt geringer und die grasigen Noten sind lebendiger; Gyokuro ist im Körper dichter und „schwerer“.
- Ēnshī Yùlù (恩施玉露, Ēnshī Yùlù): Der einzige chinesische Grüntee, der die Dämpfmethode bewahrt hat. Er wird aus einheimischen Húběi-Kultivaren hergestellt. Das Aroma ist frisch, „taunass“, mit Kastaniennoten. Der Geschmack ist süßlich, leicht. Im Vergleich zur Taiwanischen Sencha ist er weniger „marin“ und weniger cremig; er ähnelt in seinem Charakter eher einem klassischen chinesischen Grüntee.
Zum Abschluss:
Taiwanische Sencha ist eine Tee-Brücke zwischen der japanischen Disziplin des Dämpfens und der taiwanischen Großzügigkeit des Terroirs. Aus dem kolonialen Erbe geboren, hat sie dank des Kultivars Qīngxīn Dàmǎo mit seinen großen, flaumigen, purpurgrünen Knospen und dem Bergklima Nántóus mit seinen Nebeln und Temperaturstürzen ihre eigene Stimme gefunden. Das Ergebnis ist ein grüner Tee, den man weder mit einer japanischen Sencha verwechseln kann (zu süß und cremig) noch mit einem chinesischen gerösteten Tee (zu „marin“ und zart). Für Liebhaber, die einen ungewöhnlichen grünen Tee mit sanfter Süße, seidiger Textur und einem feinen Honig-Nachgeschmack suchen, wird die Taiwanische Sencha zu einer echten Entdeckung.