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Shennongjia Hong Cha

Shénnóngjià hóngchá · 神农架红茶

Shennongjia Hong Cha ist ein Hochland-Rot-Tee aus dem einzigen Verwaltungsbezirk Chinas, der den Titel „Waldbezirk“ (林区, línqū) trägt. Shennongjia ist ein reliktisches Hochland im Nordwesten von Hubei, auf der gleichen Breite gelegen wie die ältesten Teeanbaugebiete Chinas, jedoch in deutlich größerer Höhe.

Shennongjia Hong Cha ist ein Hochland-Rot-Tee aus dem einzigen Verwaltungsbezirk Chinas, der den Titel „Waldbezirk“ (林区, línqū) trägt. Shennongjia ist ein reliktisches Hochland im Nordwesten von Hubei, auf der gleichen Breite gelegen wie die ältesten Teeanbaugebiete Chinas, jedoch in deutlich größerer Höhe. Umgeben von Urwäldern, in denen Goldstumpfnasenaffen und lebende Fossilien der Pflanzenwelt heimisch sind, wachsen die Teegärten unter Bedingungen, die die meisten Teeanbaugebiete nur annähernd nachahmen können: absolute ökologische Reinheit, ständiger Nebel, enorme Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht sowie Böden, die durch jahrtausendealten Waldhumus angereichert sind. Roter Tee ist eine vergleichsweise neue Entwicklung für diese Region, doch gerade das Format des Hóngchá erlaubt es, das Potenzial des lokalen Hochlandmaterials am umfassendsten zur Geltung zu bringen.

1. Klassifizierung und Herkunft:

  • Typ: Chinesischer roter Tee (红茶, hóngchá), vollständig oxidiert (fermentiert).
  • Kategorie: Regionaler Hochland-Rot-Tee der Provinz Hubei. Er gehört zur Richtung des Gōngfū-Hóngchá (工夫红茶, gōngfū hóngchá). Er ist ein Produkt des Waldbezirks Shennongjia – eine Besonderheit des Shennongjia Hong Cha ist seine Herstellung auf dem Gelände eines nationalen Naturschutzgebiets und UNESCO-Weltkulturerbes.
  • Ursprung: China, Provinz Hubei (湖北省, Húběi shěng), Waldbezirk Shennongjia (神农架林区, Shénnóngjià línqū). Hauptanbaugebiet ist die Gemeinde Muyu (木鱼镇, Mùyú zhèn), gelegen am südlichen Fuß des Shennong-Gipfels (神农顶, 3106 m – höchster Punkt Zentralchinas). Die Teegärten konzentrieren sich zudem in den Dörfern Qingtian (青天村), entlang des Xiangxi-Flusses (香溪河) und an den angrenzenden Berghängen.
  • Geografische Koordinaten: ca. 31°25′ N, 110°20′ O (Gebiet Muyu, Südhang des Shennongjia-Hochlands).

2. Geschichte und kulturelle Bedeutung:

  • Geschichte: Shennongjia nimmt einen besonderen Platz in der chinesischen Tee-Mythologie ein: Der Legende nach kostete hier der sagenumwobene Kaiser Shennong (神农, „Göttlicher Landmann“) hunderte Kräuter und entdeckte die heilsamen Eigenschaften des Teeblatts. Der klassische Traktat „Shennong Bencao Jing“ (《神农本草经》) besagt: „Shennong kostete hunderte Kräuter, begegnete täglich zweiundsiebzig Giften und wurde durch Tee geheilt.“ Lu Yu (陆羽, Lù Yǔ) bestätigte im „Klassiker des Tees“ (《茶经》, Chájīng): „Der Tee als Getränk hat seinen Ursprung bei Shennong.“ Diese Texte verankerten Shennongjias Status als eine Wiege der chinesischen Teekultur.

    Die moderne Geschichte des Teeanbaus in Shennongjia beginnt Mitte des 20. Jahrhunderts. Laut den „Aufzeichnungen von Shennongjia“ (《神农架志》) gab es in der Gemeinde Muyu bis 1977 bereits 3735 mu Teegärten mit einer Jahresproduktion von 30 900 jin Trockentee, doch aufgrund primitiver Technologien blieben Qualität und Marktfähigkeit gering. Der Wendepunkt kam 1986, als unter Beteiligung des Instituts für Obst- und Teekulturen der Landwirtschaftsakademie Hubei die ersten benannten Sorten entwickelt wurden: „Shennong Qifeng“ (神农奇峰) und „Shennong Bifeng“ (神农碧峰). 1992 erhielt „Shennong Qifeng“ den Status eines „Berühmten Tees von Hubei“ (湖北名茶). 2007 wurden in den tiefen Wäldern von Muyu Gruppen wild wachsender Teebäume entdeckt – ein wichtiger Beleg dafür, dass Tee hier lange vor der Kultivierung gedieh.

    Lange Zeit spezialisierte sich die Region ausschließlich auf grünen Tee. Der Wechsel zur Produktion von rotem Tee war eine strategische Entscheidung der 2010er Jahre: Experten stellten fest, dass das Hochlandmaterial von Shennongjia – mit hohem Aminosäuregehalt und reichem Aromapotenzial – ideal für roten und weißen Tee geeignet ist. 2022 wurde Shennongjia vom Landwirtschaftsamt der Provinz Hubei offiziell in die Liste der „Hauptanbaugebiete für Tee in Hubei“ (湖北省茶叶主产区) aufgenommen. Der unter Marken wie „Lin Hong Xian“ (林红仙, „Waldrote Fee“) und „Shennong Qifeng“ produzierte rote Tee eroberte rasch die Märkte von Peking, Shanghai, Shandong und Zhejiang.

  • Name: „Shennongjia“ (神农架) ist ein Toponym, wörtlich „Regendach/Hütte Shennongs“: Der Legende nach errichtete Shennong hölzerne Gerüste (架, jià), um Heilkräuter an diesen Berghängen zu sammeln und zu trocknen. „Hong Cha“ (红茶) bedeutet „roter Tee“. Der vollständige Name bedeutet somit „Roter Tee aus Shennongjia“ – eine direkte Verbindung zum mythologischen Begründer der chinesischen Phytotherapie und Teekultur.

  • Kulturelle Bedeutung: Shennongjia gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe (seit 2016) und ist Biosphärenreservat (seit 1990). Tee, der auf einem Gelände dieses Status produziert wird, gewinnt eine zusätzliche Dimension – er verkörpert die Idee der Harmonie von Landwirtschaft und wilder Natur. Die lokalen Teebauern entwickeln aktiv das Konzept des „ökologischen Teegartens“ (生态茶园): Statt steriler Plantagen wachsen die Teebüsche zwischen Bäumen, Kräutern und Wildblumen, unter Bedingungen, die dem Waldökosystem weitestgehend angenähert sind. Dies ist eine Art Manifest des „wilden“ Tees – ein neuer Trend im chinesischen Teeanbau.

3. Botanische Beschreibung und Rohmaterial:

  • Sorte / Kultivar: Verwendet werden vorwiegend regional angepasste, vegetativ vermehrte (无性系, wúxìngxì) Sorten: Fuding Dabai (福鼎大白, Fúdǐng Dàbái) – ein kleines, hochproduktives Kultivar, das sich unter Hochlandbedingungen bewährt hat; Jinguanyin (金观音, Jīn Guānyīn) – eine Hybride mit hohem Aromapotenzial; Echa 10-hao (鄂茶10号, È chá 10 hào) – eine speziell für die Verhältnisse Hubeis gezüchtete Sorte. Neben Kultursorten wurden in der Region Gruppen wild wachsender Teebäume Camellia sinensis registriert, die 2007 entdeckt wurden – Rohmaterial von ihnen wird für limitierte Partien des „Shennongjia Wilden Tees“ (神农架野茶) verwendet.
  • Ernte: Aufgrund der Hochlage und des kühlen Klimas setzt die Vegetation später ein als in Tieflandregionen. Die Frühjahrsernte fällt auf Ende April bis Mai. Shennongjia kann im Segment des „Vor-Qingming-Tees“ (明前茶) nicht konkurrieren, doch die späte Ernte gewährleistet eine längere Anreicherung von Aminosäuren und Zucker.
  • Erntestandard: Eine Knospe und ein bis zwei Blätter (一芽一二叶, yī yá yī-èr yè). Für roten Tee ist ein etwas reiferes Blatt zulässig als für grünen, was den Körper des Aufgusses verstärkt.
  • Anforderungen an das Rohmaterial: Ganzes, unbeschädigtes Blatt, frei von groben Stielen. Minimale Verzögerung zwischen Ernte und Welken. Für beste Partien wird Blatt von Hochlagen (über 1200 m) ausgewählt, wo die Anreicherung von Aromastoffen maximal ist.

4. Terroir und Anbaubesonderheiten:

  • Relief und Landschaft: Shennongjia ist ein Gebirgsmassiv am Schnittpunkt der Daba- (大巴山) und Jing-Gebirgszüge (荆山), mit Höhen von 398 bis 3106 m. Die Teegärten befinden sich an Berghängen im Einzugsgebiet des Xiangxi-Flusses (香溪河, Nebenfluss des Jangtse), inmitten von Laub- und Nadelmischwäldern. Die Waldbedeckung von Muyu übersteigt 88,6 %, was eine außergewöhnliche Luftqualität gewährleistet (die Konzentration negativer Ionen erreicht 30 000 pro Kubikzentimeter) sowie diffuses Licht.
  • Anbauhöhe: Teegärten – von 550 bis 1465 m (Daten für Muyu); beste Plantagen – von 1000 bis 1400 m. Einzelne Teeflächen liegen nahe dem Qingtianbao-Pass auf etwa 1400 m Höhe.
  • Jahresdurchschnittstemperatur: Im Gebiet Muyu etwa 11,6 °C, was deutlich unter den meisten chinesischen Teeanbaugebieten liegt. Sommerdurchschnitt – etwa 20–22 °C. Die Tag/Nacht-Temperaturdifferenz ist ausgeprägt, was die Anreicherung von Aromastoffen und Aminosäuren begünstigt.
  • Niederschlag: 1200–2500 mm pro Jahr, je nach Höhenlage. Die Luftfeuchtigkeit ist konstant hoch; Bergnebel sind eine gewöhnliche Erscheinung, besonders in den Morgen- und Abendstunden.
  • Böden: Gebirgs-Gelb-Braunerden (黄棕壤) und braune Waldböden (棕壤), pH 5,5–6,9. Die Mächtigkeit des organischen Horizonts beträgt 20–40 cm, was für Teeanbaugebiete außergewöhnlich ist. Die Böden sind mineralreich und aufgrund des Gebirgsreliefs gut drainiert.
  • Ökologischer Status: Das Gebiet ist frei von Industriebetrieben und Umweltverschmutzung. Die Teebetriebe praktizieren Grundsätze des ökologischen Landbaus; zwei Betriebe besitzen eine Zertifizierung für biologischen Tee. In Teegärten neuen Typs werden zwischen den Buschreihen einheimische Bäume gepflanzt – Davidie (珙桐), Zimtbaum, Mahagoni – und schaffen so Mini-Ökosysteme.

5. Herstellungstechnologie:

Shennongjia Hong Cha wird nach der Technologie des Gōngfū-Hóngchá hergestellt, angepasst an die Besonderheiten des Hochlandrohmaterials. Die entscheidende Aufgabe ist es, das Potenzial an Aminosäuren und Aromastoffen zu entfalten, das unter den Bedingungen kühlen Klimas und langsamen Wachstums angereichert wurde.

  • Welken (萎凋, wěidiāo): Das frisch gepflückte Blatt wird in dünner Schicht auf Bambushorden oder in einem Raum mit kontrollierter Belüftung ausgelegt. Unter dem kühlen Gebirgsklima kann das Welken länger dauern als in Tieflandregionen. Das Blatt verliert 55–65 % seiner ursprünglichen Feuchtigkeit, wird weich und elastisch. Längeres Welken trägt zu einer vollständigeren Aromaentfaltung bei.

  • Rollen (揉捻, róuniǎn): Das gewelkte Blatt wird mechanisch gerollt, um die Zellwände aufzubrechen und den Zellsaft an die Oberfläche zu bringen. Das Rollen formt die charakteristische dichte, elastische Gestalt der Teeblätter und gewährleistet eine gleichmäßige Oxidation.

  • Fermentation/Oxidation (发酵, fājiào): Das gerollte Blatt wird in Bedingungen kontrollierter Temperatur (25–28 °C) und hoher Luftfeuchtigkeit gebracht. Catechine oxidieren zu Theaflavinen und Thearubiginen und formen die rote Farbe des Aufgusses sowie ein honigsüßes Geschmacksprofil. Dank des hohen Aminosäuregehalts im Ausgangsmaterial verläuft die Fermentation mild und ohne übermäßige Bitterkeit.

  • Trocknung (干燥, gānzào): Zweistufig: eine anfängliche Trocknung bei erhöhter Temperatur, um die Oxidation zu stoppen, danach ein „vollständiges Feuer“ (足火) bei niedriger Temperatur zur Fixierung des Aromas und vollständigen Entfernung der Feuchtigkeit auf 4–6 %.

  • Sortierung (精制/分级, jīngzhì/fēnjí): Der fertige Tee wird gesiebt, wobei die Fraktionen getrennt werden. Die Partien werden nach Blattgröße, Tipgehalt und qualitativen Merkmalen sortiert.

6. Organoleptische Eigenschaften:

  • Erscheinungsbild des trockenen Blattes: Die Teeblätter sind dicht gerollt, elastisch, von dunkler Farbe mit charakteristischem „öligem“ Glanz (乌润). Reichlich vorhandene goldene Tips verleihen der Partie ein elegantens Aussehen. Das Blatt ist gleichmäßig, gut sortiert.
  • Aroma des trockenen Blattes: Ausgeprägtes Honigaroma (蜜香, mì xiāng) mit Nuancen von Karamell, Trockenfrüchten und einem leichten blumigen Unterton. Kennzeichnend ist die „Reinheit“ des Aromas – keine Fremdnoten, was mit der ökologisch makellosen Anbauumgebung zusammenhängt.
  • Aroma des Aufgusses: Tief, warm, mit dominierender Honigsüße. Entfaltet sich allmählich: erste Noten – Honig und reife Früchte; mittlere Aufgüsse – Karamell, warmes Holz; abschließende – milde Süße mit einem Hauch von Röstnüssen.
  • Geschmack: Dicht, rund, mit gesättigter natürlicher Süße (甘爽, gān shuǎng). Der Körper des Tees ist mittel, „samtig“. Die Adstringenz ist minimal und geht schnell in einen anhaltenden süßen Nachgeschmack (回甘) über. Der Nachgeschmack ist lang, mit einer honig-fruchtigen Spur. Charakteristisch ist die „Saftigkeit“ (鲜活) – ein Gefühl lebendiger Frische, das Hochlandtees mit hohem Aminosäuregehalt auszeichnet.
  • Farbe des Aufgusses: Rot-bernsteinfarben bis rubinrot, transparent und klar, mit gutem Glanz. Bei besten Partien mit einem feinen goldenen Rand.
  • Teeboden (aufgebrühtes Blatt): Kupferrot, gleichmäßig gefärbt. Die Blätter sind ganz, elastisch, zart. Bei hohen Graden – weich und glänzend, sich zu vollständigen Platten entfaltend.

7. Chemische Zusammensetzung:

  • Polyphenole: Der Gesamtgehalt im roten Tee nach der Fermentation beträgt schätzungsweise 12–18 % der Trockenmasse. Ein erheblicher Teil der Catechine wird in Theaflavine (茶黄素) und Thearubigine (茶红素) umgewandelt, die für Farbe, „Samtigkeit“ und den charakteristischen „Honigton“ des Aufgusses sorgen. Die Hochlandherkunft des Rohmaterials verringert in der Regel den Ausgangsgehalt an Polyphenolen im Vergleich zu Tieflandblatt, was den roten Tee aus Shennongjia weniger adstringierend und „süßer“ macht.
  • Aminosäuren: Erhöhter Gehalt (schätzungsweise 3,5–5 %) – eine Folge des kühlen Klimas und des langsamen Triebwachstums. L-Theanin sorgt für natürliche Süße, „Frische“ und Milde im Geschmack sowie für eine entspannende Wirkung.
  • Alkaloide: Koffein – 2,5–4 % der Trockenmasse. Theobromin und Theophyllin – in für roten Tee üblichen Mengen. Das kalte Gebirgsklima kann den Koffeingehalt etwas verringern.
  • Flüchtige Aromastoffe: Die Hochlandbedingungen und die großen Tag-Nacht-Temperaturschwankungen fördern die Anreicherung von Linalool, Geraniol und deren Oxiden – Schlüsselkomponenten des Honig-Blumen-Aromas von roten Tees.
  • Vitamine: C (teilweise nach der Fermentation erhalten), B₁, B₂, P, PP.
  • Mineralstoffe: Kalium, Magnesium, Calcium, Zink, Mangan, Selen. Die reichen organischen Gebirgsböden gewährleisten einen hohen Gehalt an Spurenelementen.

8. Wohltuende Eigenschaften:

  • Sanfte Tonisierung und kognitive Unterstützung: Die Kombination aus Koffein und hohem L-Theanin-Spiegel sorgt für stetige, ruhige Wachheit, verbesserte Konzentration und Gedächtnis ohne Nervosität.
  • Antioxidativer Schutz: Theaflavine, Thearubigine und restliche Catechine neutralisieren freie Radikale und schützen die Zellen vor oxidativen Schäden.
  • Unterstützung der Verdauung: Der warme Rot-Tee mit seinem milden Taninprofil ist magenverträglich, fördert die Verdauung fetter Speisen, ohne die Schleimhaut zu reizen.
  • Herz-Kreislauf-Unterstützung: Regelmäßiger moderater Genuss von rotem Tee wird mit einer Senkung des LDL-Cholesterinspiegels und einer Verbesserung des Gefäßtonus in Verbindung gebracht.
  • Erwärmende Wirkung: Roter Tee wird traditionell als „warmes“ (性温) Getränk eingestuft. Shennongjia Hong Cha mit seiner Honigsüße und seinem vollen Körper ist besonders in der Herbst-Winter-Periode willkommen.
  • Entspannung und emotionales Wohlbefinden: Der hohe L-Theanin-Spiegel wirkt mild anxiolytisch. Das warme Honigaroma ergänzt die entspannende Wirkung auf sensorischer Ebene.
  • Immununterstützung: Polyphenole des Rot-Tees besitzen antibakterielle und antivirale Eigenschaften und unterstützen die natürlichen Abwehrmechanismen des Körpers.

9. Zubereitung:

  • Wassertemperatur: 90–95 °C. Für besonders zarte Partien mit hohem Tipanteil – 85–90 °C.
  • Teemenge: 4–5 g auf 100–120 ml (Gongfu-Methode); 2–3 g auf 200–250 ml (europäischer Aufguss).
  • Geschirr: Porzellan-Gaiwan (盖碗) mit 100–120 ml Fassungsvermögen – die optimale Wahl, um die Extraktion zu kontrollieren und das Aroma vollständig zu würdigen. Eine Porzellankanne ist ebenfalls geeignet. Für einen „wärmeren“, umhüllenden Charakter – Tonkanne aus Yixing.
  • Ablauf:
    1. Gaiwan oder Kanne mit kochendem Wasser vorwärmen, Wasser abgießen.
    2. Teeblätter einfüllen, für einige Sekunden mit dem Deckel verschließen – das trockene Blatt erwärmen und das entfaltete Aroma einatmen.
    3. Spülung (润茶): kurzer Aufguss von 1–2 Sekunden – nach Belieben.
    4. Erster Aufguss: Wasser zugießen, 5–8 Sekunden ziehen lassen, in das Cha Hai abgießen.
    5. Weitere Aufgüsse: Ziehzeit jeweils um 3–5 Sekunden erhöhen.
    6. Anzahl der Aufgüsse: 6–8 für hochwertige Partien; dichte, tipreiche Partien halten bis zu 10 oder mehr aus.
    7. Europäische Methode: 2–3 g auf eine Tasse von 200 ml, 3–4 Minuten ziehen lassen.

10. Lagerung:

Die Lagerung erfolgt analog zu den meisten Rot-Tees: luftdichter Behälter (Aluminiumbeutel in Weißblech- oder Zinndose), Schutz vor Licht, Feuchtigkeit und Fremdgerüchen. Optimale Temperatur – 10–25 °C; Kühlschrank ist nicht erforderlich. Haltbarkeit unter sachgemäßen Bedingungen – 18–24 Monate. Dichte, gut geröstete Partien können 2–3 Jahre „reifen“ und dabei ein runderes und tieferes Geschmacksprofil entwickeln. Nach Anbruch der Verpackung sollte der Tee innerhalb von 2–3 Monaten aufgebraucht werden.

11. Preis und Fälschungen:

Shennongjia Hong Cha nimmt eine mittlere Preisnische auf dem chinesischen Markt für Rot-Tees ein. Grüner Tee aus dieser Region wird für 200–250 Yuan pro 500 g verkauft, Rot-Tee ist teurer, schätzungsweise 300–500 Yuan pro 500 g für Standardpartien, mit einem Aufschlag für Partien aus wildem Rohmaterial oder besonders hochgelegenen Graden. Den Preis beeinflussen: Anbauhöhe, Alter der Teebüsche (wilde Bäume – Premiumsegment), ökologische Zertifizierung, Saison und Erntestandard.

  • Wie man Fälschungen vermeidet:
    1. Bei Anbietern mit bestätigter Herkunft aus dem Waldbezirk Shennongjia kaufen, vorzugsweise mit Angabe des konkreten Betriebs.
    2. Auf das charakteristische Honigaroma ohne künstliche Schärfe achten – das Hochlandrohmaterial von Shennongjia zeichnet sich durch natürliche „Reinheit“ des Duftes aus.
    3. Der Aufguss sollte transparent, rot-bernsteinfarben und von mildem süßem Geschmack sein; Trübung oder grobe Adstringenz deuten auf eine Unterschiebung mit Tieflandrohmaterial hin.
    4. Auf ökologische Zertifizierung oder Zugehörigkeit zu registrierten Marken der Region prüfen.
    5. Ein verdächtig niedriger Preis für Tee mit der Kennzeichnung „Shennongjia Wilder Tee“ ist ein Warnsignal für eine Fälschung.

12. Interessante Fakten:

  • Shennongjia ist der einzige Verwaltungsbezirk in China, der den Status eines „Waldbezirks“ (林区) besitzt und nicht den eines Kreises, einer Stadt oder eines autonomen Bezirks. Der hier produzierte Tee ist ein Produkt eines Gebiets mit einzigartigem Verwaltungsstatus, in dem ökologischer Schutz Vorrang vor Wirtschaftswachstum hat.

  • Im Jahr 2007 wurden in den tiefen Wäldern von Muyu Gruppen wild wachsender Teebäume entdeckt, von denen einige, nach Aussagen Einheimischer, früher so groß waren, dass sie als Bauholz verwendet werden konnten. Diese Entdeckung bestätigte, dass Tee in diesen Bergen schon lange vor der Anlage von Kulturplantagen wuchs.

  • Die Legende von Shennong besagt, dass der „Göttliche Landmann“ hölzerne Gerüste (架) an den Berghängen errichtete, um Heilkräuter zu trocknen und zu kosten. Der Name „Shennongjia“ – „Shennongs Regendach“ – bewahrt diese mythologische Verbindung zu den Ursprüngen der Phytotherapie und Teekunde.

  • Die Konzentration negativer Ionen in der Luft der Teegärten von Shennongjia erreicht 30 000 pro Kubikzentimeter – ein Vielfaches höher als in städtischer Umgebung. Dies ist ein Indikator für die absolute ökologische Reinheit der Atmosphäre.

  • Der Xiangxi-Fluss (香溪河, „Duftender Bach“), der durch das Teeanbaugebiet Muyu fließt, ist in der chinesischen Tradition mit der Legende von Wang Zhaojun (王昭君) verbunden – einer der „Vier großen Schönheiten“ des alten China. Der Überlieferung nach sammelte die junge Zhaojun Tee an den Ufern dieses Flusses und teilte ihn mit ihren Freundinnen; diejenigen, die diesen Tee tranken, erblühten an Schönheit.

13. Vergleich mit anderen Rot-Tees:

  • Yidu Yihongcha (宜都宜红茶, Yídū Yí Hóng Chá): Ein „Nachbar“ in der Provinz Hubei. Yihongcha ist ein klassischer Hubei-Gongfu-Hongcha aus geringeren Höhen (200–800 m) mit dichtem, sattem Geschmack und ausgeprägter Adstringenz. Shennongjia Hong Cha ist wesentlich milder, süßer und „reiner“ im Geschmack, bedingt durch das Hochland-Terroir und den erhöhten Aminosäuregehalt.

  • Lichuan Hongcha (利川红, Lìchuān Hóng): Ein weiterer Hubei-Rot-Tee aus dem Berggebiet Enshi (恩施). Lichuan Hongcha wird ebenfalls in Höhenlagen produziert, jedoch auf niedrigeren (600–1000 m). Er ist bekannt für sein leuchtendes Blumenaroma und seinen Honiggeschmack. Shennongjia Hong Cha übertrifft ihn in der „Reinheit“ seiner ökologischen Umgebung und im Grad der „Wildheit“ des Terroirs.

  • Junmei-Typ (金骏眉, Jīn Jùnméi): Ein berühmter Fujian-Rot-Tee aus reinen Tips. Jin Junmei ist „parfümiert“, intensiv, mit Noten von Honig, Blumen und Trockenfrüchten. Shennongjia Hong Cha ist weniger „parfümiert“, dafür „landschaftlicher“: man spürt die Bergfrische und die „waldige“ Reinheit, die dem Fujian-Tee fehlt.

  • Dianhong (滇红, Diānhóng): Yunnan-Rot-Tee aus der großblättrigen Varietät. Dianhong ist kraftvoll, vollmundig, mit Noten von Kakao und Schokolade. Shennongjia Hong Cha stammt von der kleinblättrigen Varietät, ist wesentlich delikater, mit leichtem Körper und dem Schwerpunkt auf natürlicher Süße und „Berg“-Frische.

Zum Abschluss:

Shennongjia Hong Cha ist ein Tee aus der Legende im wahrsten Sinne: geboren auf dem Boden, auf dem die Menschheit der Sage nach erstmals den Geschmack des Teeblatts kennenlernte, trägt er die Erinnerung an diesen Anfang in sich. Zugleich ist er ein absolut moderner Tee, das Produkt eines bewussten Wandels der Region von massenhaftem grünen Tee hin zu einem boutiquehaften Rot-Tee, der das Hochland-Terroir der geschützten Berge voll ausschöpft. Seine Honigsüße, die „waldige“ Reinheit des Aromas und sein delikater Körper schaffen ein Teeerlebnis, das sich von den kraftvollen Dianhongs oder den „parfümierten“ Fujian-Rot-Tees unterscheidet: ein stiller, konzentrierter Tee, in dem die Kühle des Bergnebels und die Großzügigkeit der uralten Erde spürbar sind. Er eignet sich ideal für diejenigen, die im Rot-Tee nicht nur Kraft, sondern auch Reinheit schätzen – jene Reinheit, die nur die letzte unberührte grüne Insel auf dem einunddreißigsten Breitengrad schenken kann.