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Méi Zhàn Wūlóng
Méi zhàn wūlóng · 梅占乌龙
Méi Zhàn (梅占) – „Pflaumenblüte, die den Vorrang einnimmt“ – ist eine der vielseitigsten und charaktervollsten Teesorten aus Fujian: Aus demselben Rohmaterial schaffen die Meister Oolongs (von hellen Anxi-Stilen bis hin zu tief gerösteten Felsentees), Schwarztees und sogar Weißtees.
Méi Zhàn (梅占) – „Pflaumenblüte, die den Vorrang einnimmt“ – ist eine der vielseitigsten und charaktervollsten Teesorten aus Fujian: Aus demselben Rohmaterial schaffen die Meister Oolongs (von hellen Anxi-Stilen bis hin zu tief gerösteten Felsentees), Schwarztees und sogar Weißtees. Als Oolong wird Méi Zhàn für seine typischen Noten der blühenden Pflaume méihuā (梅花, méihuā), eine fruchtig-honigartige Süße und die Fähigkeit geschätzt, das Terroir eindrucksvoll zum Ausdruck zu bringen – seien es die mineralischen Felsen des Wuyi-Gebirges oder die roten Hügel von Anxi. Ein „Chamäleon-Sorte” mit unverwechselbarer Stimme: Sie wechselt den Stil, verliert sich aber niemals selbst.
1. Klassifikation und Herkunft:
- Typ: Oolong (halboxidierter Tee). Der Oxidationsgrad variiert stark – von 15 % (heller Anxi-Stil) bis 60–70 % (dunkler Wuyi-Yán Chá), womit Méi Zhàn einer der „formbarsten“ Oolongs Chinas ist.
- Kategorie: Fujian-Oolongs. Zwei Hauptstile:
- Wǔyí Méi Zhàn (武夷梅占, Wǔyí Méi Zhàn) – Felsen-Oolong (岩茶, Yán Chá) im Minbei-Stil. Zählt zu den „benannten Sorten“ (名枞, Míngcōng) des Wuyi-Gebirges.
- Ānxī Méi Zhàn (安溪梅占, Ānxī Méi Zhàn) – Minnan-Oolong, Ursprungsheimat der Sorte.
- Ursprung: China, Provinz Fujian (福建, Fújiàn).
- Heimat der Sorte – Kreis Anxi (安溪县, Ānxī Xiàn): Gemeinde Lútián (芦田镇, Lútián Zhèn), Dorf Sānyáng (三洋村, Sānyáng Cūn), Berg Yínpíngshān (银瓶山, Yínpíng Shān). ca. 25°05’ N, ca. 117°55’ O. Höhe bis 1411 m.
- Wuyi-Gebirge (武夷山, Wǔyí Shān): Nordwesten Fujians. ca. 27°43’ N, ca. 117°41’ O.
- Die Sorte wird außerdem in Guangdong, Jiangxi, Zhejiang, Anhui, Hunan, Hubei, Jiangsu, Guangxi, Sichuan, Yunnan und auf Taiwan angebaut.
2. Geschichte und kulturelle Bedeutung:
- Geschichte: Die Sorte Méi Zhàn stammt aus dem Dorf Sānyáng (三洋村) in der Gemeinde Lútián (芦田镇) im Kreis Anxi – einer bergigen Gegend mit wolkigem, nebelverhangenem Klima, Quellwasser und fruchtbarem Boden, ideal für den Teeanbau. Über die Entstehung von Méi Zhàn existieren zwei klassische Legenden. Die erste bezieht sich auf den Zeitraum um 1810 (15. Regierungsjahr des Kaisers Jiāqìng, 嘉庆, Qing-Dynastie): Der Bauer Yáng Yìtáng (杨奕糖, Yáng Yìtáng) aus dem Dorf Sānyáng arbeitete auf einem Feld am Berg Yínpíngshān, als ein erschöpfter Wanderer vorbeikam, der an einer Tragstange Teesetzlinge trug. Yáng gab ihm Reisbrei zu essen, und der dankbare Reisende schenkte ihm zum Dank drei Triebe eines unbekannten Teebaums. Yáng pflanzte sie im Hof des angestammten Anwesens Yùshùcuò (玉树厝) ein. Nach einigen Jahren wuchsen die Bäume heran, und der aus ihren Blättern hergestellte Tee verblüffte alle mit seinem außergewöhnlichen Aroma. Der örtliche Gelehrte (举人, jǔrén) Yáng Huīwén (杨辉文, Yáng Huīwén) betrachtete die Blüten des Teebaums, fand sie der Blüte der Winterpflaume méihuā (Prunus mume) ähnlich und nannte die Sorte „Méi Zhàn“ – in Anlehnung an die Gedichtzeile „梅占百花魁“ (Méi zhàn bǎihuā kuí – „Die Pflaumenblüte steht unter hundert Blumen an erster Stelle“). Die zweite Version bezieht sich auf das Jahr 1821 (1. Regierungsjahr des Kaisers Dàoguāng, 道光): Ein Vertreter des Wang-Clans (王氏) aus Xīpíng (西坪) kam nach Lútián, um den Ahnen zu huldigen. Die Einheimischen zeigten ihm einen namenlosen Teebaum und fragten ihn nach dessen Namen. Wang wusste keine Antwort, doch als er den Blick hob, sah er über der Tür ein Parallelgedicht: „梅占百花魁“ – und taufte den Baum sogleich „Méi Zhàn“. Unabhängig von der Glaubwürdigkeit der Legenden blickt die Sorte Méi Zhàn auf über 200 Jahre dokumentierte Geschichte zurück. 1985 bestätigte das Staatliche Komitee der VR China für Sortenprüfung landwirtschaftlicher Kulturen Méi Zhàn offiziell als nationale Sorte (Ident.-Nr. GS13004-1985). In der Republikzeit (民国, Anfang 20. Jh.) wurde die Sorte ins Wuyi-Gebirge gebracht, wo die örtlichen Meister ihre Fähigkeit schätzten, den Charakter des Felsenterroirs „aufzusaugen“. In den 1970er-Jahren verbreitete sich Méi Zhàn nach Sichuan und Yunnan, und gegenwärtig wird sie in mehr als zehn Provinzen Chinas angebaut. Ein bemerkenswertes historisches Detail: 1923 überreichte der aus Sānyáng stammende Militär Yáng Hànliè (杨汉烈, Yáng Hànliè) fünf Kisten Méi-Zhàn-Tee an Sūn Zhōngshān (孙中山, Sūn Zhōngshān). Der Vater der Republik China antwortete mit einem Dankschreiben, das bis heute im Yang-Familienhaus im Dorf Sānyáng aufbewahrt wird. Der späte Qing-Dichter Lín Hènián (林鹤年, Lín Hènián) aus Lútián – einer der „acht großen Dichter Fujians“ – schrieb: „种梅三万株,终老吾何悔“ („Dreißigtausend Pflaumenbäume pflanzte ich und bereue es nicht – bis zum Ende meiner Tage“), ein Zeugnis für den Umfang und die Bedeutung der Sorte in seiner Heimat.
- Name:
- „Méi“ (梅) – Pflaumenblüte méihuā (Prunus mume), eines der Hauptsymbole der chinesischen Kultur: Standhaftigkeit, Edelmut, Schönheit. Die méihuā blüht am Ende des Winters, wenn die anderen Bäume noch schlafen – eine Verkörperung des Mutes angesichts von Widrigkeiten.
- „Zhàn“ (占) – einnehmen, den ersten Platz belegen, ergreifen.
- Vollständige Bedeutung: „Pflaumenblüte, die den Vorrang einnimmt“ – das Aroma des Tees erinnert an blühende Pflaumen, und seine Qualität „steht an erster Stelle“ unter anderen.
- Alternative Sortennamen: Dàyè Méi Zhàn (大叶梅占, „Großblättrige Méi Zhàn“), Gāojiǎo Wūlóng (高脚乌龙, „Hochbeiniger Oolong“ – wegen des charakteristischen geraden Wuchses mit langen Internodien).
- Kulturelle Bedeutung: Méi Zhàn ist eine der sechs klassischen Anxi-Oolong-Sorten, wenngleich sie an Bekanntheit Tiě Guānyīn (铁观音) unterlegen ist. Es ist ein „Tee für Kenner“: weniger vermarktet, aber hoch geschätzt unter jenen, die einen ausgeprägten Sortencharakter suchen. In den 1990er-Jahren, als die Mode für Tiě Guānyīn zur massenhaften Umpflanzung von Teegärten führte, gingen die Anbauflächen von Méi Zhàn in Anxi drastisch zurück. Alte Bäume (老枞, lǎocōng), die an den Berghängen verblieben, werden heute besonders hoch bewertet. Wǔyí Méi Zhàn ist ein „stiller Favorit“ unter den Kennern von Yán Chá: Sein leuchtender Sortencharakter hebt sich selbst vor dem Hintergrund kraftvoller Ròu Guì (肉桂) und Shǔi Xiān (水仙) ab.
3. Botanische Beschreibung und Rohmaterial:
- Sorte: Méi Zhàn (梅占) – Camellia sinensis var. sinensis. Klonal vermehrte (无性系, wúxìngxì) Sorte, kleiner Baum (小乔木, xiǎo qiáomù) mit geradem Stamm. Mittelblättrig (中叶类), mittelspät reifend (中芽种).
- Morphologie: Hochwüchsige Pflanze – alte Bäume erreichen 1,6 m Höhe mit einer Krone von bis zu 1,1 m. Stamm ausgeprägt, Verzweigung mitteldicht, Internodien lang (daher der Beiname „Hochbeiniger Oolong“). Blätter länglich-elliptisch, dunkelgrün, glänzend, mit flacher Oberfläche und leicht nach innen gebogenem Rand. Blattspreite überdurchschnittlich dick, Textur dicht, spröde. Randzähnung flach und weit auseinanderstehend.
- Schlüsseleigenschaften der Sorte:
- Hoher Ertrag: 200–300 kg Trockentee pro mǔ (亩, ca. 667 m²).
- Starke Anpassungsfähigkeit – gedeiht hervorragend in verschiedenen Klimazonen und auf unterschiedlichen Bodentypen.
- Außergewöhnliche Vielseitigkeit (适制性, shìzhìxìng) – geeignet für Oolongs, Schwarztees, Grüntees und Weißtees. Eine seltene Eigenschaft unter den Fujian-Sorten.
- Ausgeprägtes Sortenaroma: pflaumig-blumig, mit Honig- und Würznoten, bedingt durch einen hohen Gehalt an ätherischen Ölen.
- Triebe besitzen starke Wuchsenergie, werden jedoch schnell grob (持嫩性较差, chí nèn xìng jiào chà) – rechtzeitige Ernte erforderlich.
- Pflückstandard: Knospe + 2–3 oberste Blätter. Für Oolongs wird eine zarte Pflückung mit leichter Welkung empfohlen (嫩采, 重晒, 轻摇, nèn cǎi, zhòng shài, qīng yáo). Frühjahrsernte ist am wertvollsten.
- Saisonen: Höhepunkt der Frühjahrsernte – Mitte April (一芽三叶盛期, Zeit des massenhaften Erscheinens des dritten Blattes). Méi Zhàn ist eine spätreifende Sorte: In Anxi wird sie 7–10 Tage später gepflückt als Tiě Guānyīn, was den Bauern ermöglicht, die Haupternte von TGY vor Beginn der Méi-Zhàn-Saison zu verarbeiten. Ebenso wird im Sommer und Herbst gepflückt.
4. Terroir und Anbaubesonderheiten:
Anxi – Heimat der Sorte (Minnan-Méi Zhàn)
- Relief: Hügelige Landschaft im Südosten Fujians. Das Dorf Sānyáng liegt am Fuß des Berges Yínpíngshān (1411 m) – einer der höchsten Punkte des Kreises.
- Höhe: 500–1200 m. Das beste Blattgut stammt von Hochlagen-Gärten an den Hängen des Yínpíngshān.
- Böden: Rote und gelbe lateritische Böden, fruchtbar, gut drainiert. Saure Reaktion (pH ca. 4,5–5,5).
- Klima: Subtropisches Monsunklima, Jahresdurchschnittstemperatur ca. 18–20°C, Niederschlag ca. 1700 mm/Jahr. Häufiger Nebel, Bewölkung, reichlich Quellwasser.
- Ergebnis: Frischerer, rein blumiger Charakter; mittlerer Körper; die Pflaumenblütennote ist reiner und leichter, ohne mineralische Schwere.
Wuyi – Felsen-Méi Zhàn (Minbei-Stil)
- Relief: Roter Quarzsandstein Dānxiá (丹霞, Dānxiá), Täler und Schluchten zwischen den Felsen (坑涧, kēngjiàn). Sträucher wachsen in Felsspalten und engen Gebirgssenken.
- Höhe: 300–700 m.
- Böden: Verwitterungsprodukte vulkanischen Gesteins – reich an Eisen, Mangan, Zink. pH 4,5–5,5.
- Klima: Jahresdurchschnittstemperatur ca. 18°C, relative Luftfeuchtigkeit >80 %, häufiger Nebel, Streulicht.
- Ergebnis: Mineralische „Felsenmelodie“ (岩韵, Yán Yùn) – dichter Körper, langer Nachhall. Das pflaumig-blumige Aroma erhält eine „steinige“ Tiefe mit Noten von Trockenfrüchten und Gewürzen.
5. Herstellungstechnologie:
Die Technologie unterscheidet sich wesentlich je nach regionalem Stil.
Wǔyí Méi Zhàn (Yán-Chá-Stil)
- Pflückung (采摘, cǎi zhāi): Von Hand, zarte Triebe.
- Sonnenwelke (日光萎凋, rìguāng wěidiāo): 30–60 Minuten. Besonderheit von Méi Zhàn – eine verstärkte Sonnenwelke (重晒, zhòng shài) wird empfohlen, um das Aroma zu entfalten und Grünnoten zu entfernen.
- Schütteln / Rütteln (做青, zuò qīng): 4–5 Zyklen mit Ruhepausen, Gesamtdauer 8–14 Stunden. Oxidation 40–70 %. Das Schütteln erfolgt leicht (轻摇, qīng yáo), um eine vollständige Fermentation zu gewährleisten, ohne die spröden Blätter zu beschädigen.
- Fixierung (杀青, shā qīng): Hochtemperatur-Röstung in Trommel oder Wok.
- Rollung (揉捻, róuniǎn): Längsrollung – die für Yán Chá charakteristischen „Strängchen“ (条索, tiáosuǒ).
- Holzkohleröstung (焙火, bèi huǒ): Mittel bis stark, über Lóngyǎn-Holzkohle (龙眼, lóngyǎn). 1–3 Zyklen mit Pausen zur „Feuchtigkeitsrückkehr“ (回润, huí rùn). Diese Stufe fügt Karamell-, Nuss- und Schokoladennoten hinzu.
- Ruhe / Reifung (陈化 / 退火, tuì huǒ): 1–3 Monate zur „Beruhigung des Feuers“ – der hitzige, scharfe Charakter des frisch gerösteten Tees wird milder, der Geschmack rund.
Ānxī Méi Zhàn (Minnan-Stil)
Die Stufen 1–4 sind ähnlich, jedoch mit Unterschieden:
- Oxidation – 15–35 % (deutlich geringer).
- Welke kann im Schatten erfolgen (阴干萎凋).
- Rollung: Tuchformung (包揉, bāoróu) – Halbkugeln (Granulat), wie bei Tiě Guānyīn.
- Trocknung: Leichte Lufttrocknung oder ohne Röstung – für maximale Frische.
6. Organoleptische Eigenschaften:
Wǔyí Méi Zhàn
- Erscheinungsbild des trockenen Blattes: Längs gerollte „Strängchen“ (条索), groß, mit langen Stielchen und ausgeprägten Internodien – die Visitenkarte der Sorte. Farbe dunkelbraun mit rötlichem Schimmer.
- Aroma des trockenen Blattes: Méihuā-Pflaumenblüte vor mineralischem Hintergrund, Karamell, Trockenfrüchte und leichte Rauchnoten der Röstung. Würzige Nuancen – Zimt, Nelke, Sternanis.
- Aroma des Aufgusses: Intensiv und vielschichtig: vordergründig blühende Pflaume; zweite Schicht – Mineral, geröstete Nuss, dunkler Honig; dritte – nachklingende Röstwärme. Mit jedem Aufguss erschließen sich neue Facetten.
- Geschmack: Dicht, ölig, mit ausgeprägter Mineralität (岩韵). Noten von Pflaume, Bitterschokolade, Walnuss, Kastanienhonig. Nachgeschmack lang, warm, mit charakteristischer zurückkehrender Süße (回甘, huígān). Körper voll, „viskos“.
- Farbe des Aufgusses: Tief bernsteinfarben, rotbraun, tief und klar.
- Nasses Blatt: Große Blätter mit rotbraunen Rändern und grünlichem Zentrum – klassisches „grünes Zentrum, roter Saum“ (绿底红边, lǜ dǐ hóng biān) des Yán Chá.
Ānxī Méi Zhàn
- Erscheinungsbild des trockenen Blattes: Halbkugelförmige Granulate, grün mit bräunlichen Einschlüssen. Größer und gröber als bei Tiě Guānyīn, aufgrund des größeren Blattes und der langen Internodien.
- Aroma des trockenen Blattes: Frische Méihuā-Pflaumenblüte, Orchidee, Pfirsich, leichter Blütenhonig. Ohne Mineralität und Rauch – reiner, „sonniger“ Charakter.
- Aroma des Aufgusses: Klares blumig-fruchtig – Pfirsich, Aprikose, Akazienhonig. Die Pflaumenblütennote ist hell, nicht dunkel.
- Geschmack: Weich, süßlich, blumig-fruchtig. Körper mittel. Leichte Pikanz. Nachgeschmack frisch, blumig, ohne mineralische Schwere.
- Farbe des Aufgusses: Hellgelb, goldgrün, klar.
- Nasses Blatt: Ganzheitliche grüne Blätter mit leicht rötlichem Rand.
7. Chemische Zusammensetzung:
Genaue Daten zur Zusammensetzung von Méi Zhàn wurden bei der Analyse von Frühjahrstrieben (一芽二叶, eine Knospe – zwei Blätter) ermittelt:
- Polyphenole (Teepolyphenole): ca. 27,5 % der Trockenmasse – überdurchschnittlich unter den Fujian-Oolongs. Catechingehalt ca. 18,1 %. In der Wuyi-Version wird bei hoher Oxidation ein Teil der Catechine in Theaflavine und Thearubigine umgewandelt, die die Geschmackstiefe und die bernsteinfarbene Tassenfarbe formen.
- Aminosäuren: ca. 3,6 % der Trockenmasse. L-Theanin – Hauptkomponente; verantwortlich für die Süße und den entspannenden Effekt.
- Alkaloide: Coffein ca. 4,4 % (überdurchschnittlich – ausgeprägte stimulierende Aktivität). Theobromin und Theophyllin in Spuren.
- Ätherische Öle: Hoher Gehalt – ein Schlüsselmarker der Sorte. Benzaldehyd und Benzylalkohol (Pflaumen-, Mandelnoten), Linalool und Geraniol (blumig), Methylsalicylat (Frische, „wintergrüner“ Akzent). Gerade die ätherischen Öle formen das charakteristische „Pflaumenblüten“-Profil, das Méi Zhàn unverwechselbar von anderen Fujian-Oolongs unterscheidet.
- Vitamine: C, B-Gruppe (B₁, B₂), E, K.
- Mineralien: Kalium, Fluorid, Magnesium, Mangan, Zink. In der Wuyi-Version erhöhter Eisengehalt aufgrund des roten Sandsteins.
8. Wohltuende Eigenschaften:
- Antioxidativer Schutz: Der hohe Polyphenolgehalt (27,5 %) entfaltet eine starke antioxidative Wirkung. In der Wuyi-Version tragen zusätzlich Theaflavine bei.
- Anregende und entspannende Wirkung: Die Kombination aus Coffein (erhöhter Gehalt, ca. 4,4 %) und L-Theanin sorgt für eine energetisierende, jedoch nicht unruhige Stimulation. L-Theanin mildert die erregende Wirkung des Coffeins und fördert die Produktion von Alpha-Wellen im Gehirn.
- Verdauungsförderung: Die Wuyi-Version wird aufgrund der tieferen Fermentation und Röstung besonders nach fettigem und schwerem Essen empfohlen. Die Anxi-Version eignet sich für den täglichen Genuss.
- Wärmende Wirkung: Gerösteter Wǔyí Méi Zhàn ist ein hervorragender Wintertee – wärmend und entspannend.
- Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems: Polyphenole tragen zur Senkung des LDL-Cholesterins und zur Stärkung der Gefäßwände bei.
- Aromatherapeutischer Effekt: Das Méihuā-Pflaumenblütenaroma wirkt beruhigend und ästhetisch harmonisierend – in der chinesischen Tradition wird der Pflaumenduft mit Reinheit und edlem Geist assoziiert.
- Stoffwechselunterstützung: Polyphenole und Coffein fördern die Fettspaltung und die Aktivierung von Stoffwechselprozessen.
9. Zubereitung:
| Parameter | Wuyi (Yán Chá) | Anxi (Minnan) |
|---|---|---|
| Temperatur | 90–98°C | 85–92°C |
| Teemenge | 5–7 g / 120 ml | 5–7 g / 150 ml |
| Erster Aufguss | 10–15 Sekunden | 30–45 Sekunden |
| Anzahl der Aufgüsse | 6–9 | 5–7 |
| Gefäß | Yixing-Kanne (Ton, auf Yán Chá abgestimmt), Gaiwan | Porzellan-Gaiwan |
Vorgehen (Gongfu-Methode):
- Gefäß mit kochendem Wasser vorwärmen.
- Tee einfüllen, das trockene Aroma durch den erwärmten Deckel einatmen.
- Spülaufguss – mit Wasser übergießen und sofort abgießen.
- Erster Aufguss – siehe Tabelle.
- Folgende Aufgüsse – mit fortschreitend um 5–15 Sekunden verlängerter Ziehzeit.
- Hochwertiger Wǔyí Méi Zhàn hält bis zu 8–9 Aufgüssen stand und offenbart in jeder Phase unterschiedliche Facetten.
10. Lagerung:
- Wuyi (geröstet): Luftdichter, lichtundurchlässiger Behälter (Blechdose, folienbeschichteter Beutel), kühler, dunkler Ort. Haltbarkeit 12–24 Monate; nach der „Beruhigung des Feuers“ (1–3 Monate nach der Röstung) erreicht der Tee seinen geschmacklichen Höhepunkt. Wiederholte Röstung zur Verlängerung der Lebensdauer möglich.
- Anxi (leicht): Im Kühlschrank (0–5°C), luftdicht vakuumverpackt, getrennt von Lebensmitteln. Haltbarkeit 6–12 Monate.
- Allgemeine Feinde: Licht, Feuchtigkeit, Wärme, Sauerstoff, Fremdgerüche.
11. Preis und Fälschungen:
Méi Zhàn Wūlóng belegt ein mittleres bis hohes Preissegment. Die Wuyi-Yán-Chá-Variante ist teurer – „Fels-Zuschlag“ und begrenzte Mengen. Anxi ist zugänglicher, besonders aus Teegärten der Ebene. Alte Bäume (老枞) sind in beiden Regionen erheblich teurer als junge Pflanzungen.
Fälschungen erkennen:
- Das charakteristische pflaumig-blumige Aroma ist die Visitenkarte der Sorte. Ohne dieses handelt es sich nicht um Méi Zhàn, sondern um eine andere Sorte.
- Ganzheitliche, gut ausgeformte Blätter: „Strängchen“ (Wuyi) oder Halbkugeln (Anxi). Groß, mit langen Internodien – ein morphologischer Marker von Méi Zhàn.
- Aufguss rein, klar, von hellgelb (Anxi) bis tief bernsteinfarben (Wuyi).
- Bei spezialisierten Händlern mit Angabe der konkreten Herkunftsregion kaufen.
- Ein zu niedriger Preis ist ein Grund zur Vorsicht: Unter dem Namen Méi Zhàn werden nicht selten andere, weniger wertvolle Sorten verkauft.
12. Interessante Fakten:
- „Chamäleon-Sorte“: Aus Méi Zhàn werden Oolongs, Schwarztees (Méi Zhàn Hóng Chá, 梅占红茶 – unter anderem im Stil des Jīn Jùn Méi, 金骏眉), Weißtees (Méi Zhàn Bái Chá) und Grüntees (Bái Máo Hóu, 白毛猴, „Weißer Affe“) hergestellt. Méi Zhàn Hóng Chá gilt als eines der besten Ausgangsmaterialien für Báilín Gōngfū (白琳工夫) – einen klassischen Schwarztee Fujians.
- Die Pflaumenblüte méihuā (Prunus mume) ist eine der „vier edlen Pflanzen“ (四君子, sì jūnzǐ) neben Orchidee, Bambus und Chrysantheme. Sie blüht am Ende des Winters, wenn andere Bäume noch schlafen – ein Symbol für Standhaftigkeit und Reinheit des Geistes. Das Aroma von Méi Zhàn ist eine direkte Anspielung auf diese kulturelle Metapher.
- 1923 bedankte sich Sūn Zhōngshān persönlich für das Geschenk des Méi-Zhàn-Tees – einer der wenigen chinesischen Tees, deren Verbindung zum Gründer der Republik China dokumentarisch belegt ist.
- Der späte Qing-Dichter Lín Hènián, gebürtig aus Lútián, widmete Méi Zhàn Verszeilen, die bezeugen, dass die Sorte im 19. Jahrhundert viel weiter verbreitet war als heute – Zehntausende Bäume bedeckten die Berghänge.
- Wǔyí Méi Zhàn ist der „stille Favorit“ der Yán-Chá-Meister: Bei Blindverkostungen hebt sich sein strahlender Sortencharakter nicht selten vom allgemeinen Durchschnitt ab, selbst vor dem Hintergrund kraftvoller Ròu Guì und tiefer Shǔi Xiān.
13. Vergleich mit anderen Fujian-Oolongs:
| Parameter | Méi Zhàn (梅占) | Tiě Guānyīn (铁观音) | Ròu Guì (肉桂) | Shǔi Xiān (水仙) |
|---|---|---|---|---|
| Leitnote | Méihuā-Pflaume, Honig | Orchidee, Sahne | Zimt, Gewürze | Narzisse, Öligkeit |
| Stil | Anxi / Yán Chá | Anxi (Stilspektrum) | Nur Yán Chá | Yán Chá / Zhangping |
| Vielseitigkeit | Sehr hoch (Oolong, Schwarz, Grün, Weiß) | Mittel (nur Oolong) | Gering (nur Yán Chá) | Mittel (Yán Chá + Zhangping) |
| Morphologie | Hochwüchsiger Baum, lange Internodien | Strauch, kompakt | Strauch, mittelhoch | Baum, großblättrig |
| Spätreife | Spät (+7–10 Tage vs. TGY) | Standard | Standard | Standard |
| Coffeingehalt | ca. 4,4 % (hoch) | ca. 3–3,5 % | ca. 3–3,5 % | ca. 2,5–3 % |
14. Mögliche Gegenanzeigen:
- Individuelle Unverträglichkeit.
- Verschlimmerung einer Gastritis oder von Magengeschwüren – insbesondere Vorsicht mit der Wuyi-Version auf nüchternen Magen.
- Erhöhte Coffeinempfindlichkeit, Schlaflosigkeit – Coffeingehalt überdurchschnittlich (4,4 %).
- Schwangerschaft und Stillzeit – mäßiger Konsum.
- Einnahme von Eisenpräparaten – Polyphenole verringern die Resorption.
Fazit:
Méi Zhàn ist ein Tee für jene, die es lieben, wenn eine Sorte eine „Stimme“ hat. Sein pflaumig-blumiges Aroma ist keine abstrakte Blumigkeit, sondern eine konkrete, wiedererkennbare Note, die sich wie ein roter Faden durch alle Verarbeitungsstile zieht: leichter Anxi-Oolong, kraftvoller Wuyi-Yán Chá, vollmundiger Schwarztee. Es ist ein Chamäleon mit Charakter: Es wechselt den Stil, verliert sich aber nie. In seiner über zweihundertjährigen Geschichte hat Méi Zhàn den Weg vom namenlosen Setzling auf den Bergfeldern von Sānyáng zur offiziell bestätigten nationalen Sorte zurückgelegt, vom Geschenk eines Wanderers an einen dankbaren Bauern bis zur Gabe an den Vater der Republik China. Für den Kenner, der etwas jenseits der „großen Drei“ (Tiě Guānyīn, Dà Hóng Páo, Ròu Guì) sucht, ist Méi Zhàn die ideale Entdeckung: eine Sorte, in der das Aroma der Winterpflaumenblüte und eine zweihundertjährige Geschichte so eng miteinander verwoben sind, dass man das eine nicht vom anderen trennen kann.