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Méi Zhàn Hóng Chá

Méi zhàn hóngchá · 梅占红茶

Méi Zhàn Hóng Chá ist ein Roter Tee aus einem der vielseitigsten Kultivare Chinas: Méi Zhàn (梅占), „Die Pflaume, die den Vorrang erobert hat“. Diese legendäre Sorte aus Ānxī – eine der „Sechs berühmten Tees von Anxi“ (安溪六大名茶) – wurde als „Chamäleon der Teewelt“ bekannt: Aus ihr entstehen hervorragende Oolongs, rote,…

Méi Zhàn Hóng Chá ist ein Roter Tee aus einem der vielseitigsten Kultivare Chinas: Méi Zhàn (梅占), „Die Pflaume, die den Vorrang erobert hat“. Diese legendäre Sorte aus Ānxī – eine der „Sechs berühmten Tees von Anxi“ (安溪六大名茶) – wurde als „Chamäleon der Teewelt“ bekannt: Aus ihr entstehen hervorragende Oolongs, rote, grüne und weiße Tees. Doch gerade in seiner roten Spielart entfaltet Méi Zhàn seine prägnanteste Facette – ein hohes „Orchideen“-Aroma (兰花香) und einen tiefen, dichten, süß-würzigen Geschmack mit Noten von Méihuā-Pflaume.

1. Klassifikation und Herkunft:

  • Typ: Roter Tee (红茶, hóngchá), vollständig oxidiert.
  • Kategorie: Autoren-/Regionaler Roter Tee aus dem Kultivar Méi Zhàn. Kann auch als Rohmaterial für Bái Lín Gōngfū (白琳工夫) höchster Grade eingestuft werden.
  • Ursprung: Der Kultivar Méi Zhàn stammt aus dem Kreis Ānxī (安溪县, Ānxī Xiàn), Provinz Fújiàn – konkret aus dem Dorf Sānyáng (三洋村, Sānyáng Cūn), Gemeinde Lútián (芦田镇, Lútián Zhèn), am Berg Yíngpíngshān (银瓶山). Als Roter Tee wird Méi Zhàn vor allem in zwei Regionen produziert: Wǔyíshān (武夷山) – wo er für Premium-Rottees (u. a. „Jīn Méi Bīng Yá“ – 金梅冰芽) verwendet wird; Fúdǐng (福鼎) – wo er traditionell als hochwertiges Rohmaterial für Bái Lín Gōngfū diente; sowie in Ānxī selbst und anderen Teeanbaugebieten Fújiàns.
  • Geografische Koordinaten: ~25°03′ N, 117°57′ O (Ānxī, Heimat des Kultivars).

2. Geschichte und kulturelle Bedeutung:

  • Geschichte: Der Kultivar Méi Zhàn blickt auf über 200 Jahre zurück. Über seinen Ursprung existieren zwei Hauptlegenden. Die erste: Um 1810 (嘉庆十五年) begegnete der Bauer Yáng Yìtáng (杨奕糖) aus Sānyáng einem wandernden Alten mit Setzlingen und bewirtete ihn mit Reisbrei; zum Dank schenkte der Alte drei Teesetzlinge. Yáng pflanzte sie beim Haus „Yùshù Cuò“ (玉树厝), und innerhalb von zwei, drei Jahren wuchsen sie kräftig. Der örtliche Jǔrén (举人) Yáng Fēiwén (杨飞文) bemerkte, dass sich Blüten und Blätter dieses Tees wie Blütenblätter der Méihuā-Pflaume entfalteten und den Duft der Wachs-Pflaume (腊梅) verströmten, und nannte ihn „Méi Zhàn“ – „Die Pflaume, die den Vorrang erobert hat“. Die zweite Legende: 1821 (道光元年) sah ein Mitglied des Wáng-Clans aus Xīpíng in Lútián einen namenlosen Baum, und da er seinen Namen nicht kannte, erblickte er am Türportal die Inschrift „梅占百花魁“ („Die Pflaume steht an der Spitze der hundert Blumen“) – und übernahm den Namen „Méi Zhàn“.

    In den 1960er-Jahren begann Méi Zhàn, sich über alle Teeprovinzen Chinas auszubreiten. 1985 verlieh ihm das Staatliche Komitee für die Zulassung landwirtschaftlicher Sorten den Status einer nationalen Sorte (国家品种, GS13004-1985). Während des Tiě Guānyīn-Booms (1990er–2000er) rodeten viele Bauern in Ānxī ihren Méi Zhàn und ersetzten ihn durch Tiě Guānyīn. Die überlebenden alten Bäume (老枞, lǎo cóng) – 50 bis über 100 Jahre – wurden zur wertvollsten Ressource für die Herstellung von Premium-Rottees.

  • Name: „Méi“ (梅) – Méihuā-Pflaume; „Zhàn“ (占) – „einnehmen, den Vorrang erobern“. Die vollständige Bedeutung: „Die Pflaume, die den ersten Platz unter den Blumen erobert hat“ (梅占百花魁) – eine Anspielung darauf, dass die Blüten dieses Teebaums an Blütenblätter der Méihuā-Pflaume erinnern und sein Aroma an die Wachs-Pflaume.

  • Kulturelle Bedeutung: Méi Zhàn ist einer der „Sechs berühmten Tees von Ānxī“ (安溪六大名茶), zusammen mit Tiě Guānyīn, Huángjīnguì, Běn Shān, Máociè und Dàyècūn. Der Dichter Lín Hènián (林鹤年), einer der „Acht großen Dichter Fújiàns“ der späten Qīng-Zeit und gebürtig aus Lútián, schrieb: „种梅三万株,终老吾何悔“ („Ich pflanze dreißigtausend Méi-Sträucher – und altere ohne Reue“).

3. Botanische Beschreibung und Rohmaterial:

  • Sorte / Kultivar: Méi Zhàn (梅占), auch Dàyè Méizhàn (大叶梅占, „Großblättriger Méi Zhàn“), Gāojiǎo Wūlóng (高脚乌龙, „Hochbeiniger Oolong“). Nationale Sorte (GS13004-1985), Camellia sinensis. Klonale Linie (无性系), kleiner Baum (小乔木型), mittel- bis großblättrig (中叶类), mittlere Austriebszeit (中芽种). Die Pflanze ist hoch (bis 1,6 m), mit geradem Stamm, ausgeprägtem Haupttrieb und langen Internodien. Die Blätter sind lang, elliptisch, dunkelgrün, fest, mit nach innen gebogenen Rändern. Méi Zhàn ist ein Rekordhalter in Anpassungsfähigkeit: „Was man auch macht – es wird gut“ (百变茶青). Er eignet sich für Oolong, Roten, Grünen und Weißen Tee.
  • Chemische Zusammensetzung des Rohmaterials (Frühjahr, eine Knospe + zwei Blätter): Aminosäuren – 3,6 %; Tee-Polyphenole – 27,5 %; Catechine – 18,1 %; Koffein – 4,4 %.
  • Ernte: Frühjahr (am wertvollsten), Sommer, Herbst. Mitte April ist der Höhepunkt der Frühjahrsernte. Handpflückung.
  • Pflückstandard: Eine Knospe mit ein bis zwei Blättern für Premium-Qualitäten (u. a. „Jīn Méi“ – reine Knospe); eine Knospe mit zwei bis drei Blättern für Standardqualitäten.
  • Anforderungen an das Rohmaterial: Zarte, frühe Pflückung ist unerlässlich – die Triebe von Méi Zhàn verholzen schnell (持嫩性较差), was Schnelligkeit erfordert.

4. Terroir und Anbaubesonderheiten:

  • Heimat – Ānxī, Lútián: Ein Berggebiet im Süden Fújiàns. Höhenlage 400–1.200 m. Subtropisches Monsunklima, reichliche Niederschläge, häufige Nebel, fruchtbare, schwach saure rote Böden. Der Berg Yíngpíngshān (银瓶山, 1.200 m) ist der Ursprungsort des Kultivars.
  • Wǔyíshān: Roter Tee Méi Zhàn wird auch im Wǔyí-Gebirge produziert, wo dieser Kultivar Anfang des 20. Jahrhunderts (Mínguó-Periode) eingeführt wurde. Das Wǔyíshān-Terroir verleiht ihm den charakteristischen „Yányùn“ (岩韵, „Felsen-Melodie“).
  • Fúdǐng: Traditionelles Produktionsgebiet für Bái Lín Gōngfū, wo Méi Zhàn als hochwertiges Rohmaterial diente.
  • Verbreitung: Seit den 1960er-Jahren wird Méi Zhàn in ganz China angebaut – Guǎngdōng, Jiāngxī, Zhèjiāng, Ānhuī, Húnán, Húběi, Jiāngsū, Guǎngxī sowie auf Táiwān. Dank seiner hohen Anpassungsfähigkeit und seines Ertrags (200–350 kg/mǔ) wurde er zu einem der am weitesten verbreiteten Universalkultivare.

5. Herstellungstechnologie:

Méi Zhàn Hóng Chá wird nach dem Standardschema für vollständig fermentierten Roten Tee hergestellt: Welken → Rollen → Fermentation → Trocknen → Sortieren. Die Besonderheit liegt in der Aufmerksamkeit für die „Entfaltung“ des Orchideenaromas.

  • Pflücken (采摘 — cǎizhāi): Von Hand. Früh und zart (早采嫩采) – die Triebe verholzen rasch.
  • Welken (萎凋 — wěidiāo): Sonnen- oder Raumwelke, 12–18 Stunden. Der Grad wird kontrolliert – „nicht übertrocknen“, Frische bewahren und die Aromabildung in Gang setzen.
  • Rollen (揉捻 — róuniǎn): Maschinell oder von Hand. Es entstehen feste, lange, dünne Teeblätter. Méi Zhàn gibt aufgrund des fleischigen Blattes reichlich Saft ab.
  • Fermentation / Oxidation (发酵 — fājiào): 3–5 Stunden bei ~25–28 °C. Der entscheidende Orientierungspunkt ist das Auftreten der Orchideen-Pflaumen-Note. Überfermentation ergibt einen „flachen“ Geschmack; Unterfermentation – Bitterkeit.
  • Trocknen (烘干 — hōnggān): Mit Heißluft oder über Holzkohle. Bei Versionen aus Ānxī wird manchmal eine zusätzliche Erwärmung (提香, tíxiāng – „Das Aroma heben“) angewendet.
  • Sortieren (分级 — fēnjí): Manuelle Endauslese.

6. Organoleptische Eigenschaften:

  • Aussehen des trockenen Blattes: Feste, lange, eng gerollte Streifen (条索紧结细长). Farbe – schwarz, ölig glänzend (乌黑油润), bei Spitzenqualitäten mit goldenen Tips. Die Blätter sind gleichmäßig und ganz.
  • Aroma des trockenen Blattes: Das Markenzeichen – ein hohes, „durchdringendes“ Aroma (香气高锐): Orchidee (兰花香), Méihuā-Pflaume (梅花香), Honig, Trockenfrüchte. Bei Wǔyíshān-Versionen eine zusätzliche mineralische „Fels“-Nuance. Das Aroma ist anhaltend und unverwechselbar.
  • Aroma des Aufgusses: Vielschichtig – Orchidee, Pflaume, Honig, Karamell, leichte würzige Noten. Mit jedem Aufguss verstärken sich die süßen Honig-Frucht-Töne.
  • Geschmack: Dicht, vollmundig, „samtig“ (味厚). Dominanten sind Orchidee, Pflaume, Honig, Karamell, leichte Schokoladen-Obertöne. Die Adstringenz ist moderat, „seidig“. Natürliche Süße. Der Nachgeschmack ist langanhaltend, mit einer Orchideen-Pflaumen-Nuance. Huígān (回甘) – ausgeprägt.
  • Farbe des Aufgusses: Orange-bernsteinfarben bis rubinrot, leuchtend, klar, bei Spitzenqualitäten mit einem „goldenen Ring“ (金圈).
  • Teeblattgrund: Große, ganze, elastische Blätter von kupferroter Farbe. Die Blattränder zeigen einen roten Saum (红边显).

7. Chemische Zusammensetzung:

  • Polyphenole: 27,5 % im Rohmaterial (überdurchschnittlich); während der Fermentation intensive Bildung von Theaflavinen und Thearubigenen, die die satte Farbe und den „Körper“ formen.
  • Aminosäuren: 3,6 % – sorgen für Süße und Weichheit.
  • Koffein: 4,4 % – ein mäßig hoher Gehalt, der eine spürbar anregende Wirkung entfaltet.
  • Catechine: 18,1 % – wandeln sich bei der Fermentation in Theaflavine und Thearubigene um.
  • Aromastoffe: Linalool, Nerol, Geraniol – bilden den charakteristischen „Orchideen-Pflaumen“-Komplex.

8. Wohltuende Eigenschaften:

  • Milde Belebung (Koffein + L-Theanin). Antioxidative Wirkung (hoher Polyphenolgehalt). Förderung der Verdauung. Wärmende Wirkung. Antibakterieller Effekt. Anti-Stress-Wirkung.

9. Zubereitung:

  • Wassertemperatur: 90–95 °C.
  • Teemenge: 4–5 g auf 100–120 ml (Gōngfū-Methode); 3 g auf 200–250 ml (europäische Methode).
  • Gefäß: Porzellan-Gàiwǎn – öffnet das Orchideenaroma ideal.
  • Ablauf: Vorwärmen → Einfüllen → ggf. kurzes Waschen → erster Aufguss 10–15 Sek. → 5–8 Aufgüsse, wobei die Ziehzeit um je 5–10 Sek. verlängert wird.

10. Lagerung:

Luftdichter Behälter, trockener, kühler Ort, 10–25 °C, bis zu 18 Monate. Kein Kühlschrank erforderlich.

11. Preis und Fälschungen:

Méi Zhàn Hóng Chá ist ein Tee des mittleren Preissegments: Standard – 200–600 CNY/500 g; von alten Bäumen (老枞) – 800–2.000 CNY; „Jīn Méi“ (reine Knospe) – bis zu über 3.000 CNY.

So vermeidet man Fälschungen:

  • Achten Sie auf das charakteristische „Orchideen-Pflaumen“-Aroma – es ist der Marker für echten Méi Zhàn.
  • Beurteilen Sie die Teeblätter: lang, fest, schwarz mit Glanz.
  • Der Aufguss – orange-bernsteinfarben, klar. Trübe ist ein Zeichen minderer Qualität.
  • Erfragen Sie die Herkunft: Ānxī, Wǔyíshān, Fúdǐng sind die Hauptregionen.

12. Interessante Fakten:

  • „Chamäleon der Teewelt“: Méi Zhàn ist einer der wenigen Kultivare, aus dem man jede Teesorte herstellen kann: Oolong (hell und dunkel), Roten, Grünen, Weißen Tee. Und in jeder Rolle zeigt er seine charakteristische „Pflaumen“-Handschrift.
  • „Stiehlt nicht den Duft anderer“: In Wǔyíshān wird Méi Zhàn als Komponente für Blends geschätzt – er bereichert die Mischung, ohne andere Sorten zu überdecken (拼茶不夺他茶香).
  • Dreißigtausend Sträucher: Der Dichter Lín Hènián aus Lútián (späte Qīng-Zeit) widmete Méi Zhàn die Zeilen: „种梅三万株,终老吾何悔“ – „Ich pflanze dreißigtausend Méi-Sträucher – und altere ohne Reue“.
  • Opfer des Tiě Guānyīn-Booms: In den 1990er- und 2000er-Jahren führte die massenhafte Ersetzung von Méi Zhàn durch Tiě Guānyīn zum Verschwinden der meisten alten Pflanzungen in Ānxī. Die überlebenden alten Bäume (50–100+ Jahre) sind eine äußerst wertvolle Ressource.
  • Hochwertiges Rohmaterial für Bái Lín Gōngfū: Historisch wurden die besten Partien von Bái Lín Gōngfū aus Méi Zhàn hergestellt – eine Tatsache, die seine hervorragenden „roten“ Qualitäten unterstreicht.

13. Vergleich mit anderen Roten Tees:

  • Jīn Jùn Méi (金骏眉): Reine Knospe, aus Càichá Tóngmù. Süßer, honigartiger, „luftiger“. Méi Zhàn Hóng Chá ist dichter, mit einem strahlenden Orchideen-Pflaumen-Aroma und größerer Fülle.
  • Zhèng Shān Xiǎo Zhǒng (正山小种): Der „Urvater“ – mit einer Longan-Note und (bei geräucherten Versionen) Rauch. Méi Zhàn Hóng Chá ist ohne Rauch, mit einem völlig anderen Aromaprofil (Orchidee, Pflaume).
  • Qí Mén Hóng Chá (祁门红茶): Das „Qímén-Aroma“ – fein, „introvertiert“, Rosen-Honig-artig. Méi Zhàn ist leuchtender, „lauter“, mit einer durchdringenden Orchideen-Note.
  • Méi Zhàn Wūlóng (梅占乌龙): Derselbe Kultivar, aber nach Oolong-Technologie verarbeitet. Der Oolong ist „grüner“, blumiger, mit ausgeprägtem Huígān. Der Rote Tee ist voller, gesättigter, mit karamell-schokoladiger Tiefe.

Zum Abschluss:

Méi Zhàn Hóng Chá ist ein Tee mit Charakter: strahlend, selbstbewusst, großzügig. Das Orchideen-Pflaumen-Aroma, das ihm von dem legendären Kultivar vom Berg Yíngpíngshān mitgegeben wurde, versteckt sich nicht und flüstert nicht – es erklingt vom ersten Aufguss an mit voller Stimme. Es ist ein Tee für diejenigen, die im Roten Tee nicht nur Milde, sondern auch Kraft schätzen; nicht nur Süße, sondern auch Tiefe.

„Ich pflanze dreißigtausend Méi-Sträucher – und altere ohne Reue“ – diese Zeilen eines Ānxī-Dichters des 19. Jahrhunderts klingen heute wie eine Prophezeiung: Méi Zhàn, der den Tiě Guānyīn-Boom überlebt hat und beinahe verschwunden wäre, kehrt zurück – und vor allem im Roten Tee, wo seine Stimme lauter und überzeugender klingt denn je.