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Hóng'ān Lǎojūnméi

Hóng'ān lǎojūnméi · 红安老君眉

Hóng'ān Lǎojūnméi ist ein grüner Tee aus Hubei vom Kombinationstyp „hōng chǎo“ (烘炒, hōng chǎo – Trocknen und Rösten), der im Kreis Hóng'ān am Südfuß des Dàbié-Shān-Gebirges produziert wird. Der Tee trägt seit 2011 ein geografisches Herkunftssiegel auf nationaler Ebene und einen Namen von literarischem Ruhm:…

Hóng’ān Lǎojūnméi ist ein grüner Tee aus Hubei vom Kombinationstyp „hōng chǎo“ (烘炒, hōng chǎo – Trocknen und Rösten), der im Kreis Hóng’ān am Südfuß des Dàbié-Shān-Gebirges produziert wird. Der Tee trägt seit 2011 ein geografisches Herkunftssiegel auf nationaler Ebene und einen Namen von literarischem Ruhm: „Lǎojūnméi“ ist eine der rätselhaftesten Teebezeichnungen in Cáo Xuěqíns Roman „Hónglóu Mèng“ (Der Traum der Roten Kammer). Die moderne Variante aus Hóng’ān ist ein eigenständiges Produkt, das Ende der 1990er Jahre in gemeinsamer Arbeit lokaler Agronomen und Wissenschaftler der Huázhōng-Landwirtschaftsuniversität wiederbelebt wurde.

1. Klassifikation und Herkunft:

  • Typ: Grüner Tee (绿茶, lǜchá), unfermentiert, vom Kombinationstyp „hōng chǎo“ (烘炒, Trocknen + Rösten).
  • Kategorie: Regionale grüne Tees aus Hubei; Produkt mit nationalem geografischen Herkunftssiegel.
  • Herkunft: China, Provinz Hubei (湖北省, Húběi shěng), Kreis Hóng’ān (红安县, Hóng’ān xiàn). Kernregionen: Gemeinde Huájiāhé (华家河镇) – Berg Lǎojūnshān (老君山) und Berg Jīnniúshān (金牛山); Gemeinde Qīlǐpíng (七里坪镇) – Berg Tiāntáishān (天台山) und Bergkette Zǐyúnzhài (紫云寨). Auf diese Gebiete entfallen bis zu 90 % der Sonderklasse-Produktion.
  • Geografische Koordinaten: etwa 31°20′ n. Br., 114°40′ ö. L.

2. Geschichte und kulturelle Bedeutung:

  • Geschichte: Der Name „Lǎojūnméi“ (老君眉, „Augenbraue des Alten Meisters“, d. h. Lǎozǐ) erlangte erstmals weite Bekanntheit durch Cáo Xuěqíns (曹雪芹, Cáo Xuěqín) Roman „Hónglóu Mèng“ (红楼梦, Hónglóu Mèng, „Der Traum der Roten Kammer“). Im einundvierzigsten Kapitel wird eine Szene beschrieben, in der die Nonne Miàoyù der Matriarchin Jiǎ Tee mit den Worten reicht: „Dies ist Lǎojūnméi.“ Die Frage nach der Herkunft des im Roman beschriebenen Tees bleibt umstritten: Manche Forschung bringt ihn mit dem weißen Tee Jūnshān Yínzhēn (君山银针) von der Insel Jūnshān im Dòngtíng-See (Hunan) in Verbindung, andere mit einem namentlich benannten Strauch der Wǔyí-Felsentees (武夷岩茶) aus Fujian, der in den Quellen „Mǐnchǎn yìlù“ (闽产录异) und „Chóngzuǎn Guāngzé xiànzhì“ (重篡光泽县志) aus der Qīng-Zeit erwähnt wird. Der moderne Lǎojūnméi aus Hubei hingegen ist ein eigenständiges Erzeugnis, das in einer völlig anderen Region und mit anderer Technologie hergestellt wird. Seine Verbindung zum literarischen Vorbild ist kulturell-assoziativ, nicht direkt historisch.

    Die Wiederbelebung der Teeproduktion im Kreis Hóng’ān begann 1998, als das Kreisforstamt gemeinsam mit der Huázhōng-Landwirtschaftsuniversität (华中农业大学, Huázhōng Nóngyè Dàxué) eine moderne Technologie entwickelte, die traditionelle Handarbeit mit den Errungenschaften der Teewissenschaft verband. Bereits im Jahr 2000 erhielt der neue Tee eine Goldmedaille des Zweiten Internationalen Wettbewerbs für Namenstees. 2008 schlossen sich fünf staatliche Forstbetriebe des Kreises zu dem Unternehmen „Lǎojūnméi Cháchǎng“ (老君眉茶场) zusammen. 2011 wurde dem Tee das nationale geografische Herkunftssiegel verliehen. Bis 2024 erreichte die Anbaufläche 32.000 Mu (rund 2.133 ha), der Gesamtwert der Produktion überstieg 900 Millionen Yuan, und das Unternehmen nahm eine automatisierte Produktionslinie in Betrieb.

  • Name: 红安 (Hóng’ān) – „Rote Ruhe“, Name des Kreises, der als Geburtsort vieler Persönlichkeiten der chinesischen Revolution bekannt ist. 老君 (Lǎojūn) – „Alter Meister“, respektvolle Bezeichnung für Lǎozǐ (老子), den Begründer des Daoismus. 眉 (méi) – „Augenbraue“, ein Hinweis auf die charakteristische Blattform, die an eine dünne, elegant geschwungene Braue erinnert.

  • Kulturelle Bedeutung: Der Tee nimmt eine zwiespältige kulturelle Stellung ein: Einerseits wird er mit der erlesenen literarischen Tradition des „Hónglóu Mèng“ verbunden, andererseits mit der revolutionären Geschichte des Kreises Hóng’ān, der zur „roten Basis“ Dàbiéshān (大别山革命老区) gehört. Der Kreis Hóng’ān ist als „Heimat von zweihundert Generälen“ bekannt – hier wurden über zweihundert Befehlshaber der Volksbefreiungsarmee Chinas geboren – und die Teekultur wird als Teil der lokalen Identität verstanden, die die bergige Lebensweise mit revolutionärer Selbstversorgung verknüpft. Die Verbindung klassischer Ästhetik mit dem Bild der „roten Erde“ verleiht der Marke einzigartiges Marketingpotenzial. Der Tee wurde mehrfach mit dem Status „Berühmte Marke Hubeis“ (湖北名牌) und Auszeichnungen internationaler Messen geehrt, darunter eine Goldmedaille der XVII. Chinesischen Lebensmittelmesse (2008).

3. Botanische Beschreibung und Blattmaterial:

  • Sorte / Cultivar: Die Grundlage des Rohmaterials bilden lokale Landsorten (当地群体种, dāngdì qúntǐ zhǒng) – vorwiegend baumartige (乔木型) ursprüngliche Populationen mit dicken Blattspreiten und einem Polyphenolgehalt von ≥28 %, die sich gut für körperreiche Grüntees eignen. Zur Erhöhung der Triebgleichmäßigkeit und der Behaarungsdichte wurden zudem Klonsorten von Camellia sinensis var. sinensis eingeführt: Lóngjǐng 43 (龙井43, Lóngjǐng 43) und Bái Háo Zǎo (白毫早, Báiháo Zǎo).
  • Pflückung: Hauptpflückung im frühen Frühjahr; die höchste Qualität liefert Blattgut, das vor dem Qīngmíng-Fest (明前茶, míngqián chá) geerntet wird. Standard der Sonderklasse: ganze Knospe oder eine Knospe mit einem Blatt im Anfangsstadium der Entfaltung.
  • Pflückstandard: Sonderklasse – ganze Knospe oder eine Knospe mit einem Blatt (≥90 % Knospenanteil); erste Klasse – eine Knospe mit einem Blatt; zweite Klasse – eine Knospe mit zwei Blättern.
  • Ökologische Anforderungen: Die Plantagen liegen in einer Zone mit hundertprozentigem Verbot chemischer Pestizide; zur Schädlingsbekämpfung wird biologische Kontrolle eingesetzt – insbesondere Marienkäfer (瓢虫, piáochóng) zur Unterdrückung von Blattläusen. Die Wasserversorgung erfolgt über Gebirgsquellen, die dem nationalen Standard der Kategorie I entsprechen.

4. Terroir und Besonderheiten des Anbaus:

  • Klima und Relief: Südlicher Makrohang des Dàbié-Shān-Gebirges (大别山, Dàbié Shān). Jahresmitteltemperatur 15,7 °C, Tagestemperaturspanne über 10 °C, Jahresniederschlagsmenge über 1.200 mm. Nebeltage über 150, Anteil diffusen Lichts über 70 %. Der starke Tag-Nacht-Temperaturunterschied verlangsamt die Veratmung von Zuckern und begünstigt deren Anreicherung im Blatt, was die ausgeprägte Süße des Geschmacks formt.
  • Anbauhöhe: 400–800 m ü. NN.
  • Böden: Schwach saure gelbbraune Böden (黄棕壤, huáng zōng rǎng), pH 4,0–6,5, Gehalt an organischer Substanz ≥15 g/kg. Die Böden sind reich an Zink und Selen, was sich in der mineralischen Zusammensetzung des Tees widerspiegelt.
  • Besonderheiten des Anbaus: Der Bewaldungsgrad der Umgebung der Teeplantagen erreicht 98 % – einer der höchsten Werte unter den Teeanbaugebieten Chinas. Die Teegärten sind mit Waldflächen durchsetzt, die eine natürliche Barriere gegen Verunreinigungen bilden. Die Plantagen liegen an steilen Berghängen mit guter Drainage, wo das Wurzelsystem der Teebüsche tief in mineralisiertes Gestein vordringt und das Blatt mit Spurenelementen anreichert. Die Quellwässer, die die Plantagen speisen, entsprechen dem nationalen Standard der Kategorie I, was eine Grundvoraussetzung für die Reinhaltung des Geschmacksprofils ist. Das Bergrelief sorgt zudem für natürliche Belüftung, die das Risiko von Pilzerkrankungen senkt und den Verzicht auf chemische Fungizide ermöglicht.

5. Herstellungstechnologie:

Hóng’ān Lǎojūnméi wird nach einer kombinierten Technologie hergestellt, die Rösten (炒, chǎo) und Trocknen (烘, hōng) mit einem abschließenden Schritt der „Aroma-Versiegelung über Holzkohle“ vereint:

  1. Ausbreiten des Frischblatts (鲜叶摊晾, xiānyè tānliàng): 3–4 Stunden; das Blatt verliert einen Teil der Feuchtigkeit und erlangt die für die Fixierung nötige Geschmeidigkeit.
  2. „Grüntötung“ (杀青, shāqīng): Erfolgt in einem geneigten Wok (斜锅, xié guō) bei 140–160 °C. Dabei kommt die Technik der „sechs Handbewegungen“ (六动手法, liù dòng shǒufǎ) zum Einsatz: Schütteln (抖, dǒu), Greifen (抓, zhuā), Andrücken (压, yā), Schieben (推, tuī), Ziehen (拉, lā) und Schleifen (磨, mó). Der Wechsel von „Schütteln“ und „Ruhenlassen“ gewährleistet eine gleichmäßige Fixierung ohne Anbrennen.
  3. Rollen (揉捻, róuniǎn): Grad der Strangbildung (成条率) mindestens 90 %; das Blatt erhält die charakteristische dichte „Brauen“-Form.
  4. Formgebung (做形, zuò xíng): Maschinelles Ausrichten bei 90–100 °C, das den Teeblättern eine gerade, dünne Form verleiht.
  5. Trocknung (干燥, gānzào): Bei 80–90 °C, erste Fixierung der Form.
  6. Aroma-Versiegelung über Holzkohle (增香, zēng xiāng): Letzter Schritt bei 90–100 °C auf Holzkohle (炭火锁香, tànhuǒ suǒ xiāng) – langsames Nachtrocknen bis zur Entfaltung eines nachhaltigen Kastanienaromas. Die Holzkohlenhitze ist milder als elektrische Hitze und vermeidet Brandnoten.

6. Organoleptische Eigenschaften:

  • Erscheinungsbild des trockenen Blattes: Dünne, dichte, gerade Teeblätter von rundlichem Querschnitt (条索紧细圆直), die an eine elegante Braue erinnern (似眉形). Weißer Flaum gut sichtbar; Farbe dunkelgrün mit silbrigem Schimmer.
  • Aroma des trockenen Blattes: Kastanie (栗香, lì xiāng) als Hauptton, mit zarten Noten von jungem Teeblatt (嫩香, nèn xiāng) und einem leichten blumigen Akzent bei der Sonderklasse. Das Aroma bleibt auf der kalten Tasse über 5 Minuten erhalten.
  • Aroma des Aufgusses: Rein, nachhaltig, mit einer dominanten Kastaniennote und einer tiefgrünen Grundlage. Beim Abkühlen treten feine blumige Obertöne hervor.
  • Geschmack: Dicht und vollmundig (醇厚, chún hòu) durch den hohen Polyphenolgehalt; frisch (鲜爽, xiān shuǎng) dank der Aminosäuren; deutlich süß (甘甜, gān tián) mit ausgeprägtem Huí Gān. Die Balance zwischen Fülle und Frische ist die wichtigste geschmackliche Tugend dieses Tees.
  • Aufgussfarbe: Smaragdgrün (翠绿), klar und leuchtend (清澈明亮).
  • Teebasis (aufgegossenes Blatt): Zartgrün, gleichmäßig, weich; die Blättchen entfalten sich zu „Blüten“ (成朵) und demonstrieren die Unversehrtheit des Blattguts.

7. Chemische Zusammensetzung:

  • Polyphenole (Catechine): ≥28 % – ein für grünen Tee aus mittelblättrigem Material vergleichsweise hoher Wert; sorgt für Fülle und „Körper“ des Geschmacks sowie starke antioxidative Aktivität.
  • Aminosäuren (u. a. L-Theanin): Bedeutender Gehalt dank des Bergklimas mit großen Temperaturgegensätzen; formen Frische und Süße.
  • Lösliche Zucker: Hoher Gehalt aufgrund des Bergterroirs; beteiligen sich an der Entstehung des Huí Gān.
  • Alkaloide: Coffein, Theobromin, Theophyllin – das übliche Spektrum, das eine anregende Wirkung gewährleistet.
  • Spurenelemente: Zink und Selen – Resultat der Mineralisierung der gelbbraunen Böden des Dàbié-Shān.
  • Vitamine: Vitamin C (bedeutender Gehalt im Frühlingsblatt), B-Gruppe, Vitamin K.
  • Ätherische Öle: Kastanien- und zartblumige Aromakomponenten, die beim Schritt der Holzkohle-Nachtrocknung fixiert werden. Gerade das „Versiegeln des Aromas über Holzkohle“ (炭火锁香) gilt als entscheidend für die Ausbildung des charakteristischen anhaltenden Kastanientons, der Hóng’ān Lǎojūnméi von den meisten mit elektrischer Hitze verarbeiteten grünen Tees Hubeis unterscheidet.
  • Teepolysaccharide: In nennenswerten Mengen vorhanden; können zur Verlangsamung der Glucoseaufnahme beitragen.

8. Wohltuende Eigenschaften:

  1. Antioxidativer Schutz: Catechine neutralisieren freie Radikale wirksam und tragen zur Verlangsamung zellulärer Alterungsprozesse bei.
  2. Förderung der Verdauung: Polyphenole steigern die Lipase-Aktivität und erleichtern die Fettspaltung; besonders nützlich nach üppiger Mahlzeit.
  3. Tonisierende Wirkung: Coffein in Verbindung mit L-Theanin sorgt für sanfte, anhaltende Wachheit ohne abrupte Spitzen.
  4. Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems: Catechine mindern die Lipidablagerung in den Gefäßwänden.
  5. Regulierung des Blutzuckerspiegels: Teepolysaccharide verlangsamen die Glucoseaufnahme, was bei der Blutzuckerkontrolle hilfreich sein kann.
  6. Mineralstoffzufuhr: Zink und Selen unterstützen die Immunfunktion und die Gesundheit der Schilddrüse.
  7. Kognitive Unterstützung: L-Theanin fördert einen Zustand ruhiger Konzentration.
  8. Stärkung des Zahnschmelzes: Fluorid und Polyphenole hemmen das Wachstum kariogener Bakterien.

9. Aufbrühung:

  • Wassertemperatur: 80–85 °C (abgekühltes kochendes Wasser, etwa 90 Sekunden). Für die Sonderklasse werden 80 °C empfohlen.
  • Teemenge: 3 g auf 150 ml (Verhältnis 1:50).
  • Geschirr: Ein Glasbecher zur Beobachtung des „Blättertanzes“ (观茶舞, guān chá wǔ); ein weißes Porzellan-Gài Wǎn zur Aromakonzentration (聚香, jù xiāng).
  • Wasser: Neutrales oder schwach saures Quellwasser; alkalisches Wasser ist nicht empfehlenswert, da es das Kastanienaroma unterdrückt.
  • Ablauf:
    1. Das Geschirr mit heißem Wasser vorwärmen.
    2. Den Tee einfüllen.
    3. Methode des mittleren Aufgusses (中投法, zhōng tóu fǎ): Wasser bis zu 1/3 des Volumens eingießen, das Glas schwenken, um das Aroma zu „erwecken“ (摇香, yáo xiāng), dann bis auf 7/10 des Volumens aufgießen.
    4. Erster Aufguss – 2 Minuten.
    5. 3 weitere Aufgüsse mit allmählich verlängerter Ziehzeit.
  • Verzehrempfehlungen: Nicht auf nüchternen Magen trinken – der hohe Gehalt an Gerbstoffen kann die Magenschleimhaut reizen. Optimal ist der Genuss eine Stunde nach der Mahlzeit. Tagesmenge nicht mehr als 600 ml (um eine übermäßige Coffeinaufnahme zu vermeiden). Bei Einnahme eisenhaltiger Präparate sollte zwischen Medikament und Teegenuss eine Pause von mindestens einer Stunde liegen, da Tannine die Eisenaufnahme mindern können.

10. Lagerung:

  • Behälter: Luftdichte Verpackung, Schutz vor Licht, Fremdgerüchen und Feuchtigkeit.
  • Temperatur: 0–5 °C (Kühlschrank); Haltbarkeit bei korrekten Bedingungen 12 Monate.
  • Nach dem Öffnen: Im Kühlschrank in dicht verschlossenem Behältnis aufbewahren, innerhalb von 4–6 Wochen verbrauchen.
  • Wichtig: Vor dem Öffnen die dem Kühlschrank entnommene Packung verschlossen auf Raumtemperatur bringen lassen, um Kondensation zu vermeiden.

11. Preis und Fälschungen:

  • Preisrichtwerte: Sonderklasse (ganze Knospe) – 800–1.000 Yuan/Jīn; erste Klasse – 300–500 Yuan/Jīn (lose); zweite Klasse – ab 160 Yuan/Jīn.
  • Preisfaktoren: Erntezeitpunkt (Míngqián doppelt so teuer wie Yǔqián), Plantagengebiet (Lǎojūnshān und Tiāntáishān sind Premiumlagen), Hand- oder Maschinenarbeit.
  • Fälschungen vermeiden:
    • Bei lizenzierten Betrieben aus dem geografischen Herkunftsgebiet des Kreises Hóng’ān kaufen.
    • Auf die charakteristische „brauenartige“ Form der Blätter achten: Sie sollten dünn, gerade und dicht sein, ohne bröselige Bruchstücke.
    • Das Kastanienaroma beurteilen: Beim echten Tee ist es rein, ohne rauchige, säuerliche oder muffige Noten.
    • Der Aufguss sollte smaragdgrün und klar sein; Trübung oder Gelbstich sind Zeichen minderer Qualität oder falscher Lagerung.
    • Vorsicht bei Tees mit der Bezeichnung „Lǎojūnméi“ aus anderen Regionen – es kann sich um einen Wǔyí-Felsentee (völlig andere Kategorie) oder eine marketinggetriebene Imitation handeln.

12. Interessante Fakten:

  1. Literarisches Rätsel: In der Forschung zum „Hónglóu Mèng“ besteht bis heute keine Einigkeit darüber, welchen Tee Cáo Xuěqín mit dem Namen „Lǎojūnméi“ meinte. 1985 kommentierte der Verlag Rénmín Wénxué ihn als „weißen Tee von der Insel Jūnshān“, doch 2007 argumentierten auf einer wissenschaftlichen Konferenz in Wǔyíshān mehrere Experten, es handele sich um einen halbfermentierten Felsentee – einen namentlich geführten Strauch, der im Qīng-zeitlichen „Mǐnchǎn yìlù“ vermerkt ist. Der Lǎojūnméi aus Hóng’ān hingegen ist ein Produkt moderner Teekultur, das kein direktes Erbe des literarischen Vorbilds beansprucht, aber dessen Anspielungen geschickt nutzt.

  2. Biologische Schädlingsbekämpfung: Statt Pestiziden werden auf den Plantagen Marienkäfer eingesetzt – einer der seltenen Fälle eines kreisweit systemischen Gebrauchs von Entomophagen im chinesischen Teeanbau.

  3. Innovativer Schwarztee: 2024 entwickelte das Unternehmen ein neues Produkt – einen Schwarztee (红茶) aus dem Sommer-Herbst-Blatt der Lǎojūnshān-Plantagen. Aufguss leuchtend rot mit goldenem Rand, Aroma honigartig mit blumigen Noten. Dies ist der erste Schwarztee in einer Linie, die bisher ausschließlich mit grünem Tee verbunden war.

  4. „Sechs Handbewegungen“: Die Technik des „六动手法“ bei der Grüntötung im geneigten Wok gilt als eine der anspruchsvollsten manuellen Fertigkeiten in der Grüntee-Herstellung Hubeis. Das Können wird von Meister zu Schüler weitergegeben und erfordert jahrelange Übung, um die perfekte Geradheit des Teeblatts bei vollständigem Erhalt des weißen Flaums zu erzielen.

  5. „Achtundneunzig Prozent Wald“: Der Bewaldungsgrad rund um die Plantagen von Hóng’ān erreicht 98 % – ein Rekordwert unter den Teeanbaugebieten Hubeis. Dies schafft ein einzigartiges „Waldökosystem des Teegartens“, in dem die Biodiversität die Rolle einer natürlichen Pflanzenschutzkontrolle spielt.

13. Vergleich mit anderen Grüntees:

  • Ēnshī Yùlù (恩施玉露, Ēnshī Yùlù): Provinz Hubei (Ēnshī). Einer der wenigen chinesischen Grüntees, die nach japanischer Art mit Dampf fixiert werden (蒸青, zhēng qīng). Nadelartige Form, leuchtend grüne Farbe, Geschmack mit ausgeprägtem Umami. Ein grundlegend anderer technologischer Ansatz – Dampffixierung gegen Wok-Röstung beim Lǎojūnméi.

  • Liù’ān Guā Piàn (六安瓜片, Liù’ān Guā Piàn): Provinz Ānhuī. Berühmter grüner Tee, im selben Kapitel des „Hónglóu Mèng“ erwähnt. Einzigartig, da er ausschließlich aus Blattspreiten ohne Knospen und Blattstiele hergestellt wird. Form flache „Kerne“; Aroma kastanienartig mit Nuancen gerösteter Nüsse. Geschmack herber und dichter als der des Lǎojūnméi.

  • Jīnzhài Cuìméi (金寨翠眉, Jīnzhài Cuìméi): Provinz Ānhuī (Dàbié-Shān). Ein Nachbar am Dàbié-Shān-Gebirge, jedoch auf Ānhuī-Seite. Der Name enthält ebenfalls das Zeichen „Braue“ (眉). Feine nadelförmige Gestalt, smaragdgrüne Farbe, Aroma zart und blumig. Der Tee ist geschmacklich weniger dicht und hat einen geringeren Polyphenolgehalt.

  • Yīngshān Lǜ Zhū (英山绿珠, Yīngshān Lǜ Zhū): Provinz Hubei (Yīngshān). Ein weiterer grüner Bergtee Hubeis aus dem Dàbié-Shān-Gebiet, der jedoch zu Kügelchen („Perlen“) gerollt wird und nicht gerade ist. Geschmack weich, Aroma leicht blumig; deutlich weniger herb als Lǎojūnméi.

Zum Abschluss:

Hóng’ān Lǎojūnméi ist ein Tee mit literarischer Ahnenreihe und revolutionärer Geografie. Sein gerades, dünnes Blatt, das an die Augenbraue eines daoistischen Weisen erinnert, birgt die Kastanientiefe des Bergterroirs des Dàbié-Shān, die mineralische Kraft der zink- und selenreichen Böden und eine sanfte Süße, geboren aus den Nebeln auf fünfhundert Meter Höhe. Dies ist ein Tee für jene, die im grünen Tee nicht luftige Zartheit, sondern vollgewichtige Dichte und einen langen, umhüllenden Nachgeschmack schätzen. An der Jahrtausendwende durch das Zusammenspiel von Wissenschaft und Tradition wiedererweckt, gewinnt er weiter an Anerkennung – und wird vielleicht eines Tages den alten literarischen Streit endgültig beilegen, was die Matriarchin Jiǎ in der Klause der Miàoyù trank. Für den deutschen Teekenner bietet Hóng’ān Lǎojūnméi die seltene Gelegenheit, einen wenig bekannten, aber außergewöhnlich eigenständigen Zweig des chinesischen Grüntees kennenzulernen, in dem Bergökologie, daoistische Symbolik und moderne Wissenschaft in einer einzigen Porzellantasse zusammenfließen.