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Éméi xuě yá

Éméi xuě yá · 峨眉雪芽

Éméi xuě yá ist ein alter grüner Tee vom heiligen Berg Éméi (峨眉山, Éméishān), einer der vier großen buddhistischen Berge Chinas und UNESCO-Welterbestätte. Sein Name ist von der Natur selbst geboren: Jedes Frühjahr, wenn in den Ebenen Sichuans (四川, Sìchuān) die Felder schon ergrünen, liegt in den hochgelegenen Teegärten…

Éméi xuě yá ist ein alter grüner Tee vom heiligen Berg Éméi (峨眉山, Éméishān), einer der vier großen buddhistischen Berge Chinas und UNESCO-Welterbestätte. Sein Name ist von der Natur selbst geboren: Jedes Frühjahr, wenn in den Ebenen Sichuans (四川, Sìchuān) die Felder schon ergrünen, liegt in den hochgelegenen Teegärten des Éméishān noch Schnee – und durch ihn brechen die zartesten Knospen, die „Schneesprossen“ (雪芽, xuě yá). Mönche buddhistischer und daoistischer Klöster sammelten diesen Tee eineinhalb Jahrtausende lang, indem sie über die schmelzenden Schneefelder schritten.

1. Klassifizierung und Herkunft:

  • Typ: Grüner Tee (unfermentiert). Verarbeitung: Chaoqing (炒青, chǎoqīng, Wokröstung) mit abschließender Hochtemperatur-Aromaentfaltung (提香, tíxiāng).
  • Kategorie: Historisch berühmter Tee Chinas, der zu den „Zehn berühmten Tees“ der Tang- und Song-Dynastie (唐宋十大名茶) gehörte. Chinesische „Berühmte Marke“ (中国驰名商标, 2012). Einer der „Zehn berühmten Tees Sichuans“ (四川十大名茶).
  • Herkunft: China, Provinz Sichuan (四川, Sìchuān), Stadt Lèshān (乐山, Lèshān), Berg Éméishān (峨眉山, Éméishān). Das Kernanbaugebiet liegt innerhalb der 154 km² großen Schutzzone des UNESCO-Weltnatur- und -kulturerbes: die Gipfel Chìchéngfēng (赤城峰), Báiyánfēng (白岩峰), Yùnǚfēng (玉女峰), Tiānchífēng (天池峰), Jìngyuèfēng (竞月峰) sowie das Gebiet um das Kloster Wànniánsì (万年寺).
  • Geografische Koordinaten: Etwa 29°32′–29°36′ N, 103°20′–103°26′ O. Hauptgipfel: Wànfódǐng (万佛顶, 3099 m). Teegärten: in Höhenlagen von 800–1500 m.

2. Geschichte und kulturelle Bedeutung:

Geschichte. Die Teegeschichte des Éméishān reicht über 3000 Jahre zurück – hier wurden wilde, über 1000 Jahre alte Teebäume entdeckt. Bereits in der Jin-Dynastie (晋, 265–420) vermerkte der Chronist Cháng Qú (常璩, Cháng Qú) im Huáyáng guó zhì (华阳国志): „Nán’ān (heute Lèshān) und Wǔyáng bringen berühmte Tees hervor … südlich liegt der Berg Éméi.“ In der Sui- und Tang-Zeit (隋唐, Ende 6. – Anfang 7. Jh.) gaben die buddhistischen Mönche (茶僧, chásēng, „Teemönche“) des Éméishān diesem Tee den Namen „Éméi xuě míng“ (峨眉雪茗, „Schneeteetrank vom Éméi“).

In der Tang-Dynastie (唐), während der Regierungsdevise Xiǎnqìng (显庆, 656–661), wurde Éméi xuě yá offiziell in das Register der kaiserlichen Tributtees (贡茶, gòngchá) aufgenommen. Der Gelehrte Lǐ Shàn (李善, Lǐ Shàn) vermerkte in seinem Kommentar zum Zhāomíng Wénxuǎn (昭明文选注): „Auf dem Berg Éméi gibt es viel heilkräftiges Kraut, doch der Tee ist besonders vortrefflich – unübertroffen unter dem Himmel. Beim Kloster Hēishuǐsì (黑水寺) pflanzt man Tee an den steilen Felsen; sein Geschmack ist wunderbar, wobei die Triebe zwei Jahre nacheinander weiß behaart und im dritten Jahr grün sind – ein beständiger Wechsel ohne Ausnahme.“ Der Teeweise Lù Yǔ (陆羽, Lù Yǔ) nahm den Éméi-Tee in seinen Chájīng (茶经, „Teekanon“) auf. Der Tang-zeitliche Dichtermönch Jiǎ Dǎo (贾岛, Jiǎ Dǎo) pries ihn mit der Zeile: „yá xīn chōu xuě míng“ (芽新抽雪茗 – „Neue Knospen sprießen – Schneetee“).

Seinen heutigen Namen erhielt der Tee von dem großen Dichter Lù Yóu (陆游, Lù Yóu, 1125–1210). Im Jahr 1170 wurde Lù Yóu nach Jiāzhōu (heute Lèshān) versetzt, freundete sich mit dem Abt des Zhōngfēngsì (中峰寺), Mönch Biéfēng (别峰), an und liebte den örtlichen Tee. Als er sich 1181 vor seiner Versetzung nach Chóngzhōu verabschiedete, erhielt er von seinem Mönchsfreund ein Körbchen frisch zubereiteten Tee und schrieb begeistert: „xuě yá jìn zì Éméi dé, bù jiǎn hóng náng Gùzhǔ chūn“ (雪芽近自峨眉得,不减红囊顾渚春 – „Schneesprossen – soeben vom Éméi erhalten, stehen Gùzhǔs Frühling im roten Beutel nicht nach“). Mit diesen Zeilen war der Name „Éméi xuě yá“ für immer mit dem Tee verbunden.

Der Song-zeitliche Literat Sū Dōngpō (苏东坡, Sū Dōngpō) war ebenfalls ein treuer Verehrer des Éméi-Tees. In der Ming-Dynastie (明) verliehen die Kaiser Hóngwǔ (洪武, Zhū Yuánzhāng) und Wànlì (万历) den Klöstern des Éméishān Teeplantagen mit der Anweisung, „Chánchá (禅茶, ‚Zen-Tee‘) anzubauen und Tributtee herzustellen“. Die Tradition der kaiserlichen Tributlieferungen dauerte bis ans Ende der Qing-Dynastie (清).

Im Jahr 2012 erhielt „Éméi xuě yá“ den Status einer „Berühmten Marke Chinas“ (中国驰名商标). Im selben Jahr gewann der Tee zweimal den „World Best Tea Award“ (世界佳茗大奖) beim 9. Internationalen Wettbewerb der World Tea Association. 2013 wurde Éméi xuě yá zum offiziellen Tee der Bankette des Fortune Global Forum in Chengdu gewählt.

Der Name. Éméi (峨眉) – „Schöne Brauen“ – ist der poetische Name des Berges, dessen Gratlinie an die Biegung weiblicher Augenbrauen erinnert. Xuě (雪) bedeutet „Schnee“. Yá (芽) bedeutet „Knospe, Spross“. Der vollständige Sinn: „Schneesprossen vom Schönbrauenberg“ – ein Bild, das aus dem Brauch hervorging, die ersten Frühlingsknospen unmittelbar unter dem schmelzenden Schnee zu pflücken.

Kulturelle Bedeutung. Éméi xuě yá ist untrennbar mit dem spirituellen Leben des Berges verbunden. Die buddhistischen Klöster des Éméishān bewirtschafteten über eineinhalb Jahrtausende hinweg Teegärten als Teil der Nóngchán-Praxis (农禅, nóngchán – „Ackerbau-Meditation“). Jedes Jahr im März führten die Mönche die Gòngfó fǎhuì (供佛法会, „Zeremonie der Teedarbringung vor dem Buddha“) durch: Der beste Tee, in einem Seidenbeutel versiegelt, wurde auf dem Altar dargebracht, bevor er an den Hof gesandt wurde. Die buddhistische Gatha der Pflückerinnen: „yù shǒu xiānxiān, chán xīn jìngjìng, qiánchéng sòng sòng, cǎi gòng fó qián“ (玉手纤纤,禅心净净,虔诚颂诵,采供佛前 – „Zarte Jadefinger, reines Zen-Herz, mit ehrfürchtigen Gebeten – pflücken wir die Gabe vor dem Buddha“).

3. Botanische Beschreibung und Rohstoff:

  • Art: Camellia sinensis var. sinensis.
  • Sorte / Cultivar: Lokale endemische Varietät – „Júhuā cháshù“ (菊花茶树, júhuā cháshù – „Chrysanthementee-Strauch“), angepasst an das Hochgebirgsklima. Die Triebe sind zart, reichlich weiß behaart, mit hoher Frosthärte und einem im Vergleich zu gewöhnlichen grünen Tees erhöhten Gehalt an Polyphenolen und Aminosäuren.
  • Ernte: Frühjahr, streng um das Qingming-Fest (清明, ~5. April) ± 20 Tage. Die Ernte erfolgt buchstäblich unter dem Schnee – in den Hochlagen (über 1000 m) liegt zu dieser Zeit noch eine ungeschmolzene Schneedecke. Die Erntemethoden sind äußerst schonend: die „Schnipp-Methode“ (弹指法, tánzhǐ fǎ), die „Leicht-Hebemethode“ (轻提法, qīngtí fǎ), die „Abbrechmethode“ (掰式法, bāishì fǎ) – grobes Abzupfen und Abreißen sind strikt verboten, um die Unversehrtheit von Knospe und Stielansatz zu bewahren.
  • Erntestandard: Einzelne Knospen (独芽, dúyá) – für die Spitzenqualitäten „Chánxīn“ (禅心, „Zen-Herz“); eine Knospe und ein Blatt (一芽一叶) – für die Qualität „Ruìxīn“ (睿心); eine Knospe und zwei Blätter (一芽二叶) – für die Qualität „Huìxīn“ (慧欣).
  • Anforderungen an das Rohmaterial: Ganze, unbeschädigte Triebe. Ernte nur nach vollständigem Verdunsten des Taus; Ernte bei Regen verboten. Gefäße: Bambuskörbe, dünne Schichtung.

4. Terroir und Anbaubesonderheiten:

  • Relief: Der Berg Éméishān ist Teil des Übergangs vom Sichuan-Becken zum Qinghai-Tibet-Plateau. Steile Hänge, tiefe Schluchten, terrassierte Teegärten inmitten von Urwäldern.
  • Anbauhöhe: 800–1500 m ü. M. Kernzone: Um die Gipfel Chìchéng (赤城), Báiyán (白岩), Yùnǚ (玉女), Tiānchí (天池), Jìngyuè (竞月) und das Kloster Wànniánsì.
  • Klima: Éméishān liegt im Gebiet des sogenannten „Huáxī-Regenbildschirms“ (华西雨屏, Huáxī yǔpíng) – einem einzigartigen Mikroklimaphänomen, bei dem innerhalb der 154 km² großen Schutzzone drei natürliche „Regime“ wechseln: Nebel und Reif (雾凇, wùsōng, ~140 Tage/Jahr), Eisregen (雨凇, yǔsōng, ~130 Tage/Jahr) und klirrende Schneeklarheit (雪霁, xuějì, ~130 Tage/Jahr). Die tägliche Temperaturamplitude beträgt in den Hochgärten 16–18 °C, in den mittleren Lagen 12 °C. Diese Amplitude verlangsamt den Abbau von Aminosäuren und reichert das Blatt mit Aromastoffen an.
  • Böden: Tiefgründige, lockere, humusreiche Gebirgswaldböden (腐殖质, fǔzhízhì – „Humusschicht“). Saure Reaktion (pH 4,5–5,5). Hoher Gehalt an organischer Substanz durch die Laubstreu jahrhundertealter Bäume (楠, 樟, 柏, 杉 – Nánmù, Kampferlorbeer, Zypresse, Sicheltanne).
  • Ökologie: Die Teegärten liegen innerhalb der UNESCO-Welterbestätte, inmitten von Urwäldern, die über 2.300 Wildtierarten beherbergen (darunter Großer und Kleiner Panda) und Tausenden von Pflanzenarten, einschließlich reliktischer Baumfarne und Taubenbäume (Davidia). Chemische Dünger und Pestizide sind seit 1980 auf Anordnung von Dèng Xiǎopíng (邓小平) verboten. Über 6.000 Mu (400 ha) Teegärten besitzen internationale Bio-Zertifizierung.

5. Herstellungstechnologie:

Éméi xuě yá wird von Hand nach traditioneller, über Generationen von buddhistischen Teemeistern weitergegebenen Technologie hergestellt. Die Form des fertigen Tees ist flach, glatt, gerade, spitz (扁、平、滑、直、尖 – biǎn, píng, huá, zhí, jiān), nadelartig oder einem „Buddha-Auge“ (佛眼, fóyǎn) gleichend.

  • Ausbreiten (摊晾, tānliáng): Frisch gepflückte Knospen werden dünn und gleichmäßig auf Bambushorden ausgebreitet, um die Oberflächenfeuchtigkeit abdunsten zu lassen. Dauer: ca. 30 Minuten.
  • Fixierung / „Grüntötung“ (杀青, shāqīng): Das Blatt wird in einen hocherhitzten Wok (Gefäßtemperatur ca. 180 °C) gegeben. Der Meister wendet und wirbelt die Triebe von Hand (搂翻, lǒufān), um einen schnellen Feuchtigkeitsentzug und die Inaktivierung der Oxidase ohne Röstbrand zu erreichen. Dauer: bis Teeduft aufsteigt und das Blatt weich ist.
  • Abkühlen (摊凉, tānliáng): Das Blatt wird dem Wok entnommen und zum Abkühlen ausgelegt – etwa 5 Minuten. Dies verhindert übermäßige Hitzeeinwirkung.
  • Formen und Glätten (理条整形, lǐtiáo zhěngxíng): Die Woktemperatur wird reduziert. Das Blatt wird geglättet, ausgerichtet und in die charakteristische flache Nadelform gebracht. Traditionell verwendet man Spuren natürlichen Insektenwachses (虫蜡, chónglà) für die Oberflächenglätte – ein altes Verfahren, das eine fast spiegelglatte Oberfläche erzeugt.
  • Aromaentfaltung (提香, tíxiāng): Eine kurze Hochtemperaturbehandlung bei ca. 380 °C mit raschem Wenden. Ziel ist es, die Aromastoffe zu fixieren und „freizusetzen“, um dem Tee ein helles, reines Aroma zu verleihen. Der Meister muss die Kontaktzeit präzise steuern, um Brandnoten zu vermeiden.

6. Organoleptische Eigenschaften:

  • Aussehen des trockenen Blatts: Flache, gerade, glatte, zugespitzte „Nadeln“ (扁平滑直尖). Farbe: von hell- bis smaragdgrün (翠绿). Die höchsten Grade sind reichlich weiß behaart (白毫). Die Form bester Exemplare erinnert an ein „Buddha-Auge“ (佛眼).
  • Aroma des trockenen Blatts: Rein, frisch, hoch. Hauptnoten: Orchidee (兰花, lánhuā) und Honig (蜜香, mì xiāng), verwoben mit einem leichten Blumengrund.
  • Aroma des Aufgusses: Elegant, orchideenartig, mit ausgeprägten blumigen und fruchtigen Nuancen. Das Aroma verstärkt sich beim Abkühlen der Tasse und entfaltet sich in Wellen.
  • Geschmack: Frisch, belebend (鲜爽, xiānshuǎng), rein und weich (清醇甘滑, qīng chún gān huá). Eine leichte anfängliche Bitterkeit wandelt sich rasch in eine langanhaltende, zurückkehrende Süße, huíhān (回甘). Der Geschmack ist „saftig“, vollmundig, mit spürbarer Mineralität. Adstringenz ist minimal.
  • Farbe des Aufgusses: Hellgrün bis zart jadegrün (翠绿明亮), klar, mit charakteristischem „funkelndem“ Glanz.
  • Teeboden (ausgezogenes Blatt): Zartgrün, einheitlich, weich. Die Knospen entfalten sich vollständig und zeigen den gleichmäßigen Erntestandard. Die Spezialqualität zeigt Einzelknospen, die an winzige grüne „Federchen“ erinnern.

7. Chemische Zusammensetzung:

  • Polyphenole (茶多酚): Der Gehalt ist dank des Hochgebirgsterroirs, der intensiven UV-Strahlung und der signifikanten Temperaturamplitude wesentlich höher als in gewöhnlichen Flachland-Grüntees. Hauptkomponente: EGCG.
  • Aminosäuren (氨基酸): Erhöhter Gehalt (über dem Durchschnitt grüner Tees), besonders L-Theanin – ein Resultat des Nebelreichtums, des diffusen Lichts und der kalten Nächte, die den Theanin-Abbau verlangsamen. Der hohe Aminosäuregehalt ist für die Frische, Süße und „Saftigkeit“ des Geschmacks verantwortlich.
  • Alkaloide: Koffein – moderater Gehalt; Theobromin und Theophyllin – in Spuren.
  • Vitamine: C (Ascorbinsäure – hoher Gehalt), B₂, E, K, Folsäure. Vitamin C bleibt in Hochgebirgstees durch die niedrigeren Verarbeitungstemperaturen besser erhalten.
  • Mineralstoffe: Kalium, Magnesium, Mangan, Zink, Phosphor, Fluor.
  • Ätherische Öle: Linalool, Geraniol, Nerol, Benzylalkohol – sie formen das Orchideen-Blüten-Profil. Der Hochtemperaturschritt tíxiāng (提香) fixiert die Aromatik.
  • Besonderheiten: Dank des Ökosystems „Lín chá gòngshēng“ (林茶共生, línchá gòngshēng – „Wald-Tee-Symbiose“) ist das Blatt mit Phytonziden und Spurenelementen benachbarter Heilpflanzen angereichert – ein einzigartiges Merkmal des Éméi-Terroirs.

8. Wohltuende Eigenschaften:

  • Antioxidative Wirkung: Der hohe Gehalt an Catechinen (EGCG) und Vitamin C gewährleistet eine starke Neutralisierung freier Radikale. Buddhistische und daoistische Mönche des Éméishān betrachteten Tee traditionell als Mittel zur „páidú yǎngyán“ (排毒养颜 – „Entgiftung und Schönheitspflege“).
  • Anregende und konzentrationsfördernde Wirkung: Die Kombination von Koffein und L-Theanin bewirkt einen sanften kognitiven Schub – „qīngxīn míngmù“ (清心明目 – „Klärung des Herzens und Schärfung der Augen“), seit Jahrhunderten von Mönchen für die Meditation geschätzt.
  • Verdauungsförderung: Polyphenole stimulieren die Sekretion von Verdauungsenzymen; milde Tannine wirken adstringierend.
  • Herz-Kreislauf-System: Catechine tragen zur Normalisierung des Cholesterinspiegels und zur Erhaltung der Gefäßspannung bei.
  • Stärkung der Zähne: Fluor und Catechine hemmen kariogene Bakterien. Traditionelle Empfehlung: Mundspülung mit Teeaufguss nach dem Essen.
  • Immunmodulation: Polyphenole und Vitamin C stärken die Abwehrkräfte des Organismus.
  • Stoffwechsel: Grüner Tee steigert die Thermogenese und die Fettverbrennung. Die Mönche des Éméishān beschrieben diesen Effekt als „jiǔ fú qīng shēn“ (久服轻身 – „bei langem Konsum Leichtigkeit des Körpers“).
  • Antimikrobielle Eigenschaften: Catechine besitzen bakteriostatische Aktivität.

9. Aufguss:

  • Wassertemperatur: 85–90 °C. Für die Spitzenqualität „Chánxīn“ (禅心, Einzelknospen) – 80–85 °C.
  • Teemenge: 3–5 g auf 150 ml (Glas); 5–7 g auf Gaiwan 100–120 ml (Gongfu).
  • Gefäß: Ein Glas (玻璃杯) – ideal, um den „Tanz“ der Knospen zu beobachten: Beim Aufguss hoher Qualität hängen die Knospen senkrecht und wiegen sich, ein Schauspiel, das an „kleine Bambussprossen“ erinnert. Eine Porzellan-Gaiwan (盖碗) – zur Kontrolle der Extraktion und vollen Aromaentfaltung.
  • Ablauf (Gongfu-Stil):
    1. Gaiwan und Tassen mit kochendem Wasser vorwärmen, weggießen.
    2. 5–7 g Tee einfüllen. Das Aroma des trockenen Blatts von der erwärmten Wand einatmen.
    3. Erster Aufguss: Wasser von 85 °C in einem gezielten Strahl (定点高冲, dìngdiǎn gāochōng) zugießen. 10–15 Sekunden ziehen lassen. Den Deckel zum Entweichen des „rohen“ Dampfs einen Spalt öffnen (开盖透气, kāigài tòuqì) – dies verhindert das Entstehen von „geschmorten“ Noten.
    4. Zweiter und weitere Aufgüsse: Temperatur auf 80 °C senken, 5–10 Sekunden ziehen lassen.
    5. Anzahl der Aufgüsse: 6–10 (hohe Qualitäten).
  • Glas (Bēipào): 3–5 g auf 200 ml. Ein Drittel aufgießen – warten – aufgießen. Tee-zu-Wasser-Verhältnis: 1:50.
  • Wichtig: Nicht zu lange ziehen lassen – bei Überziehung weicht das Orchideenaroma einer Bitterkeit. Weiches Wasser mit geringer Mineralisierung unterstreicht die Süße.

10. Lagerung:

  • Temperatur: 0–5 °C (Kühlschrank), strikt in luftdichter Verpackung. Zulässig: kühler Ort (bis 10 °C).
  • Gefäße: Vakuum-Alubeutel, Blechdosen, undurchsichtige Keramik.
  • Feinde des Tees: Licht, Feuchtigkeit, Fremdgerüche, Sauerstoff, Wärme.
  • Haltbarkeit: Am ausdrucksstärksten in den ersten 6–12 Monaten nach der Herstellung. Die stark behaarten Hochgebirgstees vom Éméi sind besonders oxidationsempfindlich – nicht zu lange aufbewahren.

11. Preis und Fälschungen:

  • Preisklasse: Premiumsegment. Serie „Xuějì“ (雪霁, „Schneeklarheit“, höchster Bio-Grad) und „Chánxīn“ (禅心, „Zen-Herz“, Einzelknospen) – ab 1.000 Yuan/jīn (500 g). Mittlere Grade „Ruìxīn“ (睿心) und „Huìxīn“ (慧欣) – 400–800 Yuan/jīn.
  • Preisfaktoren: Anbauhöhe (höher = teurer), Rohstoffgrad, Handpflückung, Bio-Zertifizierung, Zugehörigkeit zur Kernzone (innerhalb des UNESCO-Schutzgebiets).
  • Wie man Fälschungen entgeht:
    • Bei autorisierten Händlern der Marke „Éméi Xuěyá“ (峨眉雪芽茶业集团, Éméi Xuěyá Cháyè Jítuán) kaufen.
    • Die Form prüfen: Echter Éméi xuě yá sind flache, glatte, zugespitzte „Nadeln“ mit spiegelnder Oberfläche und bei hohen Graden reichlich Flaum.
    • Das Aroma beurteilen: Echter Tee besitzt ein reines Orchideenprofil ohne „überhitzte“ oder grasige Noten.
    • Der Aufguss muss klar, zartgrün und ohne Trübung sein.
    • Verdächtig niedriger Preis ist ein Signal für den Ersatz durch Rohmaterial von Flachlandplantagen außerhalb der Éméi-Region.

12. Interessante Fakten:

  • Éméi xuě yá ist einer der wenigen Tees, die buchstäblich unter dem Schnee geerntet werden. In den Hochlagen (über 1000 m) ist der Schnee Anfang April noch nicht vollständig geschmolzen, und die Mönche schreiten über die weiße Decke, um die ersten Knospen zu pflücken. Das jährliche „tàxuě zhāichá“ (踏雪摘茶, „Teesammeln im Schnee“) gilt als eines der fotogensten Teespektakel Chinas.
  • Lǐ Shàn beschrieb in seinem Tang-zeitlichen Kommentar zum Zhāomíng Wénxuǎn ein rätselhaftes Phänomen: Die Teeknospen beim Kloster Hēishuǐsì (黑水寺) waren zwei Jahre nacheinander weiß behaart und im dritten Jahr grün – ein beständiger Wechsel, dessen Ursache bis heute ungeklärt ist.
  • Sū Dōngpō (苏东坡) bereitete einst Éméi-Tee mit Wasser der Huìquán-Quelle für seine Kollegen während der Staatsexamina in Hangzhou zu und schrieb: „fēn wú yù wǎn pěng Éméi“ (分无玉碗捧峨眉 – „Schade, dass keine Jadenschale vorhanden, um den Éméi darzubringen“).
  • Das Ökosystem des Éméishān umfasst Reliktpflanzen (Baumfarne, Taubenbäume) und seltenste Tiere (Großer Panda, Goldaffe). Die Teegärten existieren in buchstäblicher Symbiose mit diesem urzeitlichen Wald – „lín chá gòngshēng“ (林茶共生), was dem Tee eine unverwechselbare, „waldige“ Mineralnote verleiht.
  • 2013 wurden Éméi xuě yá und sein roter „Zwillingsbruder“ Jīn É Hóng (金峨红, „Goldroter Éméi“) zu den offiziellen Tees der Bankette des Fortune Global Forum in Chengdu gewählt – eines der größten Wirtschaftsforen der Welt.

13. Sorten des Éméi xuě yá:

Die aktuelle Produktlinie umfasst zwei Hauptserien:

Bio-Serie (有机茶系列, yǒujī chá xìliè):

  • Xuějì (雪霁, Xuějì – „Schneeklarheit“): Höchste Qualität. Große, fleischige Einzelknospen. Vollständig biologischer Anbau nach internationalen Standards.
  • Jìsōng (霁凇, Jìsōng – „Eisreif“): Mittlere Qualität. Knospe und ein Blatt.
  • Yǔsōng (雨凇, Yǔsōng – „Regenreif“): Basisqualität. Reiferes Blattgut, erschwinglicher Preis.

Serie „Seltener grüner Tee“ (珍稀绿茶系列, zhēnxī lǜchá xìliè):

  • Chánxīn (禅心, Chánxīn – „Zen-Herz“): Spezialqualität – ausschließlich Einzelknospen (独芽). Ausgeprägte „Wald“-Ökologie.
  • Ruìxīn (睿心, Ruìxīn – „Weises Herz“): Erste Qualität. Eine Knospe und ein Blatt.
  • Huìxīn (慧欣, Huìxīn – „Freude der Weisheit“): Zweite Qualität. Eine Knospe und zwei Blätter.

Außerdem werden der rote Tee Jīn É Hóng (金峨红) und der Jasmintee É Xiāng Xuě (峨香雪) hergestellt – als Erweiterungen jenseits des klassischen Grüntee-Profils.

Zum Abschluss:

Éméi xuě yá – ein Tee, geboren auf der Schneide zwischen Schnee und Frühling, in Wäldern, wo Pandas streifen und Mönche beten. Eineinhalb Jahrtausende – von den ersten Teemönchen der Sui- und Tang-Zeit bis zu modernen Bio-Zertifikaten – ist er seinem Charakter treu geblieben: zart, orchideenklar, „schneeig“ im genauesten Wortsinn – rein und frisch wie Bergluft nach einem Schneesturm. Als Lù Yóu ihn mit dem legendären Gùzhǔ Zǐsǔn verglich und zum Schluss kam, der Éméi stehe ihm „nicht nach“, schmeichelte er nicht – er stellte fest. Dieser Tee eignet sich vorzüglich für alle, die im grünen Tee nicht Kraft und Dichte, sondern Klarheit, Frische und stille Tiefe suchen – jene „Stille eines Schneemorgens“, die nirgendwo außerhalb des Éméishān nachgeahmt werden kann.