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Dian Hong Gongfu
Diānhóng gōngfū · 滇红工夫
Dian Hong Gongfu (滇红工夫, Diānhóng gōngfū) ist das Flaggschiff der Rotteen aus Yunnan und einer der berühmtesten Roten Tees Chinas. Er wurde 1938 vom „Vater des Dian Hong“, Feng Shaoqiu (冯绍裘, Féng Shàoqiú), aus großblättrigem Rohmaterial Yunnans nach dem Vorbild der Keemun-Technologie entwickelt und verblüffte die Welt…
Dian Hong Gongfu (滇红工夫, Diānhóng gōngfū) ist das Flaggschiff der Rotteen aus Yunnan und einer der berühmtesten Roten Tees Chinas. Er wurde 1938 vom „Vater des Dian Hong“, Feng Shaoqiu (冯绍裘, Féng Shàoqiú), aus großblättrigem Rohmaterial Yunnans nach dem Vorbild der Keemun-Technologie entwickelt und verblüffte die Welt sofort: „Goldene Härchen auf der gesamten Oberfläche, der Aufguss rot, leuchtend, tief – so etwas gab es unter den kleingeschrittenen Roten Tees Chinas nicht“, schrieb Feng Shaoqiu in den „Aufzeichnungen zur Geschichte des Dian Hong“. Dian Hong Gongfu vereint die Kraft des yunnanesischen Terroirs mit der Eleganz der Handverarbeitung und bleibt einer der markantesten Geschmäcker im weltweiten Spektrum des Roten Tees.
1. Klassifizierung und Herkunft:
- Typ: Roter Tee (红茶, hóngchá), vollständig oxidiert. Nach europäischer Klassifizierung ein schwarzer Tee. Er gehört zur Kategorie Gongfu Hongcha (工夫红茶, gōngfu hóngchá) – „mit handwerklicher Meisterschaft hergestellter roter Tee“.
- Kategorie: Berühmte rote Tees Chinas (中国名茶). 1986 wurde er als „National Berühmter Tee“ (全国名茶) ausgezeichnet. Staatliche Silbermedaille für Qualität (1986). Internationale Goldmedaille für Qualität (Madrid, 1985).
- Herkunft: China, Provinz Yunnan (云南省, Yúnnán Shěng). Das historische Produktionszentrum ist der Kreis Fengqing (凤庆县, Fèngqìng Xiàn), bezirksfreie Stadt Lincang (临沧市, Líncāng Shì). Das weitere Anbaugebiet umfasst die Bezirke Baoshan (保山), Pu’er (普洱, ehemals Simao), Xishuangbanna (西双版纳), Dehong (德宏), Honghe (红河) und Wenshan (文山). Die qualitativ besten Dian Hong stammen aus Fengqing und Lincang.
- Geografische Koordinaten: Kreis Fengqing – etwa 24°35′ n. Br., 99°55′ ö. L.
- Alternative Bezeichnungen: Dianhong (滇红, Diānhóng) – Kurzform; „Yunhong“ (云红, Yúnhóng) – ursprünglicher, von Feng Shaoqiu vorgeschlagener Name, der 1939 von der Provinzialen Teegesellschaft durch „Dianhong“ ersetzt wurde.
2. Geschichte und kulturelle Bedeutung:
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Geschichte: Obwohl Yunnan die älteste Teeregion der Welt ist (Heimat wildwachsender Teebäume und des Pu’er), reicht die Geschichte des Roten Tees hier weniger als 90 Jahre zurück. Die Entstehung von Dian Hong ist eine unmittelbare Folge des Krieges. Nach der Invasion Chinas durch Japan im Jahr 1937 (事变, „Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke“) gerieten die traditionellen Exportbasen für roten Tee – Fujian (Minhong) und Anhui (Qihong) – in umkämpfte oder besetzte Gebiete. Um den für den Waffenkauf lebenswichtigen Export aufrechtzuerhalten, entsandte die Chinesische Teekompanie (中国茶叶公司) den Spezialisten Zheng Hechun (郑鹤春) und den zuvor in den Keemun-Fabriken tätigen Technologen Feng Shaoqiu (冯绍裘, 1900–1987) nach Yunnan. Im November 1938 kam Feng Shaoqiu im Kreis Shunning (顺宁, heute Fengqing) an und stellte zu seinem Erstaunen fest, dass die Teebüsche im November noch frische Triebe trugen – das Klima Yunnans erlaubte sogar im Winter das Pflücken. Er sammelte sofort über 5 kg Frischblätter und stellte von Hand je 500 g roten und grünen Tee her. Das Ergebnis überraschte ihn: „Der rote Tee – vollständig in goldene Härchen gehüllt, Aufguss rot, leuchtend, tief, Blattgrund orange-rot, strahlend, Aroma gesättigt – so etwas war mir unter den kleingeschrittenen Roten Tees des Landes noch nie begegnet.“ Proben wurden über Hongkong auf den internationalen Markt geschickt; die Bewertungen waren enthusiastisch. Im März 1939 gründete Feng Shaoqiu die Experimentelle Teefabrik Shunning (顺宁实验茶厂) – die Vorläuferin der heutigen Yunnan Dianhong Group (云南滇红集团). Die erste Exportpartie – etwa 16,7 Tonnen – wurde über Hongkong nach London verschifft und zum Rekordpreis von 800 Pence pro Pfund verkauft; sie erhielt die Auszeichnung „über allen Roten Tees Chinas stehend“. Dianhong wurde zum „Tee des antijapanischen Widerstands“ (抗战茶) – die Devisen aus seinem Export flossen in den Kauf von Kriegsgerät.
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Nachkriegsruhm: In den 1950er Jahren wurde Dianhong in die UdSSR exportiert – „eine Tonne Dianhong tauschte man gegen zehn Tonnen Stahl“. 1957 belegte Dian Hong Gongfu den ersten Platz bei einer gesamtchinesischen Blindverkostung in Peking. 1958 wurde die erste Partie Dianhong Teji Gongfu (滇红特级工夫) hergestellt – sie wurde in London für 500 Pence pro Pfund verkauft und stellte einen Weltrekordpreis für Roten Tee auf. Seit 1959 wurde Dianhong Teji als staatlicher Protokolltee (外事礼茶) festgelegt – jährlich in limitierten Partien für den Staatsrat der VR China hergestellt. 1986 wurden die „Goldenen Knospen“ (金芽茶) aus Fengqing Königin Elisabeth II. von Großbritannien als Staatsgeschenk überreicht; einer Legende zufolge platzierte sie den Tee in einem Glasgefäß als Sammlungsstück.
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Name:
- „Dian“ (滇) – alter Name Yunnans, zurückgehend auf das Königreich Dian (滇国, 4.–1. Jh. v. Chr.) und den Dianchi-See (滇池) bei Kunming. Feng Shaoqiu nannte den Tee ursprünglich „Yunhong“ (云红, „Yunnan-Rot“), doch die Provinzielle Teekompanie änderte dies in „Dianhong“ – „Roter Tee aus Dian“ – poetischer und klangvoller.
- „Gongfu“ (工夫) – „handwerkliche Meisterschaft“, „Mühe und Kunst“. Verweist auf die Zugehörigkeit zur Kategorie Gongfu Hongcha – rote Tees, die nach einem vielstufigen orthodoxen Verarbeitungsverfahren hergestellt werden (im Gegensatz zu CTC).
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Kulturelle Bedeutung: Dian Hong ist ein Patriotentee, geboren aus dem Krieg und zu einer Säule der chinesischen Exportwirtschaft geworden. Er verschaffte Yunnan – der Heimat allen Tees auf der Erde – einen würdigen Platz auf der Landkarte der weltweiten Roten Teeproduktion, die zuvor von Fujian und Anhui monopolisiert war. Heute ist Dianhong Gongfu die Visitenkarte von Lincang und Fengqing, ein Museumsexponat (die Fabrik-Museum Fengqing Cha Chang ist in der Liste der Nationalen Denkmäler des Industrieerbes der VR China, 2019, aufgeführt) und eine lebendige Tradition, die sich weiterentwickelt.
3. Botanische Beschreibung und Rohmaterial:
- Sorte / Kultivar: Großblättrige Yunnan-Varietät – Camellia sinensis var. assamica (Da Ye Zhong, 大叶种, dàyè zhǒng). Hauptkultivare: Fengqing Da Ye (凤庆大叶), Mengku Da Ye (勐库大叶), Fengqing Changye Bai Hao (凤庆长叶白毫) und lokale samenfeste Populationen. Großblättrige Formen zeichnen sich durch hohen Tee-Polyphenolgehalt aus (30–35 % im Frischblatt – höher als bei den kleinblättrigen var. sinensis), was Fülle, Dichte und „Körper“ des Aufgusses gewährleistet. Der Gehalt an Katechinen und Koffein ist ebenfalls überdurchschnittlich.
- Pflückung: Yunnan ist die einzige Provinz Chinas, in der Tee ganzjährig gepflückt werden kann. Die Frühjahrsernte (März–Mai) liefert das beste Rohmaterial; Sommer- und Herbsternte ergeben günstigere Grade. Für Dianhong Teji Gongfu werden ausschließlich frühe Frühjahrstriebe verwendet.
- Pflückstandard: Eine Knospe mit ein bis zwei Blättern (一芽一二叶) für höhere Grade; eine Knospe mit zwei bis drei Blättern für Standardgrade. Die Knospen sind groß, fleischig und von einem dichten goldenen Flaum (金毫, jīn háo) bedeckt.
- Anforderungen an das Rohmaterial: Ganzes, frisches Blatt ohne mechanische Beschädigungen. Minimale Verzögerung zwischen Pflückung und Verarbeitungsbeginn.
4. Terroir und Anbaubedingungen:
- Yunnan – Heimat des Tees: Yunnan ist das biogeografische Ursprungszentrum der Gattung Camellia. Hier wachsen die ältesten wilden Teebäume mit einem Alter von bis zu 3.200 Jahren (树龄 „Jinxiu Chawangshu“, 锦绣茶王树, Fengqing). Die Provinz steht in China an erster Stelle hinsichtlich der Teeplantagenfläche.
- Kreis Fengqing: Liegt im Westen Yunnans, im Einzugsgebiet des Lancang Jiang (Mekong). Das Relief besteht aus hügeligen Plateaus, tiefen Flusstälern und Berghängen. Die Waldbedeckung beträgt ~65 %.
- Anbauhöhe: 1000–2200 m über dem Meeresspiegel. Die optimale Zone für Gongfu liegt bei 1200–1800 m.
- Klima: Subtropischer Monsun, durch die Höhe gemildert. Mittlere Jahrestemperatur ~16–17 °C. Niederschlag – 1200–1700 mm/Jahr. Frostfreie Periode – mehr als 300 Tage. Sonnenstunden – ~2000 pro Jahr. Die Kombination von Wärme, Feuchtigkeit und milden Wintern gewährleistet schnelles Wachstum und ganzjährige Vegetation.
- Böden: Lateritische Rot- und Roterdeböden (红壤), sauer (pH 4,5–5,5), reich an organischer Substanz, Eisen und Aluminium. Tiefe fruchtbare Schicht. Ideal für großblättrige Sorten.
5. Herstellungsverfahren:
Dianhong Gongfu wird nach der klassischen orthodoxen Rottee-Technologie hergestellt, die von Feng Shaoqiu an die Besonderheiten des großblättrigen Rohmaterials aus Yunnan angepasst wurde. Der entscheidende Unterschied zu Roten Tees aus Fujian und Anhui besteht in einer intensiveren Fermentation (die polyphenolreiche großblättrige Sorte erfordert eine tiefere Oxidation) und einem kräftigeren Temperaturregime bei der Trocknung.
- Pflückung (采摘 — cǎizhāi): Handpflückung von einer Knospe und ein bis zwei Blättern für höhere Grade. Maschinell für Massenware.
- Welken (萎凋 — wěidiāo): Natürlich (im Freien oder unter einem Dach) oder in Räumen mit warmer Luftzufuhr. Dauer – 12–18 Stunden. Feuchtigkeitsverlust – bis zu 60–65 %. Das Blatt wird weich und elastisch.
- Rollen (揉捻 — róuniǎn): Maschinell (Rollen) oder von Hand. Das großblättrige Rohmaterial erfordert stärkeren Druck als das kleinblättrige: die Zellwände sind dicker, der Saft tritt schwerer aus. Das Rollen dauert 60–90 Minuten.
- Fermentation / Oxidation (发酵 — fājiào): Bei ~25–30 °C, Luftfeuchtigkeit ~90–95 %, über 3–5 Stunden. Kontrolliert wird anhand der Farbe (Übergang zu Kupferrot) und des Aromas (Auftreten fruchtig-karamelliger Noten). Der hohe Polyphenolgehalt sorgt für reichliche Bildung von Theaflavinen und Thearubigenen – sie verleihen dem Dianhong seine charakteristische Fülle und seinen „Körper“.
- Trocknung (烘干 — hōnggān): Mit heißer Luft oder in der Trommel bei ~100–120 °C. Zweistufig: „Maohuo“ (毛火, primär) und „Zuhuo“ (足火, final). Restfeuchte – 5–6 %.
- Raffination (精制 — jīngzhì): Für die Kategorie „Gongfu“ – mehrstufiges Sortieren, Sieben, Gleichschneiden, Entstielen, abschließendes Erhitzen. Eben diese Etappe der „handwerklichen Meisterschaft“ (工夫) gibt dem Tee seinen Namen.
6. Organoleptische Eigenschaften:
- Äußeres Erscheinungsbild des trockenen Blattes: Dichte, fest gerollte Streifen, gleichmäßig in der Größe. Bei höheren Graden – reichlich goldene Härchen (金毫), die die gesamte Oberfläche der Teeblätter bedecken. Farbe – von dunkelbraun bis anthrazitschwarz mit goldenen Einsprengseln. Öliger Glanz. Bei Teji (特级) – „vollständig in Gold“ (满盘金色黄毫).
- Aroma des trockenen Blattes: Reich, süß, mit Karamell-Honig-, Malz- und Schokoladennoten. Leichte würzige (Zimt, schwarzer Pfeffer) und fruchtige (Trockenfrüchte, Backpflaumen) Obertöne. Kräftiger und „dichter“ als bei kleinblättrigen Roten Tees.
- Aroma des Aufgusses: Tief, warm – Karamell, Honig, Schokolade, Malz. Bei besten Partien – blumige Noten, die an Wildrose erinnern. Feng Shaoqiu beschrieb es mit der Formel: „hat das Aroma von Qihong und die Farbkraft eines indisch-ceylonesischen Tees“ (既具祁红之香,又具印锡红茶之色).
- Geschmack: Dicht, reich, „samten“, mit ausgeprägtem „Körper“ (vollmundig). Dominanten – Karamellsüße, Malz, Schokolade, Trockenfrüchte (Aprikose, Backpflaume, Dattel). Leichte Würze. Moderate, angenehme Adstringenz, die nicht in Bitterkeit umschlägt. Ausgeprägter „süßer Nachhall“ (回甘, huígān). Langanhaltender, warmer Abgang mit einem Karamell-Honig-Schleier.
- Farbe des Aufgusses: Leuchtend rot, tief, satt, mit rubinrotem Schimmer. Klar. Bei besten Partien – ein „goldener Ring“ am Tassenrand (金圈, jīn quān).
- Teeblattgrund (aufgegossenes Blatt): Große, ganze Blätter von leuchtend roter (orange-roter) Farbe, elastisch, glänzend – „rot und leuchtend“ (红艳发光), nach Feng Shaoqius Beschreibung.
7. Chemische Zusammensetzung:
Die großblättrige Yunnan-Sorte verleiht dem Dianhong eines der reichsten chemischen Profile unter den Roten Tees der Welt.
- Polyphenole (茶多酚): 15–25 % des Trockengewichts – höher als bei den meisten kleingeschrittenen Hongcha. Bei vollständiger Fermentation entsteht eine hohe Konzentration an Theaflavinen (0,8–2,5 %) und Thearubigenen (8–15 %), die für die satte Farbe, den „Körper“ und den „goldenen Ring“ sorgen.
- Aminosäuren (氨基酸): 1,5–3 % des Trockengewichts. L-Theanin ist die Hauptkomponente. Das Verhältnis von Polyphenolen zu Aminosäuren (Phenol-Amin-Verhältnis, 酚氨比) ist bei großblättrigen Sorten höher als bei kleingeschrittenen, was die ausgeprägtere Adstringenz und „Kraft“ des Dianhong erklärt.
- Alkaloide: Koffein – 3–5 % des Trockengewichts; in der Tasse ~30–70 mg. Theobromin, Theophyllin.
- Vitamine: B₁, B₂, B₃, C (teilweise), E, K.
- Mineralstoffe: Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen, Mangan, Fluor, Zink, Kupfer, Selen.
- Ätherische Öle (芳香油): Linalool, Geraniol, Phenylacetaldehyd; karamellige und malzige Komponenten der Maillard-Reaktion.
8. Gesundheitliche Wirkungen:
- Starke Tonisierung: Der hohe Koffeingehalt sorgt für eine ausgeprägt belebende Wirkung; L-Theanin mildert sie und beugt Nervosität vor.
- Antioxidative Wirkung: Die reichlich vorhandenen Theaflavine und Thearubigene gehören zu den wirksamsten natürlichen Antioxidantien.
- Wärmende Wirkung: Dianhong ist einer der von der Natur her „wärmsten“ Roten Tees, ideal für den Winter und für Menschen mit „kalter“ Konstitution nach der TCM.
- Unterstützung der Verdauung: Regt die Sekretion von Verdauungsenzymen an und hilft nach schwerem und fettigem Essen.
- Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems: Polyphenole verbessern die Elastizität der Blutgefäße und die Mikrozirkulation.
- Antibakterielle Wirkung: Der hohe Polyphenolgehalt gewährleistet einen ausgeprägten antibakteriellen Effekt.
- Verringerung von Ermüdung: Die Kombination aus Koffein, Theanin und B-Vitaminen unterstützt Leistungsfähigkeit und Konzentration.
9. Zubereitung:
- Wassertemperatur: 90–100 °C. Der großblättrige Dianhong verträgt kochendes Wasser gut; für delikate Knospengrade (Jin Ya, Jin Zhen) – 85–90 °C.
- Teemenge: 4–6 g auf 100–120 ml (Gongfu-Methode); 3–4 g auf 200–250 ml (europäische Methode).
- Geschirr: Porzellan-Gaiwan (盖碗) – optimal für die Verkostung. Yixing-Kanne – eine gute Wahl für kräftige, reife Grade. Glasgefäße erlauben, die intensive Farbe des Aufgusses zu bewundern.
- Ablauf:
- Gefäß vorwärmen: Gaiwan, Chahai und Tassen mit kochendem Wasser ausspülen.
- Tee einfüllen: 4–6 g in den vorgewärmten Gaiwan.
- Abspülen (润茶): Ein kurzer Aufguss von 2–3 Sekunden – empfohlen.
- Erster Aufguss: 8–15 Sekunden.
- Ausgießen: Den Aufguss vollständig abgießen.
- Wiederholte Aufgüsse: 5–8 Aufgüsse, die Ziehzeit jeweils um 5–10 Sekunden verlängern. Dianhong zeichnet sich durch gute Ausdauer aus – die ersten 3–4 Aufgüsse sind am reichhaltigsten, danach öffnet sich der Tee mit weicheren, süßeren Noten.
- Hinweis: Dianhong ist mit Milch hervorragend – seine Dichte und Fülle erlauben ihm, „standzuhalten“, ohne seinen Charakter zu verlieren. Er eignet sich ausgezeichnet für „Masala Chai“ und Cold Brew.
10. Lagerung:
- Behälter: Luftdicht, lichtundurchlässig – Blechdose, folienkaschierter Beutel, Keramikgefäß.
- Bedingungen: Trockener, kühler, dunkler Ort. 10–25 °C, Luftfeuchtigkeit bis 60 %.
- Haltbarkeit: 12–24 Monate. Einige kräftige Grade (Lao Cong, Gu Shu) lassen sich bis zu 3 Jahre gut „lagern“.
- Hinweis: Kühlschrank nicht erforderlich; roter Tee wird bei Raumtemperatur aufbewahrt.
11. Preis und Fälschungen:
Der Preis von Dianhong Gongfu hängt vom Grad ab: Massenware (三级) – 50–150 Yuan/500 g; Standard (一二级) – 150–500 Yuan; Spitzenklasse / Teji (特级) – 500–1.500 Yuan; Premium-Chargen (Gu Shu, Ye Sheng) – bis 2.000–5.000+ Yuan.
So vermeiden Sie Fälschungen:
- Herkunft prüfen: Die besten Dianhong stammen aus Fengqing und Lincang. Billigfälschungen werden oft aus Rohmaterial von Flachland-Plantagen Yunnans oder anderer Provinzen hergestellt.
- Goldene Härchen beurteilen: Bei authentischen hohen Graden sind sie üppig und natürlich golden. Künstlich „gefärbte“ oder beigemischte Härchen sind ein Warnzeichen.
- Geschmack ohne Bitterkeit: Guter Dianhong Gongfu ist reich, aber ohne scharfe Bitterkeit. Grobe, „schwere“ Bitterkeit ist ein Zeichen für minderwertiges oder altes Rohmaterial.
- Aufguss: Leuchtend rot, klar, mit einem „goldenen Ring“. Trüb oder dunkelbraun deutet auf Verarbeitungsfehler hin.
12. Wissenswertes:
- „Tee des antijapanischen Widerstands“: Die ersten Partien Dianhong (1939) finanzierten unmittelbar den Waffenkauf für China – die Devisen aus dem Export über Hongkong dienten der Bezahlung militärischer Lieferungen.
- 500 Pence pro Pfund: 1959 stellte Dianhong Teji Gongfu mit 500 Pence pro Pfund an der Londoner Börse einen Weltrekordpreis für Roten Tee auf.
- „Eine Tonne Dianhong – zehn Tonnen Stahl“: In den 1950er Jahren wurde Dianhong in einem solchen Verhältnis gegen sowjetischen Stahl getauscht und trug damit entscheidend zur Industrialisierung der jungen VR China bei.
- Geschenk an die Königin: 1986 wurden die „Goldenen Knospen“ Elisabeth II. überreicht, die sie der Legende nach in einem Glasgefäß als Sammlungsexponat platzierte.
- Ältester Teebaum: In Fengqing wächst der „Jinxiu Chawangshu“ (锦绣茶王树) – ein wilder Teebaum mit einem Alter von ~3.200 Jahren, der älteste bekannte der Erde.
13. Sorten von Dian Hong:
Die Familie des Dian Hong ist umfangreich. Die wichtigsten Sorten:
- Dian Hong Gongfu (滇红工夫): Klassischer Stil – orthodoxe Verarbeitung, feine, gleichmäßige Fraktion nach der Raffination. Basis des Exports.
- Dian Hong Jin Ya (滇红金芽): „Goldene Knospen“ – ausschließlich Knospen, bedeckt mit dichtem goldenem Flaum. Premium-Grad, zart, süß.
- Dian Hong Jin Zhen (滇红金针): „Goldene Nadeln“ – Knospen in gerader Rollung, optisch an goldene Nadeln erinnernd. Maximale Süße.
- Dian Hong Jin Luo (滇红金螺): „Goldene Schnecken“ – spiralförmige Rollung. Optisch ansprechend, fruchtig-blumig.
- Dian Hong Song Zhen (滇红松针): „Kiefernnadeln“ – gerade Rollung aus Blättern, an Kiefernnadeln erinnernd.
- Dian Hong Da Jin Ya (滇红大金芽): „Große goldene Knospen“ – aus Knospen baumartiger Sträucher.
- Dian Hong Jin Si (滇红金丝): „Goldene Fäden“ – feinste Rollung.
- Dian Hong Ye Sheng (滇红野生): Aus Blättern wildwachsender Teebäume. Kräftiges, „wildes“ Profil.
- Dian Hong Gu Shu (滇红古树): Aus Blättern alter (100+ Jahre) Bäume. Tiefer, mineralischer Geschmack mit einer charakteristischen „Wald“-Note.
- Shai Hong (晒红): „Sonnengetrockneter roter Tee“ – Trocknung nicht mit heißer Luft, sondern durch Sonnenstrahlen. Eine eigene Richtung mit Reifepotenzial.
Fazit:
Dian Hong Gongfu (滇红工夫, Diānhóng gōngfū) ist die Kraft und Großzügigkeit des großblättrigen Yunnan-Tees, verkörpert in einer Tasse rubinroten Aufgusses. Geboren im Rauch des Krieges und zur Waffe des wirtschaftlichen Widerstands geworden, bewies dieser Tee schnell, dass das Terroir Yunnans Rote Tees von Weltklasse hervorbringen kann – ebenbürtig, mancherorts sogar überlegen den gepriesenen „Konkurrenten“ aus Fujian und Anhui. Seine charakteristische Dichte, Karamellsüße, schokoladig-malzigen Obertöne und der „goldene Ring“ am Tassenrand sind eine unverwechselbare Handschrift, die mit nichts zu verwechseln ist. Dianhong ist ein Tee für all jene, die Fülle, Wärme und Charakter schätzen: Er ist gleichermaßen großartig im einsamen morgendlichen Gongfu wie in einer großen Tasse mit Milch an einem kalten Winterabend.